Strukturanalyse

Kreisstädte: Hohe Arbeitslosigkeit und Vollbeschäftigung

Vest/Gladbeck.   Unterschiede sind in keiner anderen Region so groß. Strukturanalyse der Arbeitsagentur nennt Ursachen. Gladbeck hält traurigen Spitzenplatz.

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Bei den Arbeitslosenzahlen im Kreis hält Gladbeck mit 11,9 Prozent einen traurigen Spitzenplatz. Aber auch Marl und Recklinghausen standen mit 11,3 bzw. 11,2 Prozent Erwerbslosen im November am oberen Ende der Statistik, während sich Städte wie Dorsten (7,6 %) oder Haltern (4,3 %) nahe an der Vollbeschäftigung befinden.

Für Arbeitsmarktexperten ist der Kreis Recklinghausen deshalb ein Phänomen. Nirgendwo in der Republik gibt es eine Region, in der sich derart unterschiedliche Strukturen in einem einzigen Arbeitsagenturbezirk vereinen. Dass zwischen den Arbeitsmärkten im Ruhrgebiet und dem Münsterland Welten liegen, ist dabei keine neue Erkenntnis. Die Verwerfung läuft aber mitten durch das Kreisgebiet.

Was ist in Haltern und Waltrop anders als in Gladbeck oder Marl?

Doch was ist in Haltern oder Waltrop anders als in Gladbeck, Herten, Marl und Recklinghausen? Einige Antworten darauf gibt eine „Strukturanalyse der Arbeitslosigkeit im Kreis Recklinghausen“, die die Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit gemacht hat. Verfasser Mirco Kogge kommt darin zu dem Ergebnis, dass die kreisangehörigen Städte mit hoher Arbeitslosigkeit auffällige Gemeinsamkeiten haben: Sie zeichnen sich durch einen hohen Migrantenanteil sowohl in der Bevölkerung, als auch bei den Arbeitslosen aus. Und es leben in ihnen besonders viele Menschen ohne einen beruflichen Abschluss.

Eben diese sind häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen, belegen auch wissenschaftliche Studien. Migranten wiederum wiesen in stärkerem Maße Sprachdefizite und ein niedrigeres Bildungsniveau und weniger häufig einen Berufsabschluss auf. „Damit haben diese Menschen größere Barrieren bei der Integration in Arbeit zu überwinden“.

Als Folge der Fluchtbewegung in 2015 und 2016 sei mit einer weiteren Zunahme von arbeitslosen Ausländern zu rechnen.

Bereitschaft zur Mobilität ist eine Notwendigkeit

Noch eine Erkenntnis: Zwar ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit Wohnort im Kreis seit 2014 um 4,5 Prozent auf gut 211 000 angestiegen, doch diese Stellen finden sich oft nicht in der eigenen Stadt. Das gilt in Städten wie Oer-Erkenschwick in besonderem Maße, dort müssen von 100 Beschäftigten 84 die Stadtgrenze hinter sich lassen, um zum Arbeitsplatz zu kommen. Auch in Waltrop (77 Prozent) und Castrop Rauxel (74 Prozent) sind die Pendlerquoten hoch, in Marl sind sie mit 62 Prozent am niedrigsten.

Weil es am Wohnort zu wenige Jobs gibt, müssen Arbeitslose daher eine hohe Bereitschaft zur Mobilität mitbringen, sagt die Chefin der Arbeitsagentur Recklinghausen, Anke Traber. Das Problem in den Städten jenseits der Lippe: Dort sei es häufig beschwerlich, mit dem Nahverkehr sein Ziel zu erreichen.

Viele Arbeitslose sind auf dem Qualifikationsniveau eines Helfers

Ein weiteres Ergebnis der Strukturanalyse: Etwa die Hälfte der gemeldeten Arbeitslosen im Kreis befindet sich auf dem (niedrigen) Qualifikationsniveau eines Helfers. Gefragt sind jedoch Fachkräfte, insbesondere in der Gesundheits- und Pflegebranche, im Handwerk und in der Gastronomie.

Arbeitgeber müssen überzeugt werden, schwächere Kandidaten einzustellen

Was also ist zu tun, um diese Situation zu verbessern? Aus Sicht von Arbeitsagentur und Jobcenter sind Umschulungen und Qualifizierungen ein probates Mittel, um offene Stellen mit Arbeitslosen zu besetzen.

Betriebe, die bereit sind, schwächere Kandidaten einzustellen und fit zu machen für die Anforderungen des Jobs werden ebenfalls von der Arbeitsagentur unterstützt. Doch bis es dazu komme, gelte es, bei Arbeitgebern häufig erst einmal Vorbehalte zu überwinden.

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