Berufswelt

Jede fünfte Lehrstelle im Handwerk ist noch unbesetzt

Nicht nur im Fleischerhandwerk: in der Lebensmittelbranche konnten viele Ausbildungsplätze im Emscher-Lippe-Raum noch nicht besetzt werden.

Foto: Sven Hoppe

Nicht nur im Fleischerhandwerk: in der Lebensmittelbranche konnten viele Ausbildungsplätze im Emscher-Lippe-Raum noch nicht besetzt werden.

Emscher-Lippe-Region.   Die Handwerkskammer hat die Betriebe befragt. In der Lebensmittelbranche sind die Chancen besonders gut, noch einen Ausbildungsplatz zu finden.

„Etwa jeder fünfte Ausbildungsplatz im Handwerk konnte in der Emscher-Lippe-Region nicht besetzt werden“, sagt Egbert Streich, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Emscher-Lippe-West. Noch schlechter sieht die Nachwuchsgewinnung aus, wenn man die Betriebe im Münsterland hinzu nimmt.

Dann konnten nur 40 Prozent der Ausbildungsbetriebe im Handwerk alle Lehrstellen besetzen. Das hat eine Umfrage der Handwerkskammer (HWK) Münster unter 145 Ausbildungsbetrieben im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region ergeben. 35 Prozent der Befragten haben noch offene Lehrstellen – zwölf Prozent mehr als zur gleichen Zeit des Vorjahres.

Der Anteil der Betriebe ganz ohne Bewerber ist gesunken

Immerhin: Gegenüber einer Umfrage aus 2017 ist der Anteil der Betriebe, die keine Bewerber hatten, gesunken: von 56 auf 37 Prozent. Aber leider reichten die Qualifikationen der Bewerber nicht immer aus, sagt Egbert Streich. „Jemand, der immer nur eine schwache Vier im Fach Mathematik hatte, ist für einen Elektroinstallateur-Betrieb nicht tragbar.

Die Betriebe mit Bewerbern nannten bei der Kammerumfrage die häufigsten Gründe, weshalb ein Lehrvertrag nicht abgeschlossen worden sei: Der persönliche Gesamteindruck der Bewerber habe nicht gepasst (15 Prozent), die Bewerber hätten beim Probearbeiten zu wenig gewerkespezifisches Talent gezeigt beziehungsweise seien unzuverlässig gewesen (jeweils elf Prozent). Bei neun Prozent sei der ausgewählte Bewerber abgesprungen. Entgegen einer weit verbreiteten Ansicht hätten ein nicht ausreichender Schulabschluss oder mangelnde Deutschkenntnisse nur bei ach beziehungsweise sechs Prozent der Betriebe eine Rolle bei der Absage gespielt, betont HWK-Präsident Hans Hund.

Unternehmen müssen sich frühzeitig um Berufsnachwuchs bemühen

Er empfiehlt Unternehmen, sich frühzeitig um Berufsnachwuchs zu bemühen und auch für jüngere Schüler gut betreute und interessante Praktika anzubieten. Für Leistungsschwächere bestehe die Möglichkeit, mit einer vorbereitenden betrieblichen Einstiegsqualifizierung zu starten und bei einer Übernahme ausbildungsbegleitende Hilfen in Anspruch zu nehmen.

Jugendlichen, die noch eine sichere zukunftsträchtige Berufsperspektive brauchen, rät Egbert Streich bei der Berufswahl flexibel zu sein. „In der Lebensmittelbranche sind die Chancen besonders gut, noch einen Ausbildungsplatz zu finden. Gesucht werden zum Beispiel Bäcker, Fleischer und Konditoren.“

Die Kreishandwerkskammer berät

Neben Arbeitsagenturen hilft auch die Kreishandwerkskammer: Sie berät zu Einstiegsqualifizierungen und vermittelt Praktikums- und Ausbildungsplätze. In ihrer Lehrstellenbörse bieten Betriebe aktuell noch offene Lehrstellen für dieses Jahr an. Die Handwerkskammer weist darauf hin, dass Bewerbungen und ein Ausbildungseinstieg jederzeit möglich sind. Ihre Vermittler sind erreichbar unter 0251 705-4004.

>> DIE KREISHANDWERKERSCHAFT

  • Die Kreishandwerkerschaft Emscher-Lippe-West betreut die Innungen in den Städten Gladbeck, Bottrop und Gelsenkirchen, um die Gesamtinteressen des selbstständigen Handwerks sowie die gemeinsamen Interessen der Innungen wahrzunehmen.
  • Die Innungen bieten angeschlossenen Betrieben umfangreiche Beratung, Vertretung, Netzwerke, Schlichtungen, Seminare, Veranstaltungen, Unterstützung bei der Öffentlichkeitsarbeit und Ausbildung. Sie finanzieren die Fachverbände (Land/ Bund).

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