INTEGRATION

Rita Süssmuth wirbt in Gladbeck um Dialogbereitschaft

Aufmerksam verfolgte das Publikum in der Gladbecker Christuskirche die Ausführungen von Referentin Prof. Dr. Rita Süssmuth zum Thema „Migration und Integration. Die türkisch-deutschen Beziehungen gestern und heute“.

Aufmerksam verfolgte das Publikum in der Gladbecker Christuskirche die Ausführungen von Referentin Prof. Dr. Rita Süssmuth zum Thema „Migration und Integration. Die türkisch-deutschen Beziehungen gestern und heute“.

Foto: Heinrich Jung

GlADBECK.   Ehemalige Bundestagspräsidentin sprach in der Gladbecker Christuskirche über Deutschland und die Türkei. Der Vortrag erntete nicht nur Beifall.

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Das deutsch-türkische Verhältnis zu beschreiben, sei „ein schwieriges Kapitel der besonderen Art“, sagte Prof. Dr. Rita Süssmuth vor rund 50 Zuhörern gleich zu Beginn ihres Vortrages über „Migration und Integration – Die türkischen - deutschen Beziehungen gestern und heute.“ Im Vorfeld der diesjährigen Woche der Brüderlichkeit, die vom 11. bis 18. März läuft, hatte der Evangelische Kirchenkreis Gladbeck – Bottrop – Dorsten am Montagabend in die evangelische Christuskirche an der Humboldtstraße eingeladen.

Dass es der mittlerweile 80-Jährigen dabei in erster Linie um die Definition allgemein menschlicher Grundsätze ging, die an keiner Landesgrenze Halt machen, wurde schnell deutlich, fasste sie doch ihren thematischen Rahmen sehr weit. Süssmuth blickte ebenso auf den Rechtsruck in Polen wie auf die Situation in Russland oder Albanien. Dabei betonte die Referentin, wie wichtig Gesprächsbereitschaft sei: „ Wir leben in einer Welt der Widersprüche, mehr Widersprüche als plausible Lösungen. Wenn wir das umdrehen wollen, müssen wir miteinander reden.“

Das deutsch-türkische Verhältnis sei in den vergangenen Jahren immer schlechter geworden, und sie selbst als Präsidentin des deutschen Hochschulkonsortiums der Deutsch-Türkischen Universität in Istanbul frage sich täglich, ob sie das noch weitermachen könne: „Ich stehe deshalb heute nicht hier, um Ihnen zu sagen, was Sie tun sollen.“ Auch mit Blick auf die Begleitausstellung „Haymatloz“ (wir berichteten) in der Christuskirche, verwies die christdemokratische Politikerin darauf, dass „wir viel zu wenig voneinander wissen, weil zum Beispiel die Politik kaum oder unzureichend erklärt und wir deshalb mit Vorurteilen beladen sind.“

Offene Türen für Flüchtlinge

Sie erinnerte an die deutsche Diskussion um den späteren Oberbürgermeister (ab dem Jahr 1950 Regierender Bürgermeister) von Berlin, Ernst Reuter. Er hatte in den Jahren von 1935 bis 1946 im türkischen Exil gelebt hatte: „Kann so einer Bürgermeister werden?“ Viel zu wenige Menschen wüssten darum, wie viele Flüchtlinge – hauptsächlich jüdischen Glaubens – die Türkei aufgenommen habe, gab Rita Süssmuth zu bedenken. „Wissenschaftler, Fachkräfte und Politiker fanden offene Türen.“

Wenn wir heute Menschen anderer Kulturen aufnähmen, müsse unsere Idee sein: „Wir geben nicht nur – wir empfangen auch.“ Süssmuth richtete einen Appell an ihre Zuhörer, auf andere zuzugehen: „Geht hin, wo wir gemeinsam tätig sind.“

Die Referentin erinnerte an die Flüchtlingssituation im Jahre 2015: „Das hätten wir nicht geschafft ohne die vielen Freiwilligen. Das ist ein Schatz.“ Manchen Zuhörern in der Christuskirche – sowohl deutschen als auch türkischstämmigen – , war Rita Süssmuths Dialogoffensive „zu wenig konkret“ oder zu „abstrakt“. Meinung der Kritiker: Lediglich einseitig ein positives gesellschaftliches Klima einzufordern sei „zu wenig“.

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