Flüchtlingsserie

Mit Flüchtlingen kamen nicht mehr Straftaten nach Gladbeck

Am 26. Juli 2015 erreichten die ersten 50 Flüchtlinge Gladbeck. Sie wurden in der umgerüsteten Sporthalle der Ingeborg-Drewitz-Gesamtschule untergebracht.

Am 26. Juli 2015 erreichten die ersten 50 Flüchtlinge Gladbeck. Sie wurden in der umgerüsteten Sporthalle der Ingeborg-Drewitz-Gesamtschule untergebracht.

Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Die Befürchtungen unter Gladbeckern war groß, dass mit den Flüchtlingen die Kriminalität steigt. Die Polizei widerlegt diese Vorbehalte.

Andreas Wilming-Weber hat im Rückblick auf den Beginn der Flüchtlingskrise vor fünf Jahren eine zentrale Botschaft: „In der Anfangsphase bestanden in der Bevölkerung große Befürchtungen, dass mit diesen Menschen auch mehr Kriminalität nach Deutschland kommt. Das war in allen Kommunen so, also auch in Gladbeck und Bottrop. Doch ein Anstieg der Kriminalitätszahlen ist nicht feststellbar.“ Das Gegenteil sei der Fall, sagt der oberste Pressesprecher der zuständigen Polizeibehörde Recklinghausen.

Nach Wilming-Webers Einschätzung klaffen subjektive Wahrnehmung in der Bevölkerung und objektives Datenmaterial auseinander. Der Polizeihauptkommissar stellt fest, dass dieses Phänomen nicht ausschließlich im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise zu beobachten sei: „Das kennen wir auch aus anderen Bereichen.“

Polizeisprecher: „In Gladbeck gibt es auch unter den Zuwanderern einen Teil, der Straftaten begeht“

Der Polizeisprecher legt Fakten auf den Tisch: „Im Jahre 2016 hatten wir in unserem Bereich 54.156 Straftaten. 2017 waren es 52.348, im Jahr darauf 48.742.“ Der aktuelle Kriminalitätsbericht 2019 weist 47.969 Straftaten aus. „Das ist der niedrigste Stand seit 39 Jahren, und das, obwohl wir viele Flüchtlinge aufgenommen haben.“ Zudem sei die Aufklärungsquote gestiegen: Nach jüngstem Stand lag sie bei fast 54 Prozent. Also: Mehr als jede zweite Tat wurde aufgeklärt.

Der Polizeisprecher stellt jedoch nicht in Abrede, „dass es unter den Zuwanderern auch einen Teil gibt, der Straftaten begeht“: „Ich will nicht den Eindruck erwecken, dass das nicht so ist.“ So seien durchaus „Auffälligkeiten“ erkennbar, Bereiche, in denen Zuwanderer gehäuft Täter sind. Andreas Wilming-Weber führt Beispiele an: Ladendiebstahl, das Erschleichen von Leistungen – dazu zählt auch „Schwarzfahren“ – und Körperverletzung: „Ganz oft kam es zu Streitigkeiten untereinander.“ Letzteres führt er darauf zurück, dass „Nationen auf engstem Raum untergebracht seien“. Und zwar auch solche, die sich kulturell und historisch bedingt ohnehin nicht grün sind. Außerdem „gibt es Bereiche, in denen nur Nichtdeutsche straffällig werden können wie Verstöße gegen das Ausländergesetz“.

Es gebe keine Besonderheiten mit Blick auf Einsätze an Flüchtlingsunterkünften

Besonderheiten mit Blick auf Einsätze an Flüchtlingsunterkünften und bevorzugten Versammlungsorten vermag Wilming-Weber nicht auszumachen, allerdings kann er sich aus arbeitstechnischen Gründen lediglich auf Zahlen des Auswertungszeitraums 1. Mai 2019 bis 13. Juni 2020 stützen. Er erläutert: „Wir haben in Bottrop und Gladbeck insgesamt 80 Objekte, in denen Zuwanderer untergebracht sind.“

Dabei könne es sich neben gemeinschaftlichen Unterkünften auch um Privatwohnungen handeln. Wenn die Kollegen vor Ort waren, hätten sie es mit Streitigkeiten untereinander, Körperverletzung, Belästigung, Randale und Hausfriedensbruch zu tun gehabt. Nichts, was nicht auch unter Bewohnern in anderen Gebäuden geschehe, eben „normale Einsatzanlässe“.

Auch in den Sozialen Medien haben Ängste eine Rolle gespielt

Rund 8500 so genannte „Eigeneinsätze“ seien die Kollegen in Gladbeck und Bottrop gefahren. Wilming-Weber erklärt: „Das sind reine Aufklärungseinsätze, die losgelöst von einem Anlass sind. Wenn es vorkommt, dass in einem Objekt häufiger Körperverletzungen geschehen, gucken wir von uns aus, ob alles in Ordnung ist.“

Vorbehalte gegenüber Flüchtlingen, Befürchtungen und sogar Ängste haben, so Wilming-Weber, auch in den Sozialen Medien – gerade in der Anfangsphase des Zustroms – eine Rolle gespielt. „Gegen die Verbreitung von Lügen und Fake News sind wir ganz konsequent vorgegangen“, berichtet der Polizeisprecher. Stimmungsmache setze die Polizei Fakten entgegen. Wilming-Weber gibt Usern den Tipp: „Die Quelle der Aussagen hinterfragen – ist sie seriös?“ Er unterstreicht: „Es ist wichtig, als Polizei transparent zu sein. Die Bürger müssen Vertrauen in unsere Arbeit haben, wir müssen glaubwürdig sein.“ Ein Weg, subjektives Empfinden und Wirklichkeit anzugleichen.

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