Geburtstag

Irmgard Strätner ist so alt wie Gladbeck - 100 Jahre nämlich

Irmgard Strätner (li.) feiert ihren 100. Geburtstag. Dazu gratuliert auch ihre Nichte Maria Goddemeier.

Irmgard Strätner (li.) feiert ihren 100. Geburtstag. Dazu gratuliert auch ihre Nichte Maria Goddemeier.

Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Mit ihrem Audi 80 war Irmgard Strätner noch mit 92 Jahren unterwegs. Jetzt wird die Seniorin aus Gladbeck 100 – und kann es selbst kaum glauben.

Bis vor zwei Jahren hat Irmgard Strätner noch allein in ihrer Wohnung gelebt. Auto gefahren ist sie noch mit stolzen 92! Am Mittwoch feiert die Seniorin ihren 100. Geburtstag. „Wer hätte schon gedacht, dass man so alt werden kann“, sagt die Seniorin – und schüttelt quasi über sich selber den Kopf.

Ihre sechs Geschwister hat Irmgard Strätner alle überlebt

Ihren Geburtstag will die Seniorin mit 30 bis 40 Gästen im Vinzenzheim feiern. Dort lebt sie nun schon seit zwei Jahren. Weil sie aber immer ein geselliger, aktiver Mensch war, ist sie auch jetzt, im hohen Alter, nicht einsam. Ihre sechs Geschwister hat sie zwar als Jüngste alle überlebt. Aber andere Familienangehörige und Freundinnen besuchen sie regelmäßig im Heim.

Dass Irmgard Strätner genau im Jubiläumsjahr der Stadt Gladbeck 100 Jahre alt wird, weiß sie. Einen besonderen Geburtstagsgruß hat sie sich für „ihre“ Stadt aber nicht überlegt. Die Tatsache, dass sie, die immer so gern auf Reisen gegangen ist, nie daran gedacht hat, sich woanders niederzulassen, muss wohl als Hommage an Gladbeck reichen.

Lange Jahre pflegte sie als junge Frau ihre Mutter

Irmgard Strätner wurde am 10. Juni 1919 in Gladbeck geboren, mit Eltern und Geschwistern lebte sie an der Mittelstraße. Als junge Frau hat sie lange Jahre ihre schwer kranke Mutter gepflegt. „Meine Mutter hat zwei Weltkriege mitgemacht, das hat sie sehr geprägt“, erinnert sich die Seniorin.

Ihr Liebesglück fand Irmgard Strätner dann auf der Hochzeit einer Freundin – ihren späteren Ehemann Bernhard nämlich. Bernhard war einige Jahre älter als sie und im Krieg schwer verwundet worden. Als Witwer brachte er eine Tochter mit in die Ehe. 1962 starb Irmgard Strätners Ehemann, noch einmal geheiratet hat sie nicht.

Gearbeitet hat die Jubilarin als kaufmännische Angestellte. Zuerst in einem Statikerbüro, dann bei der Arbeiterwohlfahrt. Mit 60 ging sie in Rente. Das jedoch nicht, um von da an untätig auf dem Sofa zu sitzen. Das Reisen war schon immer ihre große Leidenschaft gewesen. Wien, Rom, Paris, Madrid, Kreta… Irmgard Strätner hat fast ganz Europa bereist. „In Paris“, erzählt sie, „kenne ich mich besser aus als in Essen, da würde ich mich verlaufen“, sagt die Jubilarin und lächelt.

Auch im Gladbecker Kneipp-Verein war sie viele Jahre aktiv, hat dort zum Beispiel mit 60 die Wandergruppe gegründet. Natürlich ging es zum Wandern ganz oft nach Spanien. Für Spanien hegt die Seniorin nämlich eine ganz besondere Leidenschaft.

Das Doppelkopfspiel mit Freundinnen war lange Jahre eine Leidenschaft der Jubilarin

Und noch ein Hobby pflegte sie über eine lange Zeit – das Doppelkopfspielen mit ihren Freundinnen. Die Kartenrunde gibt’s nicht mehr, aber die Freundinnen schauen immer noch regelmäßig im Vinzenzheim vorbei.

„Früher hat Irmgard uns ja immer zum Doppelkopfspiel abgeholt“, erinnert sich eine aus der Runde. Immerhin hat die Jubilarin ja erst mit 92 Jahren auf ihr Auto – einen Audi 80 – verzichtet. „Der ist damals kurz hintereinander zwei Mal stehen geblieben. Da hab ich gedacht, das ist jetzt ein Wink Gottes, gib den Wagen mal lieber ab“, erzählt die Jubilarin.

Verschrottet wurde der Audi aber nicht, sondern vielmehr repariert. Und in der Familie geblieben ist er auch. Heute fährt eine Tochter von Irmgard Strätners Nichte Maria Goddemeier den Wagen. „Wenn bei uns in der Familie jemand heute mal kurz ein Auto braucht“, berichtet Maria Goddemeier, „dann heißt es, ‘nimm doch die Irmgard’.“ Die Familie hat den Audi nämlich nach seiner ersten Besitzerin benannt.

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