Bäume

Kastanien werden in Gladbeck allmählich zur Rarität

Bereits weichen mussten Kastanien an einigen Stellen in Gladbeck – wie an der Postallee in der Innenstadt.

Bereits weichen mussten Kastanien an einigen Stellen in Gladbeck – wie an der Postallee in der Innenstadt.

Foto: Kerstin Bögeholz / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Der Zentrale Betriebshof Gladbeck muss wieder einige Kastanien fällen. Sie sind Opfer eines Bakteriums. Weitere Bäume müssen ebenfalls weichen.

Noch gibt es einige Rosskastanien in Gladbeck. Noch! Denn etliche sind mit dem Bakterium Pseudomonas syringae befallen, das explizit diese Baumart vernichtet. In den kommenden Wochen werden daher an einigen Stellen im Herzen der Stadt sechs Exemplare von der Bildfläche verschwinden.

Dabei handelt es sich um einzelne Kastanien an der Friedrich-Ebert-Straße, Hoch-, Goethe- und Marktstraße sowie am Oberhof. Und dabei werde es nicht bleiben, sagt Ralf Sonnenberg. Der Leiter des Bereiches Grünflächen- und Friedhofsunterhaltung beim Zentralen Betriebshof Gladbeck (ZBG) schätzt, dass diese Bäume 20 bis 40 Jahre auf dem Holz haben.

Gladbeck: An der Hornstraße wird eine ganze Reihe Kastanien fallen

Er weiß jetzt schon: „Demnächst wird auch eine ganze Reihe an der Hornstraße fallen.“ Denn von den Bäumen, die Opfer des Bakteriums werden, geht Gefahr aus. „Die Kastanien bekommen einen Ausfluss, der dazu führt, dass das Gewebe morsch wird“, erläutert der Fachmann, „die Statik wird gestört.“ Das ist die Ursache für eine gefährliche Brüchigkeit.

Sonnenberg: „Man erkennt kein Totholz. Voll belaubte Äste stürzen einfach herab und können Fußgänger treffen.“ Deswegen muss aus Sicherheitsgründen die Axt ran: „Eine Alternative zur Fällung gibt es nicht.“ Auf dem Goetheplatz sei beispielsweise schon einmal ein Ast auf ein Auto gefallen.

Es gebe in zwar noch einige Kastanien in Gladbeck, doch deren baldiges Ende sei absehbar. Allein bei diesem Gedanken dürfte Baum-Fans das Herz bluten. Manch einer erinnert sich vielleicht noch daran, dass Kastanien vor einigen Jahren die Postallee säumten – bis der Pilz sich ins Holz fraß.

Der Fachmann Sonnenberg: „Gesund ist keiner der Bäume mehr, befallen sind sie alle.“ Deswegen ist nicht an der Tatsache zu zu rütteln: Sie müssen früher oder später weg. Über den Zustand der Kastanien an der Hornstraße sagt Ralf Sonnenberg, sie könnten vielleicht noch ein Jahr, mit etwas Glück zwei Jahre leben.

Doch im kommenden Herbst sind diese Kastanien Geschichte. „Wir wollen keine Salamitaktik, sondern sie mit einem Schlag fällen“, sagt Sonnenberg. Allerdings kann er „grüne Naturen“ trösten: „Nachpflanzungen sind vorgesehen.“

Für die Hornstraße sei der Zürgelbaum im Gespräch: „Dann ein ganzer Zug.“ Für die Standorte in der Innenstadt stehen Nachpflanzungen noch für dieses Jahr auf der Agenda – und zwar an den Stellen der bisherigen Kastanien. Welche Bäume diese ersetzen werden, steht noch nicht fest: eventuell Hopfenbuchen oder Zierkirschen. Ralf Sonnenberg: „Es sollen Solitärbäume sein, die klein- oder schmalkronig sind.“

Die etwa 60, 70 Jahre alte Kastanie vor dem Rathaus „sieht noch gut aus“. Ob sie dem Angriff des „Killer-Bakteriums“ Stand hält? Sonnenberg meint: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

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