Bildende Kunst

Neue Galerie Gladbeck zeigt spannende Bilder von Rose Wylie

Nicole Kidman – wie wir sie eher nicht kennen: die britische Ausnahmekünstlerin Rose Wylie stellt in der Neuen Galerie in Gladbeck aus.

Nicole Kidman – wie wir sie eher nicht kennen: die britische Ausnahmekünstlerin Rose Wylie stellt in der Neuen Galerie in Gladbeck aus.

Foto: Oliver Mengedoht

gladbeck.   82 Jahre alt ist die britische Ausnahmekünsterin. Ihr Spitzname: das Mädchen. Ihre faszinierenden Bilder sind ab dem 5. Mai in Gladbeck zu sehen.

Hammer: die Schauspielerin Nicole Kidman auf dem Laufsteg in Gladbeck. Wer sie sehen will, muss in die Neue Galerie kommen – und dürfte dann ziemlich staunen. Die exzentrische britische Künstlerin Rose Wylie hat den Filmstar gemalt, aber anders als erwartet und ohne jeden Glamour. Die Starfigur im Kleid wirkt wie hingeworfen, schnell gemalt inklusive mehrerer Ansichten. Es sind „Film-Notes“, Erinnerungen an Gesehenes, die die 82-jährige (!) Wylie auf dem Vakuum einer leeren Leinwand sichtbar macht.

Mit der aktuellen Ausstellung „Use what you’ve got“ von Rose Wylie (Vernissage 5. Mai, 19.30 Uhr, bis 23. Juni) ist Kurator Gerd Weggel wieder ein Clou gelungen, der die Neue Galerie erneut in eine Reihe mit vielen international aufgestellten Galerien bringt. Denn die Arbeiten oder vergleichbare Stücke aus der hiesigen Ausstellung waren zuvor in renommierten Galerien und Museen in aller Welt zu sehen. Weggel durchaus stolz: „Die Gladbecker Ausstellung ist überhaupt erst die zweite museale Ausstellung von Bildern Wylies in Deutschland.“

Kein leichtes Unterfangen war die Hängung der meterhohen Riesenteile, die teilweise als Diptychon oder Triptychon daher kommen. Aufgrund der räumlichen Beschaffenheit war sogar vorgesehen, die Ölbilder in zwei Etagen übereinander anzubringen. Von der Idee hat sich der Technische Leiter Jens Dornheim aber verabschiedet. „Das war mir nicht nur zu heikel, es hätte einen auch erschlagen.“

Erinnerung an Jugend und Erlebtes

In der Tat springen die Bilder den Betrachter auch so schon heftig an. Zu ungewöhnlich sind die Motive, zu schreiend die Farben, zu aufregend die Konstellationen. „Ja“, schmunzelt Gerd Weggel, „auf der Insel nennen sie Wylie das 82-jährige IT-Girl. Sie sorgt für frische Malerei aus Groß-Britannien.“

Mit 82 Jahren? Nun, die Ausnahmekünstlerin Rose Wylie, die eine Vertreterin des metaphorischen Realismus ist, hat sich nach dem Kunststudium für Jahrzehnte aus der Szene verabschiedet. Sie zog drei Kinder groß, stieg erst danach wieder ein, setzte 1980 ihr Studium an der Royal Academy fort. Weggel: „Dann hat sie wilder denn je gemalt.“ Jahrelang blieb sie völlig unentdeckt, das änderte sich erst vor sechs, sieben Jahren. Der Hype begann. Galerien rissen sich um sie.

Auch die Gladbeckerin. Weggel: „Rund 250 Mails wurden zwischen ihrem Assistenten William Gustafsson und uns hin- und hergeschickt, dann war alles klar.“ Er freut sich, die Künstlerin, die immer noch wie eine 20-Jährige gekleidet ist und von vielen „das Mädchen“ genannt wird, präsentieren zu dürfen. „Sie ist unverstellt, sie ist wie sie ist und bedient mit ihren Arbeiten keinen Markt.“ Wylies Darstellungen geben manchmal vor, nur vordergründig zu sein. Sie wirken wie Schnellmalerei – quasi wie hingerotzt. Figuren und Objekte erscheinen durch ihre harten Konturen holzschnittartig, auf jeden Fall grob und roh, grell vielleicht auch wie Comics.

Figuren und Objekte erscheinen oft holzschnittartig

Tag für Tag steht Wylie vor den riesigen Leinwänden in ihrem Häuschen in Kent, trägt dabei olle Klamotten – und malt. Dabei erinnert sie Bilder aus ihrer Jugend, aus Kino und Erlebtem. Malerisch verschiebt sie diese und stellt sie neu auf. Auf eine „povere“, direkte Art, denn vieles auf ihren Bildern erinnert beispielsweise an Jean-Michel Basquiat oder New Yorker Street Art.

Leider musste Rose Wylie kurzfristig ihren Besuch zur Vernissage absagen, ein Auftrag der Tate-Gallery hatte Vorrang. Gleichwohl wird eine Nachbarin aus Kent vorbeischauen: die britische Generalkonsulin Susan Speller. Weggel: „Rose ist Spellers Lieblingskünstlerin."

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