Karneval

Jecke Weiber erobern das Gladbecker Rathaus

Der Augenblick des Triumphes: Stadtprinzessin Claudia I. hat Bürgermeister Uli Roland den Stadtschlüssel abgerungen und wird auch von ihrem Prinzen Jörg I. gefeiert.

Der Augenblick des Triumphes: Stadtprinzessin Claudia I. hat Bürgermeister Uli Roland den Stadtschlüssel abgerungen und wird auch von ihrem Prinzen Jörg I. gefeiert.

Foto: Lutz von Staegmann

Gladbeck.  Stadtprinzessin Claudia I. und ihr närrisches Gefolge bedrängen Bürgermeister und Verwaltungsspitze erfolgreich mit Charme und schwerem Gerät.

Es hat alles nichts genutzt! Der jecke Uli musste letztlich vor dem geballten Charme von Prinzessin Claudia I. und ihren bunt kostümierten Weibern kapitulieren. Pünktlich, nach jecker Tradition um 11.11 Uhr, hatte das Narrenvolk rund um den Karnevalsclub Wittringer Ritter vor dem Rathaus Stellung bezogen. Und trotz aller raffinierten Verteidigungspläne der Rathausstrategen war der Widerstand um 11.30 Uhr gebrochen, das zuvor verbarrikadierte Eisentor zum Zentrum der Gladbecker Macht überwunden und der Stadtschlüssel erbeutet.

Bunter Zug durch die Innenstadt

Zuvor war das Stadtprinzenpaar mit den KCWR-Aktiven um Präsident Toni Blümer, unterstützt vom Frohnhauser Spielmannszug, durch die Innenstadt gezogen, hatte das kleine Volk mit Kamelle und die Größeren mit prozentigem Zaubertrank und Rosen um närrische Unterstützung gebeten. Eine jecke Macht näherte sich so dem Rathaus, und Tollität Claudia triumphierte am Megafon: „Ich kann es schon riechen, der Uli hat die Hose voll!“

Der sah das freilich ganz anders und fühlte sich, umgeben von seinem „Hofstaat“, der Verwaltungsspitze samt Beschäftigten und dem Schützenverein Mitte als Streitmacht, sicher in seiner „Burg“. „Da draußen ist es mit gefühlten Minus 18 Grad bitter kalt und hier schön warm.“ Außerdem habe man reichlich Proviant und Bier gebunkert, so dass man der Belagerung locker standhalte. „Baut euch auf dem Hertie-Grundstück doch euer eigenes Rathaus“, stichelte der „Regent“.

„Dafür habe ich keine Zeit“, konterte Claudia, die auch die Kälte nicht schreckte, „ich hab’ einen warmen Schlüpper an“. So rückte das Narrenvolk mutig vor, konterte grün-weiße Konfettisalven der verteidigenden Schützen mit bunten Schnipseln aus den eigenen Kanonen. Ein Sturm-Treppchen wurde im Überraschungsangriff aufgestellt, so dass Tollität Claudia über das Eisengitter von oben herab drohte: „Jetzt wird es schmutzig“ und musikalisch den „Final Countdown“ abspielen ließ.

Schoko-Schlüssel als süße Finte

Unterstützt vom Landtagsabgeordnetem Michael Hübner versuchte der Bürgermeister mit großem Schoko-Schlüssel, die Narren zum Abzug zu bewegen. „Der ist ja zerbrochen“, höhnte Claudia I., die Unterstützung von der Recklinghäuser Stadtprinzessin Silke III. samt Gefolge erhielt. Sie versuchte ihrerseits, mit Goldtalern zu bestechen. Als das nichts nutzte, griff die Tollität, assistiert von Stadtprinz und Ehemann Jörg I. tatkräftig zum Bauhelm, um mit Hammer und Meißel und dann schwererem Gerät das Ringschloss zu durchtrennen, das das Rathaustor sicherte.

„Reißt die Hütte ab“, dröhnte es dazu aus den Lautsprechern. Der närrische Uli zeigte sich plötzlich friedlich: „Bei so viel jecker Gewalt mach ich nicht mit.“ Wen wundert’s, bekanntlich trägt der Bürgermeister den vom KCWR verliehenen Titel „Ritter von der Gladebecke“, so dass er quasi zum Kollaborateur in eigener Reihen wurde und verriet: „Das Zahlenschloss ist mit dem Gründungsjahr des Schützenvereins Mitte zu öffnen.“ Schon schallte es aus den Reihen der Angreifer „1652“, aber Majestät Claudia war schneller,

hatte bereits mit einem Seitenschneider das Schloss geöffnet und präsentierte dem jubelnden Narrenvolk den eroberten Stadtschlüssel.

Die temporäre Herrscherin im Rathaus zeigte sich aber sogleich gnädig und verteilte als erste Amtshandlung Orden an den tapferen Uli & Co – der sich seinerseits mit bunten Umhängern revanchierte. Ein närrisches Friedensfest im Rathausfoyer folgte, wobei sich jecke Angreifer wie Verteidiger bei Freibier und Karnevalsmusik mit vielen Bützchen schnell versöhnten.

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