Leben in Kleingärten

In der Anlage „Am Nattbach“ gärtnern auch viele junge Leute

Rosel Bunzel und ihr Mann Jochen haben den Garten in der Anlage „Am Nattbach“ schon seit über 40 Jahren.

Rosel Bunzel und ihr Mann Jochen haben den Garten in der Anlage „Am Nattbach“ schon seit über 40 Jahren.

Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Insgesamt 105 Parzellen umfasst die Kleingartenanlage Am Nattbach in Gladbeck. Die Erholung im Grünen ist vielen Pächtern besonders wichtig.

„Herzlich willkommen in einer der am schönsten gelegenen Kleingartenanlagen in Gladbeck.“ So freundlich begrüßt der Kleingartenverein Am Nattbach den Besucher seiner Website. Die Anlage liegt an der Stadtgrenze zwischen Butendorf und Gelsenkirchen-Buer, umgeben von einem Naturschutzgebiet, das den Namen Heege trägt, eine ehemalige Bauernschaft im Grenzland.

Im Jahr 1968 wurde die Kleingartenanlage Am Nattbach gegründet

Mit 105 Parzellen gehört die Kleingartenanlage Am Nattbach zu den größeren der Stadt. 1968 gegründet, hat der Verein im letzten Jahr sein 50-jähriges Bestehen gefeiert. Spaziert man über das aufgeräumte Gelände, fällt seine Weitläufigkeit ins Auge.

Eine große Rasenfläche lädt an schönen Sommertagen zum Verweilen und die Kinder der Anlage zum Spielen ein. „Wir haben uns in den letzten Jahren ziemlich verjüngt“, erzählt Manuela Kruck, seit 2018 die Vorsitzende des Vereins. Damit habe sich auch einiges in den Gärten selbst geändert. „Die jungen Leute legen nicht mehr so viel Wert auf den Gemüseanbau“, hat Manuela Kruck beobachtet. War der Kleingarten früher hauptsächlich ein Ort der Selbstversorgung, so soll er heutzutage auch der Erholung und dem Freizeitausgleich dienen.

Beim Vorbeigehen erwartet den Besucher in vielen Gärten, statt Kohlrabi, Kohlkopf und Co., ein buntes Blumenmeer. Allerdings sei auf die Regeln zu achten, auch wenn sie nicht mehr so streng gehandhabt würden, erklärt die erste Vorsitzende. Sie hat ihre Parzelle seit 2005, ihre heute 20-jährige Tochter sei hier aufgewachsen und nehme die Ernteerträge nach wie vor dankbar an, die ihr die Eltern vorbeibringen.

Quasi „von der Hand in den Mund“ ist die Devise von Michael Verleger, Schriftführer des Vereins: „Ich habe Wein in meinem Garten, und die Trauben gehen direkt in den Mund“. Von Vorratshaltung, dem Einwecken, wie zu Omas Zeiten, hält er nichts, obwohl auch das wieder stark im Kommen sei. Ihm ist die Gemeinschaft, die der Verein bietet, besonders wichtig: „Ich liebe das“, bekennt Michael Verleger aus ganzem Herzen. Ein Kochgrill steht in seinem Garten, so dass er jederzeit Gäste bewirten kann.

Obst und Gemüse müssen dabei sein

Eine ganz andere Herangehensweise an sein Stück Land hat Jochen Bunze. „Obst und Gemüse müssen dabei sein“, ist der 80-Jährige überzeugt. Er ist im Sommer jeden Tag auf seiner Parzelle, um zu graben, zu gießen und Unkraut zu jäten. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Große Melonen und üppige Zucchinis sind hier zu bewundern, aber der begeisterte Gärtner probiert auch Exotisches aus: Erdnüsse hat er gepflanzt, Topinambur und Maniok.

Rosel Bunze, seine Frau, ist dann für die Konservierung des Gemüses zuständig, kümmert sich um die Blumen „und manchmal darf ich auch welche mit nach Hause nehmen“, sagt sie lachend. Ihr Mann verlängere sein immer wieder angekündigtes „Aufhören“ Jahr um Jahr, weil er sich von seinem Stück Land nicht trennen könne, erzählt sie und ist wohl auch ganz froh darum. Die Nachfrage nach Parzellen sei groß, sagt Manuela Kruck, da müsse man abwägen, „wer könnte zu uns passen, aber wir freuen uns immer, wenn wieder neue Leute zu uns stoßen.“ Die Kleingartenanlage Am Nattbach ist grundsätzlich offen für jedermann, gleichgültig welcher Herkunft, das ist den Vorstandsmitgliedern wichtig: „Etwa ein Drittel der Parzellenpächter hat Migrationshintergrund“, sagt Michael Verleger nicht ganz ohne Stolz und fügt hinzu: „Wir sind ein echter Schmelztiegel.“

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