Kultur

Kunstroute: Gladbecker Künstler trotzen der Corona-Pandemie

Kinetikkünstler Ernst Heye zog mit seinen spektakulären Kugelbahnen die Aufmerksamkeit vieler Besucher der Kunst- und Designroute in Gladbeck auf sich. Er präsentierte seine Werke im Atelier von Susanne A. Schalz.

Kinetikkünstler Ernst Heye zog mit seinen spektakulären Kugelbahnen die Aufmerksamkeit vieler Besucher der Kunst- und Designroute in Gladbeck auf sich. Er präsentierte seine Werke im Atelier von Susanne A. Schalz.

Foto: Heinrich Jung / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Besucher genossen die Kunst- und Designroute Gladbeck. Viele Künstler haben ihre Empfindungen in Corona-Zeiten in ihre Arbeiten einfließen lassen.

Gleichgültig, wen man fragte – sie alle waren froh, dass wieder Bewegung in die bleierne Corona-Zeit zu kommen scheint. Zumal, wenn es nach den Gladbecker Kunstschaffenden geht, die trotz aller Einschränkungen auch in diesem Jahr an der Durchführung ihrer Kunst- und Designroute festhielten. Und das kunstinteressierte Publikum dankte es ihnen, indem es die Angebote rege nutzte.

Das Wetter spielte ebenfalls mit, und so hatten sich viele Menschen aufs Fahrrad geschwungen und fuhren die Kunst- und Designroute in Gladbeck einfach ab. „Offensichtlich Kunst+Design“, so der mittlerweile gut verankerte Titel der Veranstaltung, auch wenn die Rahmenbedingungen diesmal so ganz und gar nicht dem Gewohnten entsprachen.

Gladbeck: In Ateliers und Werken spielt das Coronavirus unübersehbar eine Rolle

Station 1: Das Magazin von Susanne A. Schalz. Schon lange vor dem offiziellen Beginn der diesjährigen Route seien Besucher hergekommen, erzählt die Gladbecker Künstlerin. „Wir hoffen, dass wieder ein bisschen Fröhlichkeit einziehen kann, dass diese grauen Corona-Staubwolken im Kopf durch neue Eindrücke verdrängt werden, vor allem durch Künstler, die sich wirklich ins Zeug gelegt haben.“

Wie immer schmückt viel Farbe die Industriekulisse der Zechen- und Hafenbahn an der Talstraße. Die Besucher gehen im Rundkurs um Susanne Schalz‘ Arbeitsplatz herum. Corona sei immer noch eine Herausforderung, sagt sie, doch als ihre Frühjahrsausstellung – geplant für den 22. März – damals kurzfristig abgesagt werden musste, da habe sie „aus Frust“ mit einer Desinfektionsflasche auf das entstehende Bild gesprüht und siehe da: „Das gab ganz neue, interessante Verläufe.“ So heißt die Arbeit nun „Zeche Zollverein/C“, so, wie alle anderen auch, bei denen Desinfektionsspray eingesetzt wurde, mit einem C versehen wurden.

Auf der oberen Etage zeigen Benni Veltum und Sandra Sump Graffiti und Acrylmalerei. Ernst Heye fasziniert mit seinen kinetischen Kugelbahnen aus Kupferdraht das Publikum. 100 Arbeitsstunden stecken in solch einem Kunstwerk, bei dem die Mechanik eine wichtige Rolle spielt. „Diese Arbeit kann süchtig machen“, gesteht Heye.

Station 2: Die alte Spedition von Karoline Dumpe. Lichte weiße Räume empfangen den Besucher, und sofort fällt eine großformatige Arbeit (110 x 290 cm) ins Auge. „Künstler sind nicht immer Vorreiter ihrer Zeit, aber sie spiegeln ihre Zeit“, sagt die Künstlerin dazu, und „man muss sich mal überlegen, wie wir gesellschaftlich unterwandert werden und von wem“. So heißt das Werk aus sehr vielen kleinen Papierhalbkugeln, die sich unter wenige größere schieben, denn auch „Unterwanderung“.

Die Corona-Zeit sei für sie „wie ein Schock“ gewesen, sagt Karoline Dumpe, „ich war wie gelähmt, konnte gar nichts machen.“ Doch dann kam die Wende: Ihr Enkelsohn wurde geboren, und noch am selben Tag entstand das Bild „sundance“, ihre „Initialzündung“, wieder anzufangen.

Station 3: Der Garten von Ralf Augustin, in dem die aus Holz geschnitzten „Pfundskerle aus Butendorf“ nicht lange auf Besucher warten müssen. Der Künstler ist nach eigenem Bekunden bisher gut aus der Krise gekommen, er hat für diese Veranstaltung „vieles auf den Weg gebracht“. Mit der Kunstgemeinschaft Vlipp (siehe Info) habe man sich ausgetauscht und Unterstützung von der Stadt erhalten: „Ich glaube, dass die Menschen viel vermisst haben.“

Station 4: Am Kotten Nie an der Bülser Straße stellt mit Sabine Löbbecke (Acrylmalerei auf Leinwand Papier und Holz), Antje Meier (Acrylmalerei auf Leinwand) und Simone Wiechern (Acryl, Öl, Mixtechniken) ein Künstlerinnentrio seine Arbeiten vor. Die Jüngste unter ihnen, Antje Meier, assoziierte die Einschränkung während des Lockdowns mit einem Gorilla und bannte die Tiere furchterregend auf die Leinwand.

Simone Wiechern hat aus der Not eine Tugend gemacht und sich auf das digitale Malen und sogenannte „Sketch notes“ – das sind gezeichnete Notizen - verlegt. Sabine Löbbeckes Arbeiten während der Ausgangsbeschränkungen grenzen sich von ihren eher harmonischen Motiven stark ab, zeigen sie doch etwas wirre und unruhige Porträts: „Corona hat mich sehr blockiert. Die Menschen haben mir gefehlt.“

So hat jeder Kunstschaffende seine ganz persönlichen Erfahrungen mit der Pandemie in Kunst umgesetzt, oder mit den Worten von Karoline Dumpe: „Eine Pandemie kann die Kunst erschweren, aber nicht aufhalten.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben