Integrationsrat

Resolution verurteilt rassistische Nazi-Schmierereien in Gladbeck

Schockiert: Moscheeverein-Vorstand Nadir Kahraman und Muzaffer Subasi am Morgen nach

Schockiert: Moscheeverein-Vorstand Nadir Kahraman und Muzaffer Subasi am Morgen nach

Foto: Esser

Gladbeck.  Der Gladbecker Integrationsrat hat über Textvorschläge für eine Resolution diskutiert. Die Täter konnten noch nicht ermittelt werden.

Dass die abscheulichen Nazi-Schmierereien, die am vorletzten Wochenende an der Ditib-Moschee, an benachbarten Wohnhäusern, einem arabischen Geschäft am Goetheplatz und auf der Gedenksäule am Ehremal entdeckt wurden, aufs Schärfste zu verurteilen sind, darin waren sich alle Mitglieder des Integrationsrates einig. Auch, dass man ein klares Statement für ein friedliches Miteinander in Form einer Resolution verabschieden wollte. Zu den dazu unterschiedlichen vorgelegten Textentwürfen gab es allerdings einigen Abstimmungsbedarf.

Zuvor wurde von einem speziellen Gast im Ratssaal die Hoffnung gemindert, dass der oder die Täter der Hakenkreuz-Sudeleien „auf jeden Fall gefasst werden“. Meike Mintel, Kontaktbeamtin für muslimische Institutionen im Polizeipräsidium Recklinghausen, berichtete zum Sachstand der Ermittlungen, in die auch der Staatsschutz eingeschaltet ist. Die Polizei habe zwar nach den Medienberichten „einige Hinweise von Anwohnern erhalten, die zur Tatzeit (Montagfrüh gegen drei Uhr laut Überwachungsvideo des Moschee-Vereins) verdächtige Dinge bemerkt haben“, die aber leider nicht sofort gemeldet worden seien.

Mehrere Zeugenhinweise von Anwohnern

Die Kriminalhauptkommissarin insistierte dazu, „bitte immer sofort den Notruf 110 wählen, wenn man etwas Verdächtiges in der Nachbarschaft bemerkt“. Nur dann hätte die Polizei die Chance, „Täter auf frischer Tat zu schnappen“, die sonst unerkannt in der Nacht verschwänden – und die ohne konkretere Zeugenhinweise meist nur schwer zu ermitteln seien.

Immerhin etwas Positives konnte die Expertin auf die Frage von Ratsfrau Simone Steffens (Grüne), ob es in Gladbeck eine organisierte rechte Szene gibt, mitteilen: „Die gute Nachricht dazu — nein!“

Schließlich ging es im Gremium um die Resolution. An der von der Verwaltung vorgelegten Textpassage, „wer Hakenkreuze als politisches Statement benutzt, fordert zum Massenmord auf“, störte Ratsfrau Müzeyyen Dreessen (CDU) der Verweis auf den Massenmord, den auch Ratsherr Jörg Baumeister (SPD) als „zu emotionalisierend“ und „zu sehr draufhauend“ empfand. Der von der Liste ABI türkeistämmiger Gladbecker vorgelegte Textentwurf, der nur „den feigen Anschlag auf die Ditib Tükiye Moschee und umliegende Häuser“ verurteilte, war anderen Integrationsratmitgliedern zu einseitig.

Eine aktive Kampagne in Aussicht stellen

Nilüfer Akcay (Liste GLA) kritisierte eine Resolution als reines Statement als „zu wenig“. Davon habe es schon einige in der Vergangenheit ohne weitere Effekte gegeben. Sie forderte so, dass im Text „auch eine aktive Kampagne in Aussicht gestellt wird“.

In einer etwa zehnminütigen Sitzungsunterbrechung wurde so gemeinsam am Resolutionstext gefeilt, der dann letztlich einstimmig vom Integrationsrat verabschiedet werden konnte (siehe links).

Der Text der verabschiedeten Resolution:

„Der Integrationsrat der Stadt Gladbeck verurteilt die rassistischen Nazi-Schmierereien an religiösen Einrichtungen und Gedenkorten aufs Schärfste. Wer Hakenkreuze als politisches Statement benutzt, verherrlicht den nationalsozialistischen Massenmord. Er begeht damit eine Straftat. Das muss jedem klar sein. Nichts rechtfertigt rechtsradikale Symbole, fremdenfeindliche Parolen oder Ausgrenzung.

Unterschiedliche Meinungen im Zusammenleben von verschiedenen Kulturen und Religionen in unserer Stadt mit über 100 Herkünften gehören zu einer lebendigen Gesellschaft.Wir nehmen uns der Verantwortung an, Gladbeck weiterhin aktiv durch verschiedene zielgerichtete Maßnahmen zu einer Stadt des friedlichen Zusammenlebens zu gestalten.

Gladbeck war, ist und bleibt eine Stadt des friedlichen Zusammenlebens aller Gladbeckerinnen und Gladbecker. Wir alle sind Gladbeck.“

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