Berufsporträt

Lokführer ist der Traumberuf nicht nur von André Weinert

André Weinert im Steuerstand seiner Lok, die über viele Schalter und Regler manövriert wird.

André Weinert im Steuerstand seiner Lok, die über viele Schalter und Regler manövriert wird.

Foto: Oliver Mengedoht

Gladbeck.  Der Gladbecker steuert bis zu 6000 Tonnen schwere und 700 Meter lange Güterzüge quer durch Deutschland. Bei ihm ist der Job Familiensache.

Dass die Märklin-Modelleisenbahn quasi als wachsendes Liebhaberstück vom Vater auf den Sohne weitervererbt wird, ist nichts ungewöhnliches. So war es beim Gladbecker André Weinert auch. Und sich den Kindheitstraum vom Lokomotivführer zu erfüllen, hat der heute 41-Jährige auch Unterstützung vom Papa erhalten.

Logisch, ist die Verbundenheit zur Schiene doch auch Familiensache. Schon der Großvater war Bahner und der Vater Lokführer, in dessen Fußstapfen André Weinert dann zunächst bei der Gladbecker RBH und nun bei der DB Cargo getreten ist.

Auch Ehefrau Christina ist Lokführerin

„Für mich ist das wirklich ein Traumberuf“, sagt Triebfahrzeugführer Weinert, so lautet seine offizielle Berufsbezeichnung.

Und offenbar auch nicht nur für ihn, denn seine Ehefrau Christina – man mag es sich schon denken – ist ebenfalls Lokführerin, bei der RBH, wo die gemeinsame Romanze vor zehn Jahren begann.

Romantisch ist der Arbeitsplatz von André Weinert indes nicht. Der Steuerstand in der modernen E-Lok der Baureihe 189 ist gespickt mit Monitoren, Knöpfen und Hebeln, die teils an die Steuer-Joysticks eines Computerspiels erinnern. „Die beiden Haupt-Steuergruppen sind vereinfacht gesagt dazu da, den Zuge zu beschleunigen beziehungsweise ihn anzuhalten“, erklärt Weinert.

Die zu beherrschen dauert Jahre intensiver Ausbildung, inklusive der Technik, die sich hinter der Tür im Rücken des Fahrersitzes verbirgt. Hier ist das Herzstück der 21 Meter langen Lok zu finden, der Maschinenraum mit Transformatoren, Bremspneumatik und Reglertechnik, „alles ist mindestens zweifach abgesichert, so dass bei einem Ausfall oder einer technischen Störung der Zug meist schnell wieder in Gang gesetzt werden kann“.

Am Knotenounkt Mathilde treffen viele Strecken aus ganz Deutschland zusammen

Für 20, 30 unterschiedliche Elektro- und Dieselloks hat der Gladbecker die Fahrerlaubnis, die alle am Standort der DB-Cargo in Oberhausen stationiert sind. Darunter gut gewartete Senioren aus den 1960er Jahren, die von der ehemaligen Deutschen Reichsbahn aus DDR-Zeiten übernommen wurden. „Hier, am Knotenpunkt Mathilde, treffen viele Strecken aus ganz Deutschland, die für den Güterverkehr befahren werden, zusammen“.

Und von hier startet André Weinert auch mit seinen Güterzügen auf Tour durch ganz Deutschland, der längste Wagenverband ist bis zu 700 Meter lang, der schwerste, beladen mit Erz für die Stahlhütte in Dillingen, wiegt 6000 Tonnen.

Lokführer bei der Deutschen Bahn

Der Gladbecker André Weinert ist Lokführer bei der DB Cargo und sucht neue Kolleginnen und Kollegen, die sich den Kindheitstraum vom Lokführer erfüllen möchten.
Lokführer bei der Deutschen Bahn

Kein Wunder, dass der Bremsweg dieses Kolosses auch 1,2 Kilometer beträgt. Deutlich länger ist die Fahrstrecke des Containerzuges, den die Cargo-Bahner simpel als „Chinazug“ bezeichnen. Satte 8500 Kilometer Luftlinie von Oberhausen bis zur Millionenstadt Wuhan.

„Nein“, sagt Weinert, „den fahre ich nicht komplett zum Ziel“. Cargo-Teams der durchquerten Länder würden jeweils an den Grenzen zur Weiterfahrt übernehmen. Immerhin, im Grenzverkehr zum nahen Holland, dürfen die Lokführer bis Rotterdam durchfahren, wenn sie die Zusatzausbildung für den niederländischen Bahnverkehr – inklusive Sprachkurs – absolviert haben.

Spezialtraining im Simulator

Auch wenn es nur geradeaus gehe, sei sein Job „nie langweilig.“ „Wir müssen uns durch Ausfälle oder Wartungsarbeiten oft auf neue Streckenführungen einstellen“. Und besondere Szenarien, wie das Überfahren eines Rot-Signals in Ausnahmesituationen, werden speziell geübt. Weinert: „Dafür hat die Bahn Trainingscenter mit Großsimulatoren, wie sie ähnlich auch in der Pilotenausbildung verwendet werden.“

Nachwuchs für die Cargo-Schiene dringend gesucht 

„Ein Lokführer mus zu einem Teil Abenteurer, Nachteule und Zugvogel sein“, sagt Dirk Pohlmann DB Pressesprecher NRW. Und die Aussichten für einen Einstieg in den eventuellen Traumjob seien so gut wie lange nicht mehr. „Denn wir suchen dringend Nachwuchs, da in den nächsten Jahren viele unserer Lokführer, bei einem Durchschnittsalter von derzeit mehr las 50 Jahren, in den Ruhestand gehen.

Nachteulen sollten die Bewerber sein, da die Güterzüge zum Großteil in die Dunkelheit oder den frühen Tag hinein fahren, um die Personenzüge in deren Hauptverkehrszeit nicht auszubremsen, „mit denen sie sich ja die Schienenwege quer durch Deutschland teilen“, so Pohlmann. „Wir haben in den nächsten Jahren rund 100 Stellen zu vergeben, davon 30 Lokführer, zehn Lokrangierführer, 20 Wagenmeister und 45 Rangierbegleiter.“

Cargo-Lokführer werden über eine klassische dreijährige Lehre (duale Berufsausbildung) zum „Eisenbahner im Betriebsdienst, Fachrichtung Lokführer und Transport“ ausgebildet. Bei einer bereits abgeschlossenen Berufsausbildung ist auch der Quereinstieg über eine Funktionsausbildung möglich, die zehn Monate dauert.

Für die klassische Berufsaubildung ist ein Hauptschulabschluss die Mindestvoraussetzung. Die hochkonzentrierte Arbeit als Lokführer stellt besondere Anforderungen an das technische Verständnis sowie die mentale und psycho-physische Leistungsfähigkeit. Eine entsprechende Tauglichkeitsuntersuchung beim Betriebsarzt ist obligatorisch. Weitere Infos zur Ausbildung und Bewerbung im Internet: deutschebahn.com/karriere

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