Reaktion

Krankenhaus-Studie: Keine Gefahr für Gladbecker Hospital

Das St.-Barbara-Hospital in Gladbeck wird weiter ausgebaut.

Das St.-Barbara-Hospital in Gladbeck wird weiter ausgebaut.

Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Der St. Augustinus Konzern sieht die aktuelle Krankenhaus-Studie gelassen. Die angestoßenen Maßnahmen entsprächen den Forderungen der Experten.

Die aktuell veröffentlichte Bertelsmann-Studie, die eine radikale Reduzierung der Krankenhausanzahl in Deutschland zur Verbesserung der Patientenversorgung empfiehlt, sieht Hendrik Nordholt relativ gelassen. „Keines unserer Häuser, darunter das Gladbecker St. Barbara Hospital, ist von einer Schließung bedroht“, so der Geschäftsführer der St. Augustinus GmbH.

Trotz der Übernahme der Katholischen-Kliniken-Emscher-Lippe GmbH, die in 2017 einen Fehlbetrag von sieben Millionen Euro aufwies, habe der Konzern das Jahr 2018 mit positivem Gesamtergebnis aus dem operativen Geschäft abschließen können und stehe „wirtschaftlich stabil da“. Sondereffekte belasteten das Gesamtergebnis zusätzlich. Zudem habe der Konzern mit seinem Häusern in Gladbeck, Gelsenkirchen und Bottrop „bereits einen Umstrukturierungsprozess angestoßen“, der einerseits die Grundversorgung der Patienten sichere und andererseits auch für Spezialisierungen sorge, wie es die Studie fordere.

Es gilt in einigen Punkten feiner zu unterscheiden

Dabei gelte es aber feiner zu unterscheiden, meint Nordholt. Da, wo manuelle Fertigkeiten eines Operateurs wichtig seien, sei das Argument nachvollziehbar, dass eine höhere Anzahl durchgeführter Eingriffe und die entsprechende Erfahrung das Gelingen einer OP steigerten. Anders sehe es in der Geriatrie und bei altersbedingten Erkrankungen aus, da könne ein junger Facharzt ein ebenso guter Mediziner sein wie ein erfahrener Kollege.

Den Kostendruck bei teurem Spezialgerät weist Nordholt auch nicht von der Hand. Hier habe der Klinikverbund mit seinen Synergieeffekten aber eben Vorteile im Vergleich zu kleinen Kliniken mit geringerer Finanzkraft. Die Akutkrankenhäuser der Augustinus-Gruppe würden in der Basisversorgung („der Brot und Butter Notfallversorgung“) auf dem neuesten Stand der Technik gehalten. „Zudem schaffen wir Spezialgerät an, aber nicht für jedes Krankenhaus, da wir ja bewusst Schwerpunkte an den einzelnen Standorten setzen, um hier gezielt zu investieren“, so Nordholt.

Neuer Chefarzt für die Viszeralchirurgie ist gefunden

Ist es in Horst die Geriatrie, so wurde in Gladbeck jüngst die Innere Medizin mit einem Investment von rund 700.000 Euro auf den modernsten technischen Stand gebracht, auch hochsensibles Endoskopie-Gerät wurde neu angeschafft. Im Barbara-Hospital sei zudem bekanntlich der Bau eines neuen Nordflügels geplant, mit Investition von rund 30 Millionen Euro, um dort eine größere zentrale Notaufnahme, einen Bereich für Intensivmedizin und einen weiteren OP-Bereich unterzubringen.

Zu erwarten ist auch eine Stärkung der Viszeralchirurgie, die nach Pensionierung des ärztlichen Direktors, Dr. Notger Brüstle, bislang ohne Chef arbeitet. Denn hier sei ein kompetenter Nachfolger gefunden: Dr. med. Ioannis Dimitriou werde neuer Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie für die Fachabteilungen in Gelsenkirchen und Gladbeck. Der bislang geschäftsführende Oberarzt am Alfried Krupp Krankenhaus in Essen wird im November erwartet, er lerne derzeit aber schon sein Team kennen. Nordholt will noch nicht konkret werden, aber es ist aufgrund des Potenzials zu erwarten, dass das Gladbecker Haus in diesem Fachbereich einen Spezialisierungsschwerpunkt bilden wird.

Facharzt-Standard wird in jedem Haus eingehalten

Der Geschäftsführer räumt ein, dass es aufgrund des umkämpften Personalmarktes im Krankenhausbereich einige Anstrengungen brauche, alle Stellen zu besetzen. Rund 50 aktuelle Stellenangebote sind auf der Augustinus-Homepage derzeit ausgeschrieben, darunter Assistenzärzte, Pflegekräfte oder Therapeuten. Nur ausreichend große Kliniken könnten die Facharztstellen rund um die Uhr besetzen, mahnt die Bertelsmann-Studie. „Wir halten in jedem Haus den Facharzt-Standard“, unterstreicht Nordholt. Der zugleich sagt , dass es vorkommen könne, dass bei kurzfristigen personellen Engpässen Leih-Ärzte engagiert werden müssten. Abhilfe soll ein Personal-Rekruteur schaffen, den der Konzern jetzt einstelle, um die Personaldecke durch aktive Eigen-Akquise zu stärken.

Zurück zum Nordflügel-Projekt in Gladbeck, wann mit dem Start zu rechnen ist? Nordholt: „Mein Ziel ist es, dass die Baustelle noch dieses Jahr eingerichtet wird.“

Leserkommentare (2) Kommentar schreiben