Eine Stunde...

Ordnungsdienst: Schmutzfinken und Ruhestörern auf der Spur

Herbert Siemann (rechts) nutzt Firass Moustafas Visite an der Bohnekampstraße, um sich über die Parkplatzssituation zu beklagen.

Herbert Siemann (rechts) nutzt Firass Moustafas Visite an der Bohnekampstraße, um sich über die Parkplatzssituation zu beklagen.

Foto: Funke Foto Services

Gladbeck.   Als Mann vom kommunalen Ordnungsdienst kennt Firass Moustafa seine Stadt ganz genau. Und auch vor schwierigen Einsätzen schreckt er nicht zurück.

Ein Tag ohne Dreckecken. Ohne Beschwerden. Ohne Verstöße. Das wäre ein Tag, an dem Firass Moustafa einfach so durch Gladbeck gondeln könnte. Aber so einen Tag wird es für den Mann vom kommunalen Ordnungsdienst vermutlich nie geben. Aber Langeweile ist sowieso keine Option.

Kaum hat Firass Moustafa den Bulli an der Bohnekampstraße geparkt, um dort die üblichen Dreckecken zu überprüfen, steht schon Anwohner Herbert Siepmann vor ihm. Er möchte die Parkplatzssituation vor seinem Wohnhaus ein paar Meter die Straße runter erörtern. Schlimm sei das, erklärt er, immer wieder ständen Autos so nah an seiner Haustür, dass er kaum noch ins Haus komme, geschweige denn seine Tochter mit Kinderwagen.

Der Mann vom kommunalen Ordnungsdienst macht sich Notizen, fragt nach. Ob das denn gerade auch der Fall sei? Nein, sagt der Anwohner. Im Zweifelsfall müsse er privat Anzeige erstatten, rät Moustafa dem genervte Zweckeler.

Die bekannten Stellen in der Stadt werden regelmäßig kontrolliert

Weiter geht es. Im Dreckeckenkataster der Stadt nimmt die leerstehende Siedlung Schlägel und Eisen einen prominenten Platz ein. Regelmäßig kontrollieren die Männer und Frauen vom kommunalen Ordnungsdienst die bekannten Stellen in der Stadt, an denen immer wieder Müll abgeladen wird.

Rund um die Geistersiedlung herrscht zurzeit eine gewisse Ordnung. Von Sauberkeit möchte man angesichts von leeren Verpackungen, Tüten und Hundehaufen ja lieber nicht sprechen – aber zumindest stapeln sich nicht Müllsäcke und Sperrmüll, seit die Kollegen vom ZBG vor rund zwei Monaten dort aufgeräumt haben.

„Das da ist alles Dreck von Jugendlichen, die hier lang gehen“

Komischerweise, sagt Firass augenzwinkernd, seien besonders viele Säcke mit Grünschnitt gefüllt gewesen. Einen Zusammenhang zur benachbarten Kleingartenanlage mag er aber nicht herstellen. „Das da ist alles Dreck von Jugendlichen, die hier lang gehen. Hier fehlt einfach die soziale Kontrolle“, sagt Firass Moustafa. Dass es keine Anwohner gibt, nutzen manche Asoziale aus und verklappen ihren Müll und auch Sondermüll, letztenendes ja auf Kosten der Allgemeinheit.

Auf dem Weg zurück zum Auto stellt er noch schnell die Absperrbarke richtig hin. Die werde oft verschoben, wenn jemand trotz Sperrung in die Schlägel- oder Eisenstraße fahren wolle.

Dass er kontrolliert hat, und ob ihm etwas aufgefallen ist, dokumentiert der 51-Jährige in einer Tabelle. Und während es so schreibt, fällt ihm auf der anderen Straßenseite ein Auto ohne Kennzeichen auf. Immer wieder stoßen Moustafa und seine Kollegen auf ihren Touren auf solche Fälle – der ruhende Verkehr gehört in ihre Zuständigkeit. Den roten Klebezettel hat er schnell zur Hand. Der Besitzer des Autos wird damit ausgefordert, es zu entfernen. Und weil abgemeldete Autos nicht im öffentlichen Bereich abgestellt werden dürfen, droht eine Ordnungswidrigkeitsstrafe von 35 bis 55 Euro. Verstreicht die gesetzte Frist nach einigen Tagen, wird Moustafa den Abschleppdienst rufen. Das wird dann noch teurer.

Den Besitzer zu ermitteln ist nicht wirklich schwer, auch wenn die Kennzeichen abmontiert sind. Die grüne Plakette in der Windschutzscheibe verrät doch die Ziffern und Buchstaben des letzten Nummernschildes – und sollte die Plakette fehlen, hilft immer noch die Fahrgestellnummer, die leicht von außen abzulesen ist. Erledigt. Nächste Station: Bottroper Straße.

Keine Angst vor schwierigen Einsätzen

Der Bulli des kommunalen Ordnungsdienstes ist für viele Fälle ausgestattet. So gehören auch Tiertransporte zum Aufgabengebiet der Ordnungshüter. „Manchmal hat man eine Katze, manchmal einen Hund“, sagt Firass Moustafa. Genügend Leinen hängen im Fonds, für aggressive oder ängstliche Fundvierbeiner hat er eine Art Drahtschlinge dabei, um sie besser fangen zu können. Fundtiere, aber auch Kadaver, müssen ins Tierheim nach Gelsenkirchen gebracht werden.

Eine feste Wand trennt die Rückbänke von den Fahrersitzen. Das hat einen ernsten Hintergrund. Denn der kommunale Ordnungsdienst ist auch für Abschiebungen zuständig. „Ich bin für die Menschen verantwortlich, sobald sie in meinem Auto sitzen“, sagt Moustafa. Manche von ihnen wehren sich und müssen in Handschellen gelegt werden. Dass er arabisch sprechen kann, kommt ihm oft zugute. Zur Bundespolizei nach Berlin und auch zum Frankfurter Flughafen haben ihn die Fahrten schon geführt. Wenn Familien abgeschoben werden, muss immer auch eine Frau vom Ordnungsdienst mitfahren.

Selten freiwillig steigen auch die Patienten ein, die in die Psychiatrie eingewiesen werden müssen. Auch solche Fahrten gehören zum Job.

Arbeit in Zweierteams

Die Mitarbeiter des kommunalen Ordnungsdienstes arbeiten in Zweierteams . Dabei wird Arbeitsteilung praktiziert. Während der eine fährt, kann der andere beispielsweise schon einmal Schreibarbeiten erledigen. „Alleine verlierst du“ , sagt Firass Moustafa.

Die Arbeit im Team verschafft den städtischen Mitarbeitern Sicherheit. Im Umgang mit den Bürgern setzt er auf eine freundliche, aber klare Sprache . Auch mit Beschimpfungen versucht er, souverän umzugehen. „Ich habe eine blaue Uniform an, also muss ich darauf achten, was ich sage.“

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