Besuch aus Afrika

Priester aus dem Kongo ist gespannt auf Gladbeck und Europa

Chancella Pandi, Helmut Christen und Reile Hildebrandt-Junge-Wentrup freuen sich, dass Pfarrer Rufin Malonga seine Nichte in Gladbeck besucht.

Chancella Pandi, Helmut Christen und Reile Hildebrandt-Junge-Wentrup freuen sich, dass Pfarrer Rufin Malonga seine Nichte in Gladbeck besucht.

Foto: Heinrich Jung / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Mit ihrem Onkel hat Chancella Pandi etwas Heimat in Gladbeck. Der katholische Geistliche besucht seine Nichte auf der Durchreise nach Frankreich.

Was für ein Segen, dass in dieser Woche wieder die Sonne lacht. Da trifft den katholischen Priester Rufin Malonga der Umschwung zum deutschen Wetter nicht ganz so hart. Schließlich herrscht in seiner Heimat durchgehend warmes und feuchtes, ja eben tropisches Klima. Der 45-Jährige lässt die Republik Kongo für drei Jahre hinter sich, um in Frankreich zu arbeiten.

„In Frankreich werden katholische Priester gesucht, überall in Afrika gibt es genug“

Einmal auf dem europäischen Kontinent, nutzt Malonga die Gelegenheit, auf der Durchreise seine Nichte Chancella Pandi in Gladbeck zu besuchen. Die 32-Jährige ist seit vier Jahren hier zu Hause. In dieser Zeit hat sie fast perfekt Deutsch gelernt und vermittelt als Dolmetscherin. So übersetzt sie denn: „In Frankreich werden katholische Priester gesucht, und überall in Afrika gibt es genug.“ Die junge Frau, die nach Deutschland geflüchtet ist, fügt an: „Die Besten gehen ins Ausland.“ Dann muss sie selbst über ihr Lob lachen. Der 45-Jährige, unter dessen Jeanshemdärmel ein Armband mit Heiligenbildchen hervorlugt, lächelt ein bisschen zaghaft. „Er ist eher ruhig und schüchtern“, charakterisiert Chancella ihren „Papa“. Ganz anders als sie, das Temperamentbündel.

„Papa“? Die 32-Jährige, die derzeit eine Ausbildung zur Altenpflegerin absolviert, erklärt: „Der kleine Bruder vom Vater wird in unserer Heimat ,Papa’ genannt. Der kleine Bruder der Mutter heißt ,Onkel’.“ Ihre Familie sei riesengroß, Chancella umarmt mit einer weitausholenden Geste all jene neun Geschwister ihrer Eltern, Cousinen und wer sonst noch dazu gehört. Dann strahlt sie und sagt: „Ich habe meinen Papa hier.“

Reile Hildebrandt-Junge-Wentrup weiß: Viele Flüchtlinge leiden unter Heimweh

Reile Hildebrandt-Junge-Wentrup, die ehemalige langjährige Pfarrerin der evangelischen Christuskirchen-Gemeinde, kann diese Freude nachempfinden. Bei ihrem Engagement für Flüchtlinge hat sie erfahren: Viele der Menschen, die aus allen möglichen Ländern in Gladbeck angekommen sind, leiden unter Heimweh. Diese Vokabel kennt Chancella Pandi nicht. Marina Wiese, Sozialarbeiterin bei der evangelisch-lutherischen Kirche, fragt: „Vermisst Du Dein Zuhause?“ Mit dem Onkel hat die junge Frau nun für ein paar Tage etwas Familie an ihrer Seite.

Rufin Malonga war bereits einmal bei seiner Nichte in Gladbeck – für einen Tag im August 2018. Diesmal will die 32-Jährige ihm ein wenig mehr vom „Pott“ zeigen. Darf es vielleicht eine Currywurst sein? Malonga traut dem Braten offenbar nicht. Currywurst? Die Nichte erzählt, dass dieser Imbiss eine Spezialität aus der Region ist. Und sie hat auch gleich einen Tipp parat, wo es in Gladbeck die allerbeste gibt. Denn: „Da gibt’s eine Supersoße!“ Chancella küsst ihre Fingerspitzen – lecker! Onkel Rufin bedeutet ihr: „Mal probieren!“

Tja, was könnte sie ihm noch zeigen? Helmut Christen, der als ehrenamtlicher Flüchtlingshelfer „in allen Lebenslagen hilft“, weiß auch jetzt Rat. Wie wäre ein Ausflug zum Gasometer Oberhausen? Die Schau „Der Berg ruft“ findet er imposant – vom Gebäude einmal ganz zu schweigen.

Der Gast aus dem Kongo möchte offen auf die Menschen zugehen

Wie oft sich Onkel und Nicht zukünftig in Gladbeck sehen können, wissen beide noch nicht. Abwarten, wie sich das neue Wirkungsfeld in Hermon Eaubonne, ein Vorort (Banlieue) von Paris, für ihn entwickelt. Welche Erwartungen er hat? – Schwer zu sagen. Er war zwar schon einmal in Frankreich und weiß, dass die Kultur und Mentalität von Europäern und Afrikanern unterschiedlich sind, möchte erst einmal die Leute richtig kennenlernen und offen auf sie zugehen.

Der Kölner Dom würden Chancella Pandi und Rufin Malonga gerne anschauen

Apropos offen. Ob katholisch oder evangelisch – da unterscheidet die 32-Jährige nicht so streng. Sie sagt munter: „Ich bin evangelisch, fühle mich aber manchmal katholisch.“ Dass beide christlichen Richtungen in einer Familie vertreten sind, stellt für sie kein Problem dar. Ihr Onkel und sie sprechen von „Ökumene“. Also hat Chancella sich vorgenommen, dem katholischen Geistlichen in Gladbeck sowohl die Christuskirche wie auch die St.-Lamberti-Kirche zu zeigen. Und den Kölner Dom möchte sie einmal sehen – mit ihrem Onkel Rufin an ihrer Seite, irgendwann einmal.

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