Stadtteil-Check

In Gladbeck fühlen sich die Butendorfer am unsichersten

Klaus Rottmann, Vorsitzender des Siedlervereins „Moltkesiedlung“, findet, dass beim Thema Sicherheit auch zugeparkte Straßen eine Rolle spielen. So bemängelt der Gladbecker die Situation auf der Diepenbrockstraße: Zugestellte Bürgersteige und die daraus resultierende Fahrbahnverengung könnten für Rettungsfahrzeuge zum Problem werden, meint der 73-Jährige.

Klaus Rottmann, Vorsitzender des Siedlervereins „Moltkesiedlung“, findet, dass beim Thema Sicherheit auch zugeparkte Straßen eine Rolle spielen. So bemängelt der Gladbecker die Situation auf der Diepenbrockstraße: Zugestellte Bürgersteige und die daraus resultierende Fahrbahnverengung könnten für Rettungsfahrzeuge zum Problem werden, meint der 73-Jährige.

Foto: Joachim Kleine-Büning / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Im Stadtteil-Check für Gladbeck bewerteten Alt-Rentforter das Thema Sicherheit am besten. Schlusslicht mit den schlechtesten Noten: Butendorf.

Mit einem schwachen „Gut“ haben die Menschen in Gladbeck im Stadtteil-Check die Sicherheit in ihrer Stadt bewertet: 2,78. Die besten Zensuren vergaben Bewohner von Alt-Rentfort mit einer Gesamtbewertung von 2,14. Am Ende der Skala steht Butendorf. Dort reichte es nur für die Note 3,46.

Überrascht zeigt sich der Butendorfer Peter Breßer-Barnebeck vom schlechten Abschneiden seines Wohnortes. Der Kommunikationschef in der Stadtverwaltung meint: „Eine Häufung von Straßenkriminalität hätten wir hier mitbekommen.“ Doch es sind andere Gegebenheiten, die nach Einschätzung von Klaus Rottmann ein Unbehagen erzeugen. Der Vorsitzende des Siedlervereins Moltkesiedlung weiß, wo die „Hütte brennt“.

Gladbeck: Uneinsichtige Wege schüren das Unsicherheitsgefühl

Ganz oben auf der Mängelliste – wen in Gladbeck wundert’s? – steht die Problemimmobilie Steinstraße. Rottmann bezeichnet diesen Ort als „Achillesferse“ in Butendorf. Breßer-Barnebeck kann das Unsicherheitsgefühl nachvollziehen: „Gerade bei schönem Wetter stehen da viele Leute, von denen man nicht weiß: Was machen die da? Dass man sich dann überlegt, die Straßenseite zu wechseln, ist verständlich.“ Aber kommt es tatsächlich zu Belästigungen? Rottmann hat die Probe aufs Exempel gemacht: „Wir sind mit mehreren Paaren, darunter auch junge Frauen, an dem Haus vorbeigeschlendert. Über die Straße hinweg wurden wir angeschrien.“

Eine unangenehme Situation – wie auch an einsamen Stellen im Stadtteil. Rottmann: „Angsträume sind ein großes Thema.“ Für ihn sei wichtig, um sich sicher zu fühlen, „dass ich über bestimmte Straßen zu jeder Tageszeit gehen kann“. Und das sei in Butendorf nicht der Fall. Beispielhaft nennt er „den uneinsehbaren Weg bei Bauer Heimann“. Breßer-Barnebeck meint: „In der Art kenne ich in der Gegend eine Reihe von Wegen. Sie sind zwar zugewachsen, aber ich würde mich tagsüber nicht sorgen, dass jemand aus dem Gebüsch springt und einen überfällt.“ Und nachts ginge man wohl kaum dort entlang, wenn man sich unsicher fühle.

Rottmann sagt: „Wenn ich ein Problem in der Siedler-Gemeinschaft habe, möchte ich mich an eine Institution wenden können.“ Auch im Falle zugeparkter Straßen, beispielsweise an der Diepenbrockstraße. Wie solle denn da ein Löschzug oder Rettungswagen durchkommen? Breßer-Barnebeck hält dem entgegen: „Feuerwehr und ZBG kennen das Problem nicht.“

Anders sieht’s aus bei Beschwerden über Raserei auf der Horster Straße. Rottmann beschreibt illegale, halsbrecherische Rennen in den Nachtstunden. Die Möchtegern-Hamiltons verabreden sich, so sein Bericht, auf dem Netto-Parkplatz, Startpunkt der PS-Wettbewerbe. Breßer-Barnebeck weiß von Bürgerbeschwerden. Der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) habe daraufhin einen Seitenradar aufgestellt und langfristige Kontrollen durchgeführt: „Danach war die Horster Straße ziemlich unauffällig.“ Zudem habe die Verwaltung Netto vorgeschlagen, den Parkplatz nach Geschäftsschluss dicht zu machen. Dieser Treffpunkt dürfte damit passé sein.

Zu viel Gas geben manche Zeitgenossen auch in Alt-Rentfort, stellt Werner Hülsermann fest, der selbst beim Stadtteil-Check seine Noten vergeben hat. Der Anwohner der Josefstraße erzählt: „Das Neueste ist, dass Motorradfahrer auf den Hinterreifen rasen, an den Verkehrsinseln sogar in den Gegenverkehr.“ Doch eigentlich „ist Alt-Rentfort im Vergleich zu anderen Stadtteilen das Paradies“. Der Vorsitzende der Siedlergemeinschaft Rentfort stellte ein Kriterium ins Zentrum seiner Beurteilung: „Kann meine Frau jederzeit überall sicher hingehen?“ Er habe mit ihr das Thema besprochen – und sie habe die Frage bejaht.

