Ironscout

Nachts im Revier

Foto: WAZ

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Gladbeck. 100 Kilometer in 22 Stunden - der Pfadfinder-Wettkampf "Ironscout" ist wahrlich kein Sonntagsspaziergang.

Gut zu Fuß sollten sie sein, Kompass und Karte im Schlaf beherrschen und beim Lagerfeuerbau nicht lange fackeln. Denn was sie erwartet ist kein Sonntagsspaziergang, sondern ein Härtetest für jeden Wanderschuh: 100 Kilometer in 22 Stunden gilt es zu bewältigen, die Halden rund um Gladbeck zu erklimmen und – damit nicht genug – dabei stets ein freundliches Wort oder ein schwungvolles Lied auf den Lippen zu haben. Wer sich so etwas antut?

Immerhin 700 Pfadfinder aus ganz Deutschland lassen sich von schmerzenden Füßen, radikalem Schlafentzug und zugigen Zelten nicht abschrecken – schließlich geht es beim Gladbecker „Ironscout '09” vom 25. bis 27. September um die Pfadfinderehre.

„Eure Berge sind unsere Halden!” Die Rentforter St. Josef-Pfadfinder gehen die Sache selbstbewusst an. Grüne Wälder, steile Gebirge und blühende Landschaften haben sie in den vergangenen Jahren genug gesehen – Zeit den „Ironscout” in den Pott zu holen und der Pfadfinderwelt zu zeigen, wo der Hammer schlägt. „Wir wollen demonstrieren, dass wir mehr zu bieten haben als graue Städte”, sagt Christian Hotze, Pfadfinder und Mitorganisator des Pfadfinder-Wettkampfs. „Im Gegenteil: Das Ruhrgebiet ist eine so facettenreiche Region mit überraschend schöner Natur und sehenswerter Industriekultur – eben eine Reise wert.” Das haben auch die Urväter des Iron-Scout verstanden, als ihnen die Rentforter Bewerbung in die Hände fiel. Schnell stand die Entscheidung fest: Gladbeck hat ihn, den diesjährigen „Ironscout”-Wettbewerb.

Und so kommen sie von weit her, die 700 Pfadfinder, vom Bodensee und aus Berlin reisen sie an und kennen nur ein Ziel: die Ingeborg-Drewitz-Gesamtschule, die sich für drei Tage in ein riesiges Basislager verwandeln wird.

„Hoffentlich kommen alle pünktlich.” Pfadfinder Patrick Otte ist ein wenig besorgt. Der Zeitplan ist eng, spätestens um 19 Uhr am Freitagabend sollten alle Teilnehmer unterwegs sein und irgendwo zwischen Bottrop, Dorsten und Gelsenkirchen neue Wege beschreiten. „Die Gladbecker sollen sich also bitte nicht wundern, wenn ihnen nachts auf den Straßen junge Menschen mit Wanderausrüstung und komischem Dialekt begegnen” – es könnten schwäbische Pfadfinder sein.

16 Stationen erwarten die eisernen Wanderer, Stationen an denen sie – bleiernde Müdigkeit und schmerzende Blasen hin oder her –Kistentürme erklimmen, Zelte bauen oder gar einen Kapitän aus den Fängen gefährlicher Piraten retten müssen. Christian Hotze und Daniel Otte bleiben jedoch realistisch: „Vermutlich werden nicht alle Pfadfinder sämtliche Stationen abklappern können, dafür ist die Strecke einfach zu lang – und darum geht es eigentlich auch gar nicht.” Denn ebenso wichtig wie Leistung ist bei den Pfadfindern der Teamgeist: „Bewertet werden bei uns auch Höflichkeit und pfadfinderisches Verhalten. Der ein oder andere stößt beim Iron Scout nicht nur an seine körperlichen, sondern auch an seine sozialen Grenzen . . .”

Die beiden Gladbecker, sie haben schon mehrere „Ironscouts” hinter sich. Mittlerweile sind sie fast süchtig nach dieser Herausforderung, hat es doch etwas ganz und gar Ursprüngliches, nachts im Wald, von aller Technik verlassen, den richtigen Pfad zu finden . . .

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