Letztes Baby

Muhammed wurde als letztes Baby in St. Barbara geboren

Mohammed Talha ist das letzte Kind, das im St. Barbara-Hospital zur Welt gekommen ist. Mutter Sevilay Gencay, rechts, und Hebamme Therese Pyka freuen sich über den gesunden Jungen, und sind gleichzeitig traurig über das Aus für die Geburtsstation.

Mohammed Talha ist das letzte Kind, das im St. Barbara-Hospital zur Welt gekommen ist. Mutter Sevilay Gencay, rechts, und Hebamme Therese Pyka freuen sich über den gesunden Jungen, und sind gleichzeitig traurig über das Aus für die Geburtsstation.

Foto: Oliver Mengedoht

Gladbeck.   Muhammed Talha ist das letzte Kind, das im St. Barbara-Hospital das Licht der Welt erblickte. Ein gleichsam schönes wie schmerzliches Ereignis.

Was für ein freudiges Ereignis. Muhammed Talha ist proper und gesund auf der Welt angekommen. Zufrieden liegt er im Arm seiner Mutter Sevilay Gencay (32). Die Geburt haben die beiden gut verpackt. Um Mitternacht kam die Mutter mit starken Wehen ins St. Barbara-Hospital, um 2.19 Uhr am 22. Dezember tat ihr Baby seinen ersten Schrei.

Hebamme Theresa Pyka (50) hat Mutter und Kind in der Nacht betreut. In die Freude über das gesunde Baby und die glückliche Mutter mischt sich bei ihr Traurigkeit. Denn mit Mohammed nähert sich die Gladbecker Geburtshilfe ihrem Ende. Wenn kein Weihnachtswunder mehr geschieht, wird Muhammed das letzte Kind sein, das im St. Barbara-Hospital zur Welt kam. Nach ihm werden nur noch wenige Kinder Gladbeck als Geburtsort im Ausweis tragen.

Ein Funke Hoffung bleibt der Hebamme

Einen Funken Hoffnung hat Hebamme Therese ja noch. Den schützt sie mit allem, was ihr großes Herz hergibt. Bis zum Ende, bis zum letzten Tag dieses Jahres, werden ihre Kolleginnen und sie zur Arbeit kommen, auch wenn es keine Geburten mehr geben wird. An Heiligabend wird sie zum Spätdienst antreten. Und hoffen. Hoffen, dass irgendjemand an entscheidender Stelle eine Eingebung bekommt, erleuchtet wird von der Erkenntnis, dass es ohne Geburtshilfe doch nicht gehen kann.

Aber eigentlich weiß die Hebamme, dass dieser Traum den Weg der Träume gehen wird. Und dass sie sich im kommenden Jahr einen neuen Job suchen muss. Aber so weit ist es noch nicht. „Ich muss hier erstmal Abschied nehmen, ich hatte noch keine Kraft, etwas Neues zu suchen“, sagt sie und kämpft tapfer gegen die Tränen an.

Tränen fließen beim Gedanken an die Schließung

Die fließen dann aber doch, als Sevilay Gencay erzählt, wie wohl sie sich im St. Barbara fühle: „Das ist wie eine kleine Familie hier mit den Hebammen, den Schwestern, der Station.“ Ihre vier Kinder hat sie dort entbunden, drei Jungen und ein Mädchen in sechs Jahren. Da lernt man sich eben gut kennen.

„Ohne Kinder geht es gar nicht“, sagt die nun vierfache Mutter. Aber jetzt sei es gut. Ein fünftes Kind werde es nicht geben. Und wenn, würde es kein gebürtiger Gladbecker.

Die vertraute Atmosphäre in dem vergleichsweise kleinen Krankenhaus würde sie wohl auch vermissen. „Das war so schön hier in unserem Haus, man hatte die Frauen von der zehnten Woche bis zur Geburt“, sagt Therese. Die Tränen sind getrocknet. Aber weitere werden fließen, das ist klar, und das ist allen Kolleginnen anzusehen.

Der Abschied fällt niemandem leicht, auch nicht denen, die bleiben werden. Denn die Geburtsstation ist der Ort im Krankenhaus, wo die schönen Ereignisse geschehen, wo Freude überwiegt. Wenn Muhammed an Heiligabend nach Hause darf, ist dieses Kapitel zu Ende.

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