Gedenkstättenfahrt

Israel: Jugendliche trafen Enkelin von Max und Ida Kaufmann

Gladbecker Jugendliche trafen bei ihrer Israelrundfahrt zum Thema Holocaust Batja Hanner (Bildmitte mit Georg Liebich), die Enkelin der Gladbecker Holocaust-Opfer Max und Ida Kaufmann.

Gladbecker Jugendliche trafen bei ihrer Israelrundfahrt zum Thema Holocaust Batja Hanner (Bildmitte mit Georg Liebich), die Enkelin der Gladbecker Holocaust-Opfer Max und Ida Kaufmann.

Foto: Georg Liebich

Gladbeck.  Gedenkstättenfahrer Georg Liebich war wieder mit jungen Leuten in Israel. Dort trafen die Besucher auch eine Enkelin von Gladbecker NS-Opfern.

Von einer eindrucksvollen Studienreise nach und durch Israel sind 23 Jugendliche – viele aus Gladbeck – zurückgekehrt, die von Gedenkstättenfahrer Georg Liebich zu Orten der Begegnung und Erinnerung zum Thema Holocaust geführt wurden. Dem Sozialarbeiter gelang dabei diesmal ein ganz bemerkenswertes Zusammentreffen: Die Gruppe begegnete mit Batja Hanner einer Enkelin von Max und Ida Kaufmann, den bekannten Holocaust-Opfern aus Gladbeck, die bis zu ihrer Vertreibung durch die Nazis an der Horster Straße lebten.

Das Gespräch mit Batja Hanner hatte Liebich vor knapp einem Jahr ausgemacht, als die Kaufmann-Enkelin und ihre Cousine Chaja Kaufmann zur Einweihung des Max-und-Ida-Kaufmann-Hauses an der Horster Straße in Gladbeck waren. Das ehemalige Familienstammhaus der Kaufmanns wird heute von der Awo genutzt und bekam vor einem Jahr am Jahrestag der Reichspogromnacht seinen neuen Namen.

Batja Hanner erzählte den Gästen ihre außergewöhnliche Geschichte

Batja Hanner, 1937 in Gladbeck geboren, war in Tel Aviv in Begleitung ihres Sohnes Shay ins Hotel zum Gespräch mit den Besuchern gekommen. Sie erzählte den Jugendlichen ihre außergewöhnliche Geschichte, die mit der Flucht der gesamten Familie 1938 in die Niederlande begann. Batja wurde nach Kriegsbeginn mit ihren Eltern an die polnische Grenze deportiert. Sie schafften es, nach Usbekistan zu flüchten, wo sie überlebten. Nach dem Krieg wanderte die Familie nach Israel aus.

„Das Gespräch berührte die junge Leute ungemein“, fasst Gedenkstättenfahrer Georg Liebich seine Eindrücke zusammen. Aber auch andere Begegnungen seien hochemotional gewesen. Im Kulturzentrum Beit Lyhiot in Holon traf sie die Zeitzeugen Herta Goldmann, Batsheva Dagan und Chava Wolf. Viele Tränen, so Liebich, seien bei den Gesprächen geflossen, als die Zeitzeugen ihre so unglaublichen Geschichten den Jugendlichen anvertrauten. Hannah aus Gladbeck sprach nach diesem Tag stellvertretend für alle Jugendlichen, als sie sagte, dass sie diese Menschen mit ihren so schrecklichen Erfahrungen nicht vergessen werde. „Ich werde meiner Familie und meinen Freunden davon erzählen und hoffe, die Gespräche mit den Zeitzeugen ist für mich eine Erfahrung fürs Leben.“

In Jerusalem besuchte die Gruppe die Gedenkstätte Yad Vashem

Gestartet war die Rundreise in Akko, wo das „Ghetto Fighters House“ besucht wurde. Dieses Museum ist von Überlebenden des Warschauers Ghetto gegründet worden und soll vor allem an das schwierige Leben im Ghetto und an den jüdischen Widerstand erinnern. In Haifa lernte die Gruppe das Kulturzentrum Beit Ha`Gefen kennen – eine multikulturelle Organisation, die jüdische und arabische Jugendliche zusammen bringt.

Auf dem Programm standen in Jerusalem der Besuch von Yad Vashem, die zentrale Gedenkstätte für die ermordeten Juden, sowie der Besuch der „Halle der Erinnerung und des ewigen Lichtes“, wo die Jugendlichen an einer Bat Mizwa teilnehmen konnten, ein Fest zur Erreichung der religiösen Volljährigkeit. Mit Guide Uriel Kashi unternahmen sie – ebenfalls in Jerusalem – eine interreligiöse Stadtführung. In Bethlehem besuchten die Gladbecker die Geburtskirche Jesu.

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