Kreishaus-Sanierung stößt auch auf Bedenken

Das Recklinghäuser Kreishaus aus dem Baujahr 1979 soll nun kernsaniert werden. Diesen Grundsatzbeschluss fasste am Montag der Kreistag. Die Belegschaft sieht der Maßnahme allerdings mit durchaus gemischten Gefühlen entgegen.

Sanierung oder Neubau? Vor dieser Frage stand der Kreistag. Bei einer von der NRW-Bank vorgenommenen Wirtschaftlichkeitsberechnung schnitt das Sanierungsmodell mit einem Wert von 124 Millionen Euro am günstigsten ab (Neubauvariante: 133 Millionen Euro) – in beiden Fällen sind neben den Investitionskosten auch Folge- und Nutzungskosten über einen Zeitraum von 30 Jahren berücksichtigt. Ziel ist es, ausgelagerte Nebenstellen wie das Straßenverkehrsamt und die Erziehungsberatung ins Kreishaus zu integrieren.

„Ein Neubau des Kreishauses wäre der Öffentlichkeit nicht zu verkaufen gewesen“, meint CDU-Fraktionschef Benno Portmann. Das Gebäude sehe äußerlich doch noch gut aus. Dieser Meinung war übrigens der gesamte Kreistag – bis auf die FDP. Die Liberalen favorisieren vehement einen Neubau. „Sie werden auf mehr Überraschungen hinter der Fassade stoßen als Ihnen lieb ist“, prophezeite Fraktionschefin Christine Dohmann dem Kreistag.

Die Kreishaus-Mitarbeiter würden bei einer Kernsanierung über Jahre „Lärm und Chaos“ ausgesetzt und der Finanzrahmen werde am Ende nicht zu halten sein, so die Politikerin aus Gladbeck weiter. Die eigentliche Sanierung ist in bisherigen Rechenmodellen auf 40 bis 50 Millionen Euro taxiert worden.

Dass es im Kreishaus an der Kurt-Schumacher-Allee in Recklinghausen Handlungsbedarf gibt, gilt als unstrittig. Der Brandschutz ist nicht mehr gewährleistet, die Technik marode. Die vom Kreis angestrebte „offene Arbeitsumgebung“, bei der die Zuordnung von Mitarbeiter und Arbeitsplatz weitgehend aufgehoben wird, wird von den Beschäftigten teilweise jedoch kritisch gesehen.

Furcht vor Großraumbüros

„Die Stimmung ist sehr gemischt“, bestätigte Personalratsvorsitzende Martina Pestke. Den Plänen gegenüber aufgeschlossen seien eher die jüngeren Kollegen. Andere hingegen befürchten, künftig in „Großraumbüros“ arbeiten zu müssen. Von 2000 Kreis-Beschäftigten sind zurzeit 750 im Kreishaus tätig.

Die Verwaltung werde die Mitarbeiter in den Prozess einbinden, verspricht Thomas Lorenz vom Fachdienst Immobilienangelegenheiten der Kreisverwaltung. Der Personalrat plant im nächsten Jahr eine Befragung der Belegschaft. „Es darf nicht sein, dass an ergonomischen Standards, Raumausstattung und Lärmschutz gespart wird“, sagt Martina Pestke.

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