Kirchenkonzert

Orgeltage: Schöpfungsgeschichte musikalisch interpretiert

Spielten in St. Lamberti: Organist Elmar Lehnen und der Jazzposaunist Hansjörg Fink.

Spielten in St. Lamberti: Organist Elmar Lehnen und der Jazzposaunist Hansjörg Fink.

Foto: SL

Gladbeck.  Organist Elmar Lehnen und Jazzposaunist Hansjörg Fink bestritten das 3. Konzert in der Reihe „Gladbecker Orgeltage“. „Seven“ hieß das Projekt.

„Das ist doch mal etwas ganz anderes“, erklärte Elmar Lehnen nach dem Konzert. Der Organist der Päpstlichen Marienbasilika In Kevelaer und der renommierte Jazzposaunist Hansjörg Fink bestritten die sonntägliche Soiree im Rahmen der Gladbecker Orgeltage in der Lambertikirche.

In Anlehnung an die Schöpfungsgeschichte

„Seven“ (Sieben) laute der schlichte Titel des Projekts, in dem, angelehnt an die Genesis, die Schöpfungsgeschichte, in sieben Sequenzen der Ursprung des Seins thematisiert wird. Eingebunden in literarische Fragmente des Theologen Dr. Bastian Rütten wurden die großen Fragen der Menschheitsgeschichte gestellt, ihnen phänomenologisch nachgespürt und sich dem Unnennbaren angenähert. Das anderthalbstündige Werk für Soloposaune und Orgel wechselte dabei zwischen den Klangwelten von Jazz und Tradition. Jeweils beginnend mit einem Textfragment, das Konrad Suttmeyer, der Initiator der Gladbecker Orgeltage, unprätentiös vorlas, orientierte sich jeder der sieben Sätze an einem Tag der biblischen Schöpfungsgeschichte.

Der improvisierte Tanz der Posaune über den strukturgebenden Klängen der Orgel und die Frage: „Was war, als nichts war?“ verwies schon im ersten Satz auf die spirituelle Ausrichtung des Werks. Die Orientierung erfolgte an Gegensätzlichkeiten. Tempuswechsel, Wechsel in der Melodik und Rhythmik, Soloeinlagen beider Instrumente und immer wieder der Dialog zwischen ihnen nähern sich wie eine endlose Spirale dem entscheidenden Punkt an, ohne ihn jedoch je erreichen zu können. Die Musik machte die Formen der Welt deutlich, zeigte ihr Durchdringen, ihr Nebeneinanderstehen, ihr Überlagern.

Elmar Lehnen und Hansjörg Fink sind Meister auf ihrem Instrument

Elmar Lehnen und Hansjörg Fink sind Meister auf ihrem Instrument. Die scheinbare Leichtigkeit ihres Spiels kann die kunstvollen Improvisationen und Annäherungen ihrer virtuosen Musikalität nicht verbergen, die die Zuhörer mitnahm. In jedem der sieben Sätze ist jeweils zum Ende eine Pause eingebaut, ein Moment des Atemholens, der Besinnung, der uns sagt „Siehe da, das gibt es!“ Er gibt dem Zuhörer Raum, nach dem Warum zu fragen, auch wenn er die Antwort nicht mitliefert.

Im siebten Satz mit dem Titel „Ruhe“, der fast konzertant an Melodien aus dem Cool Jazz erinnerte, klang leiser werdend die Orgel aus, während plötzlich die Posaune aus der geöffneten Tür des Altarnebenraums erklang, gedämpft wie aus weiter Ferne, aber deutlich, bis auch sie verstummte. Mit der Spiritualität und Tiefe des Konzerts wurde wieder mal in Lamberti ein Zeichen gesetzt, welche Kraft in der Musik stecken kann.

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