Allerdings ploppte in Gerda Hülsermanns Erinnerung ein Vorkommnis auf: Eines Abends saß sie daheim mit einer Freundin zusammen, als sie hörten, wie jemand mit einem Schlüssel an der Haustür hantierte. Die beiden Frauen dachten sich: Werner kommt rein. Doch der 68-Jährige war es nicht, der tauchte erst eine Stunde später auf. Dieses Ereignis verunsichere, meint Hülsermann. Zumal durchaus Einbrüche in der Gegend vorkommen: „Betroffen sind eher die Hinterlieger, die keinen Durchgangsverkehr haben.“ Aber außer Kameras, Zusatzriegeln und hohen Zäunen scheint eines in Alt-Rentfort zu funktionieren: „Wir sind aufmerksame Nachbarn.“

So fiel ein Unbekannter in der Siedlung auf, der sich verdächtig benahm. Hülsermann und eine Nachbarin alarmierten die Polizei, gaben das Autokennzeichen weiter und hefteten sich an die Fersen des Mannes. Dieser habe sich mit weiteren Unbekannten getroffen. Als sich die Männer beobachtet fühlten, seien sie von dannen gezogen. Von der Polizei sei keine Rückmeldung gekommen, was sich hinter diesen Leuten verbarg.

Dubiose Handwerker hätten vor etwa eineinhalb Jahren Verunsicherung ausgelöst. Vor diesen Zeitgenossen warne der Siedlerverein immer wieder. Aber Hülsermanns Fazit lautet: „Ich fühle mich in Alt-Rentfort sehr sicher“. Trotzdem wünscht er sich „mehr Polizeipräsenz, einen Dorfsheriff wie früher“. Für alle Fälle...

Zur Sicherheits-Situation in den einzelnen Gladbecker Stadtteilen möchte Ramona Hörst nicht dezidiert öffentliche Aussagen machen. Es solle kein Quartier stigmatisiert werden. Außerdem sei der Datenschutz zu beachten. Die Sprecherin in der Kreispolizeibehörde Recklinghausen, zu deren Zuständigkeitsbereich auch Gladbeck zählt, betont: „Angst ist total individuell. Manche Menschen fürchten sich im Dunkeln, wenn sie allein sind. Andere meiden aus Angst Menschenmengen, die ja durchaus ein Nährboden für Straftaten sein können.“ Hörsts Erfahrung: „Das subjektive Empfinden und die objektiven Erkenntnisse klaffen auseinander.“

Beispielsweise könnten Betrunkene oder laute Menschen in größeren Gruppen Passanten durchaus irritieren. Ein Beispiel dafür ist in Butendorf das Hochhaus Steinstraße 72, das in der Dauerkritik steht: Ruhestörung, verdächtige Wahrnehmungen und mehr Menschen an der Adresse als gemeldet – immer erreichen die Polizei Meldungen.

Hörst räumt ein: „Wenn wir sagen würden, das ist ein Haus wie jedes andere, wäre das nicht zutreffend.“ Die Polizei sei dort „durchaus vermehrt unterwegs“. Hörst: „Man sollte uns Hinweise geben. Wir gehen ihnen nach und konsequent gegen Verstöße vor.“ Die Polizei stehe wegen der Butendorfer Immobilie in engem Kontakt mit der Stadtverwaltung.https://www.waz.de/staedte/gladbeck/problem-haus-steinstrasse-nachbarn-klagen-politik-ihr-leid-id230146760.html

Angsträume wie Unterführungen und schlecht einsehbare Stellen seien „oft mehr soziologisch begründet“, stellt die Expertin fest. „Manche Straftaten, wie Raub im Schutze der Dunkelheit, passieren relativ selten, doch sie verursachen Angst“, sagt Hörst.

Bei der „überfallartigen, klassischen Vergewaltigung“ handele es sich ebenfalls um eine Ausnahme, doch sie stoße auf großes öffentliches Interesse. Nicht zu vergessen: eigene Erfahrungen, Straftaten im persönlichen Umfeld oder auf offener Straße: „Sie wirken lange nach!“

Beispiel: Einbruch. „Bei unserer Präventionsberatung melden sich insbesondere Nachbarn von Opfern. Betrugsdelikte – Stichworte: Enkeltrick, falsche Polizisten – prägen ebenfalls. Einen wichtigen Part im Gesamtkonzept übernehmen die Bezirksbeamten: „Sie sind so gut vernetzt, dass sie als Ansprechpartner wahrgenommen und angenommen werden.“

Als ein Aufreger in Butendorf hat sich im WAZ-Gespräch die „Raserei auf der Horster Straße“ herauskristallisiert. Hörst berichtet: „Die Raser-Tuner-Szene haben wir seit einigen Jahren im Fokus.“ Bei einer Polizei-Aktion im Jahr 2019 seien im gesamten Einzugsgebiet der Behörde Recklinghausen mehr als 50 Autos sichergestellt worden, „oftmals war auch der Führerschein weg, und wir haben die Fahrzeuge aus dem Verkehr gezogen. Hilfreich wäre für die Einsatzkräfte, wenn nicht nur die Vorkommnisse, sondern auch Autokennzeichen und Typ der Wagen gemeldet würden.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben