Interview

Martin Brambach und Christine Sommer lesen „Love Letters“

Christine Sommer und Martin Brambach lasen 2015 Satiren von Michael Klaus und Sigismund von Radecki beim „Ruhrspott“, den das Literaturbüro Ruhr in der Stadtbücherei präsentierte.

Foto: Heinrich Jung

Christine Sommer und Martin Brambach lasen 2015 Satiren von Michael Klaus und Sigismund von Radecki beim „Ruhrspott“, den das Literaturbüro Ruhr in der Stadtbücherei präsentierte. Foto: Heinrich Jung

gladbeck.   Eine Frau, ein Mann, ihre Briefe, Lust und Leid: Brambach und Sommer präsentieren die Geschichte zweier Menschen und ihre lebenslange Liebe.

Das Schauspieler-Ehepaar Christine Sommer (46) und Martin Brambach (49) präsentieren mit ihrer Lesung der „Love Letters“ die Geschichte zweier Menschen und ihre lebenslange Liebe. In der Realität leben beide ihre große Liebe, loben die Menschen im Revier und möchten von ihrem Wohnort Recklinghausen nicht lassen.

Ein ganzes Leben in Briefen. Was macht den Erfolg des Stückes „Love Letters“ aus?

Martin Brambach: Es ist zeitlos und übertragbar. Da kann sich jeder ein bisschen drin finden. Die unerfüllte Liebe, die Sehnsucht nach Leuten, die man in der Vergangenheit hatte, das kennt jeder. Auch dass der Zeitpunkt eine große Rolle spielt – man hätte, man könnte, man wäre toll zusammengekommen, aber dann wurde der Zeitpunkt verpasst.

Christine Sommer: Es ist aber in der Form heutzutage gar nicht mehr lebbar. Heute läuft ja alles elektronisch. Bei den Omas haben wir einen ganzen Koffer voller Briefe gefunden und konnten in der Vergangenheit wühlen. Wir bedauern das sehr, dass das eigentlich komplett verloren gegangen ist. Ein Brief ist etwas unglaublich Einzigartiges. Ich glaube, dass heute auch eine Sehnsucht da ist nach dieser Einzigartigkeit. Der Martin hat mir vor 15 Jahren unglaublich schöne, poetische SMS geschickt. Ich habe die nicht mehr, weil das Handy längst nicht mehr funktioniert. Es ist schade, wie vergänglich unsere Zeit geworden ist.

„Love Letters“ ist Kopftheater. Was erwartet die Zuschauer?

Martin Brambach: Na ja, ein sehr unterhaltsamer und zum Teil auch sehr lustiger Abend. Hinzu kommt eine große Dramatik, was die Liebesgeschichte angeht. Es ist nicht nur gelesen, es ist ja auch gespielt, denn die Hauptfiguren lesen die Briefe des jeweils anderen.

Christine Sommer: Viele berühmte Kollegen haben das Stück gespielt, aber es waren meistens ältere. Wir stehen ja noch im Saft, erreichen gerade das letzte Drittel des Lebens.

Welche Anforderungen stellt dieses Stück an die Schauspieler?

Martin Brambach: Man muss sich in die verschiedenen Phasen des Lebens der Beiden hineinfinden. Es wird aber nicht nur tief empfunden vorgetragen, an vielen Stellen herrscht ein großer Unterhaltungswert. Manche Briefe sind sehr lustig.

Christine Sommer: Es fängt im Teenie-Alter an und dann wird es immer reifer. Für einen Schauspieler ist das ein gefundenes Fressen, Briefe zu lesen wenn man 15 ist oder wenn man dann 50 ist. Das ist eine schöne Bandbreite zu spielen. Das schafft ja kein ZDF-Fernsehfilm (beide lachen).

Gibt es eine Rolle die sie gerne einmal verkörpern wollen?

Martin Brambach: Ich würde wahnsinnig gerne den Richard III. spielen. Eine tolle Figur, da hätte ich richtig Lust, mal wieder Theater zu spielen.

Christine Sommer: Ich habe Brecht für mich wieder entdeckt, mache einen kleinen Brecht-Abend in Kürze. Die Dreigroschenoper oder Mahagonny fände ich sehr reizvoll. Zumal Brechts Texte wieder so erschreckend aktuell sind. Da denkt man, boooh, da stecken wir ja schon wieder mitten drin in der Scheiße mit der ganzen Arbeitslosigkeit. Aber auch Kleist finde ich sehr interessant und Arthur Schnitzler habe ich für mich wieder entdeckt.

Wie erhält man sich als Schauspieler seine Spielfreude?

Martin Brambach: Die habe ich einfach. Da ist es relativ egal, in welchem Genre ich mich befinde, was ich mache. Aber man sollte schon einen gewissen kindlichen Spieltrieb für sich erhalten.

Christine Sommer: Es ist doch so, man freut sich automatisch, Rollen zu verkörpern. Diese sollte man für sich so interessant machen, dass man dafür brennt. Es gibt nichts Furchtbareres als einen Schauspieler, der keinen Bock mehr hat, auf die Bühne zu gehen oder vor die Kameras zu treten. Da springt der Funke nicht mehr über. Natürlich nimmt einen der Alltag mit Kindern, Haus und Garten mit, aber wenn das Licht angeht, ist man da. Es gab noch nie einen Abend, an dem wir das infrage gestellt haben, was wir tun.

Sie wohnen in Recklinghausen. Was schätzen Sie an der Region?

Martin Brambach: Ganz ehrlich, ich finde, das ist hier die schönste Gegend Deutschlands. Und das hat vor allen Dingen auch mit den Leuten zu tun. Das sind die Ausgeglichensten, Entspanntesten. Sie sind sehr ehrliche Menschen, hier gibt es noch eine Grundsolidarität. Ich bin hier einfach wahnsinnig gerne. Bin ja der Liebe wegen hierher gekommen, weil meine Frau schon da war. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wieder wegzugehen.

Christine Sommer: Es geht mir ähnlich. Obwohl mir Recklinghausen manchmal schon etwas klein ist, aber man ist ja ruckzuck von hier in den großen Städten. Aber, je älter man wird, desto mehr sehnt man sich nach Ruhe. Da fahren wir am Wochenende einfach in den Wald vor unserer Haustür. Wenn wir zehn Minuten mit dem Rad fahren, sind wir auf dem Land. Man hat hier eben beides.

„Love Letters“ – Liebesbriefe: Was hat die Liebe mit Ihnen gemacht?

(beide lachen) Martin Brambach: Sie hält bei uns. Immerhin sind wir noch zusammen, seit über 15 Jahren. Liebe und Beziehung sind aber auch Arbeit.

Christine Sommer: Natürlich gibt es Phasen, wo man den anderen schon mal in Frage stellt. Wir leben ja auch in einer schnelllebigen Welt und die Menschen trennen sich wegen Kleinigkeiten. Aber das ist einer großen Liebe nicht würdig.

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