Freie Theaterszene

Leidenschaft für die brotlose Kunst

Jens Dornheim, Schauspieler, Theaterpädagoge und Gründer des freien Theaters „glassbooth“  in der Neuen Galerie  Foto: Thomas Goedde / WAZ FotoPool

Jens Dornheim, Schauspieler, Theaterpädagoge und Gründer des freien Theaters „glassbooth“ in der Neuen Galerie Foto: Thomas Goedde / WAZ FotoPool

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Gladbeck.„Das freie Theater – das ist doch brotlose Kunst!“ Diesen Gedanken haben sicher viele, wenn sie an die Kulturschaffenden des oben genannten Berufszweig denken. Jens Dornheim sagt es so: „Ich möchte – trotz des Theatermachens – überleben.“ Er ist freier Theaterschaffender, künstlerischer Leiter der Theatergruppe glassbooth, technischer Leiter der Neuen Galerie Gladbeck und wegen all dieser Tätigkeiten auch Redner bei der Veranstaltungsreihe „Was Sie schon immer über Kunst wissen wollten . . .“ in der Neuen Galerie.

Wenn man, wie er, in der freien Theaterszene arbeite, dann habe das viel mit Idealismus zu tun: „Das ist Hungern auf hohem Niveau! 90 Prozent der Fördermittel gehen an die Stadttheater. Die geringe Förderung freier Theater fließt zu einem sehr großen Teil an integratives und sehr experimentelles Theater“. Das sollte keine Kritik seinerseits an der Förderung dieser Projekte sein, allerdings blieben Arbeiten wie die seiner glassbooth-Gruppe somit häufig auf der Strecke. „Wir versuchen kontroverses Literaturtheater zu machen – dafür gibt es selten Geld!“

In der Diskussion stellte Sparkassenchef Ludger Kreyerhoff die durchaus provokante, aber treffende Frage dazu: „Warum soll man denn für Ihr Hobby Geld bezahlen?“ Dass engagierte Kulturarbeit auch der Gesellschaft Nutzen bringt, das war ein Ergebnis der so angestoßenen Diskussion. Dass dieses Hobby auch harte Arbeit bedeutet, das machten die Referenten – neben Dornheim noch die Regisseurin Eva Zitta und Frieder Kornfeld, Schauspieler der Essener Volksbühne – deutlich. Und sie wiesen auf die Vorteile gegenüber dem etablierten Stadttheater hin: „Viele Innovationen kommen aus der freien Szene, wir sind nicht an ein festes Ensemble gebunden und haben eine freie Themenwahl“, so Dornheim.

Eva Zitta brachte das Potenzial des Off-Theaters so auf den Punkt: „Wir produzieren eine viel geringere Distanz zwischen Publikum und Theater als offizielle Theater.“ Ein in dieser am Ende etwas festgefahrenen „Stadttheater-versus-freies-Theater-Manier“ fast untergegangener Satz Dornheims bleibt festzuhalten: „Eine große Chance liegt sicher in Kooperationen zwischen dem staatlichen und dem freien Theater.“

Kulturreihe geht weiter

Die von Stadt, Sparkasse, Galerie Dumpe und WAZ gemeinsam organisierte Veranstaltungsreihe erfuhr mit dem Theater-Thema nun einen Wendepunkt. „Bisher haben wir uns vorrangig um Kunst im klassischen Sinne gekümmert – jetzt öffnen wir das Themenfeld für die ganze Kultur“, so WAZ-Lokalchefin Maria Lüning-Heyenrath.

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