Ferienfreizeit

Jugendliche schreiben ein eigenes Krimi-Buch

Er unterstützt mit Sarah Meyer-Dietrich Torgen (r.) und seine Coautoren: der freie Autor Sascha Pranschke (2.v.r).

Er unterstützt mit Sarah Meyer-Dietrich Torgen (r.) und seine Coautoren: der freie Autor Sascha Pranschke (2.v.r).

Foto: Joachim Kleine-Büning

Gladbeck.,  Ferienfreizeit mal anders: In der Stadtbücherei schreiben Jugendliche in den Ferien ein eigenes Buch. Über eine Leiche im Hahnenbach . . .

Im Hahnenbach nahe am „Blauen Klassenzimmer“ wurde eine Leiche gefunden. Der Tote hat eine Bisswunde am Arm und Ansätze von Feenflügeln auf dem Rücken. Hinweise auf den Mörder gibt es nicht. . .

Mit dieser Szene beginnt eine Geschichte, an der 14 Jungen und Mädchen gerade fieberhaft im Keller der Stadtbücherei schreiben. Eine Woche lang nehmen sie an einem Schreibprojekt teil, das das Kinder- und Jugendliteraturzentrum NRW, die Emschergenossenschaft und die Stadtbücherei Gladbeck organisiert haben.

Vor dem Schreiben gab’s eine Exkursion zum Hahnenbach

„Wie wäre es, wenn in der Mordnacht der Vollmond scheint?“, fragt Marlon in den Raum. Seine Mitautoren stimmen zu. „Das passt auch gut, weil in der Nacht vor unserer Exkursion wirklich Vollmond war“, sagt Sarah Meyer-Dietrich. Die 36-jährige Schriftstellerin leitet den Kurs zusammen mit Sascha Pranschke, der ebenfalls freier Autor ist. „Am ersten Tag haben wir einen Ausflug zum Hahnenbach gemacht, ins blaue Klassenzimmer“, sagt Meyer-Dietrich. Hier sollten die Jugendlichen zwischen elf und 14 Jahren Ideen sammeln für ihre Geschichte, die später in gebundener Form erscheinen soll.

Seit Dienstag sitzen die Teenager im Forum der Stadtbücherei und hauen in die Laptoptasten. Der 12-jährige Torgen schreibt über die Obduktion der Leiche. „Dr. Robbert, so habe ich den Pathologen genannt, ist entsetzt wegen der Feenflügel“, sagt der Gesamtschüler. Was ihm an der Schreibwerkstatt gefällt? „Dass ich meine Gedanken nicht nur für mich behalten muss und auch die von anderen kennenlernen kann.“

Viele Autoren und viele Perspektiven machen den Charme des Buches aus

Der Austausch, das gemeinsame Schreiben, ist ein Ziel des Projekts. Außerdem sollen sich die Kinder mit ihrer Stadt auseinandersetzen, sagt Sarah Meyer-Dietrich. „Am Ende soll eine in sich geschlossene Geschichte stehen.“ Dafür wollen die 36-Jährige und ihr Kollege Sascha Pranschke sorgen, indem sie beratend zur Seite stehen und den Text hinterher lektorieren. Den Stil der Nachwuchsautoren verändern sie jedoch nicht, betont Meyer-Dietrich. „Das Buch besteht aus unterschiedlichen Perspektiven, das macht den Charme aus.“

Die Jungs wollen es gruseliger als die Mädchen

„Was verliert Luke im blauen Klassenzimmer, das den Verdacht auf ihn lenkt?“, ruft Naomi ihren Co-Autoren zu. Ein Stoffstück? Einen Schlüssel? Oder ein Handy? „Wie wär es mit einem Büchereiausweis?“, entgegnet Sarah Meyer-Dietrich. „Dann hätten wir gleich eine Verbindung zu unserem Schreibort.“ Die Idee kommt gut an. Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass die gebürtige Gelsenkirchenerin und Wahl-Bochumerin in der Stadtbücherei Gladbeck ist. „Ich bin in Buer aufgewachsen und habe als Kind hier immer Bücher ausgeliehen. Insofern ist der Kurs hier eine kleine Heimkehr für mich.“

Und dann hat die 36-Jährige keine Zeit mehr zum Plaudern. Eine Ghultagung wird einberufen. Die leichenfressenden Fabelwesen spielen eine wichtige Rolle in der Geschichte. „Die Jungs wollten es gern gruseliger“, so Meyer-Dietrich. Nun gilt es, sich abzustimmen. Schließlich soll es ein gemeinschaftliches Buch werden.

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