Klimawandel

Klima: Immer mehr Bäume in Gladbeck sind Hitzeopfer

Ein Anblick wie im Herbst, dabei entstand die Aufnahme in Gladbeck an einem Sommertag. Aufgrund der wochenlangen hohen Temperaturen und fehlender Niederschläge werfen Bäume ihr Laub ab.

Ein Anblick wie im Herbst, dabei entstand die Aufnahme in Gladbeck an einem Sommertag. Aufgrund der wochenlangen hohen Temperaturen und fehlender Niederschläge werfen Bäume ihr Laub ab.

Foto: Joachim Kleine-Büning / Funke Foto Services GmbH

Gladbeck.  In Gladbeck richten hohe Temperaturen und Trockenheit große Schäden im Baumbestand an. Schon jetzt sind mehr als 80 Bäume tot oder abgängig.

317,8 Sonnenstunden im Juni 2019, da mögen Sommer-Fans strahlen – und vielleicht hoffen, dass es demnächst wieder so heiß in Gladbeck wird. Bäume hingegen lassen bei solch einer Witterung schon mal die Blätter hängen. Und auch Bernhard Schregel, langjähriger Grün-Experte beim Zentralen Betriebshof Gladbeck (ZBG), vermag sich über derartige Rekordwerte für unsere Breiten nicht zu freuen. 263 Bäume mussten im vergangenen Jahr gefällt werden: „Alles Hitzeopfer!“ Und jetzt schon ist klar: Bei dieser Zahl bleibt es nicht, die Nachwirkungen sind unübersehbar. Mehr als 80 Bäume, so Schregel, seien aktuell als abgängig oder tot eingestuft. Dabei ist das Jahr noch lange nicht passé. „Auf dem Sprung in den Ruhestand“ sprach der städtische „Baum-Papst“ über den Klimawandel, Auswirkungen und Gegenmaßnahmen.

Zwei Baumkontrolleure nehmen zweimal jährlich die städtischen Bäume in Augenschein. Ein Bergahorn mit einem stattlichen Umfang von 90 Zentimetern: tot. Ein Ersatz würde mit etwa 300 Euro zu Buche schlagen.

Gladbeck: Ersatzpflanzungen für tote Bäume kosten viel Geld

Eine Japanische Blütenkirsche bringt es zwar nur auf 45 Zentimeter Umfang, doch sie auszutauschen, würde 700 Euro kosten. Ihr Todesurteil ist gefallen: „abgängig“. Das bedeutet in der Gärtnersprache: Vielleicht lebt sie noch ein bisschen, aber die Spitzen sind schon trocken, die Blätter werden kleiner. Wahrscheinlich muss sie in maximal zwei Jahren von der Bildfläche verschwinden. Zwei Weißdorne haben ebenso gelitten. Ersatz: 1100 Euro.

Pflanzen könnten sich zwar auf klimatische Veränderungen einstellen, aber eben nur bis zu gewissen Grad. Die Bedingungen haben sich gravierend verändert. Der eingangs genannte Sonnenspitzenwert stellt zwar die Messungen anderer Monate in den Schatten, doch auch diese sind nicht zu verachten. Beispielsweise der April mit 214,4 Sonnenstunden oder der August (234,3).

Die Diskrepanz zu „normalen“ Jahren wird im Vergleich zum langjährigen Mittel, errechnet aus zehn Jahren, deutlich. Für besagten Juni hieß der Wert 186,2. „Wir liegen meistens deutlich über dem Jahresmittel“, stellt der Fachmann fest. Das veränderte Klima sei der wesentliche Faktor für diese Entwicklung: „Im Februar hatten wir fast doppelt so viele Sonnenstunden wie im Vergleich zu Vorjahren. Das bedeutet für Pflanzen Stress.“

Die Temperaturen zählen zu den maßgeblichen Klimafaktoren. Auch sie weichen beträchtlich vom Jahresmittel ab. Noch einmal beispielhaft der Juni 2019: Registriert wurde ein Monatsmittel von 20 Grad Celsius. Jahresdurchschnittswert: 16 Grad. Die Monate von April bis September weichen ebenfalls durchweg nach oben ab: „Das ist eine Menge.“

Und wenn der Wettergott obendrein noch die himmlischen Schleusen fest geschlossen hält, kann so mancher Baum diesen Belastungen nicht Stand halten. Schregel: „Selbst wenn es jetzt mal hin und wieder regnet, reicht das bei Weitem nicht.“ Ein Tropfen auf den heißen Stein, das sind die Niederschläge der vergangenen Wochen und Monate. Der ZBG ist bemüht, die Defizite von Mutter Natur auszugleichen. So wässern die Mitarbeiter unter anderem alle neu gepflanzten Straßenbäume über drei Jahre: „Danach müssten sie eigentlich selbst klarkommen.“

Mehrere Methoden kommen zum Einsatz. Die „preiswerteste“ und praktikabelste Lösung: ein Gießrand aus Erde. Vorteil: Es handelt sich um ein natürliches Material. Im Gegensatz zu Drainagerohren, die ebenfalls in Gladbeck zur Grünbewässerung genutzt werden. Oder ein Gießrand aus Plastik, aber „der hat sich nicht so gut bewährt“. Tief in die Kasse greifen müsste der ZBG, wollte er seinen holzigen Schützlingen Wassersäcke verpassen, denn pro Exemplar sind etwa 25 Euro hinzublättern.

Auf lange Sicht dürfte sich die Pflanzung neuer Baumgattungen und -arten bezahlt machen, die dem Klimawandel etwas entgegenzusetzen zu haben – wie der Zürgelbaum: „Den gibt es in Südeuropa an jeder Ecke.“

Der Französische Ahorn habe keine Probleme mit Hitze und Trockenheit; und mit der Hopfenbuche, die beispielsweise an der Kortestraße gedeiht, gebe es ebenfalls positive Erfahrungen. Robinien seien zwar nicht empfindlich gegen Trockenheit, doch „die pflanzen wir nicht mehr, weil sie bei Stürmen instabil sind“. Schregel: „In der Baumschule testen wir neue Baumarten.“

Er wage keine Prognose, wie viele städtische Bäume in diesem Jahr noch über den Jordan gehen werden, so Schregel. Aber eines dürfte sonnenklar sein: „Weniger als in den Vorjahren werden es nicht sein.“

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