Kultur

Im Maxus Gladbeck fasziniert ein Stummfilm mit Livemusik

Bassist Matthias Hettmer und Sven Hermann mit dem Akkordeon schufen im Maxus Gladbeck die Klangkulisse zum Stummfilm-Klassiker „Orlacs Hände“.

Bassist Matthias Hettmer und Sven Hermann mit dem Akkordeon schufen im Maxus Gladbeck die Klangkulisse zum Stummfilm-Klassiker „Orlacs Hände“.

Foto: Heinrich Jung / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Im Maxus Gladbeck spielte zum Stummfilm „Orlacs Hände“ von 1924 Interzone perceptible. Die Musiker schufen eine fesselnde Atmosphäre.

90 Minuten mit expressiven Bildern, Musik und Geräuschen – diese Kombination weckt Emotionen. Faszinierende Eindrücke erlebten Besucher des Maxus’ in Gladbeck. Dort wurde am Wochenende der spätexpressionistische Stummfilm „Orlacs Hände“ gezeigt, den der Regisseur Robert Wiene im Jahr 1924 inszenierte. Die Musik kam dazu live von dem Ensemble Interzone perceptible.

Akkordeonist und Komponist Sven Hermann sowie der E-Bassist und Komponist Matthias Hettmer gründeten die Gruppe im Jahre 2000 in Essen. Auch im kommenden Jahr wollen die Musiker mit von der Partie sein, wenn die außergewöhnliche Film-Konzert-Veranstaltung im Maxus ihre Fortsetzung findet.

Gladbeck: Die Filmreihe mit Livemusik im Maxus soll fortgesetzt werden

„Orlacs Hände“ verbindet realistische Kriminalfilmmotive mit Elementen der Psychologie. Der Streifen thematisiert in der Art eines Psychokrimis die Ängste vor Transplantationen, die seinerzeit noch eine neue medizinische Errungenschaft waren. Während die Szenen des Films allein für den heutigen Geschmack durch die übertriebene Theatralik oft eher komisch als bedrückend wirkten, wurden sie in Verbindung mit der Musik zu einem einprägsamen künstlerischen Erlebnis, das die Rezeptionsgewohnheiten in die Irre führte.

Die einzelnen Instrumente traten in den Hintergrund. Akkordeon und E-Bass ließen sich nur vereinzelt wahrnehmen. Es war keine Inszenierung einer klassischen instrumentalen Stummfilmbegleitung, sondern eine Transformation, bei der Versatzstücke einzelner Medien und Instrumente ein neues Ganzes schufen. Das Spiel der beiden Musiker interpretierte oder akzentuierte nicht die einzelnen Szenen, wie man es von einer „gewöhnlichen“ musikalischen Stummfilmbegleitung her kennt, sondern verschmolz mit ihnen. Das forderte ein besonderes Ohren- und Augenmerk. Das Publikum war mit einem einzigen Klangwesen konfrontiert, in das sich der Ablauf und die Bilder des Filmes mischten.

Die sorgfältige Planung und Komposition der Musik ließ kein Spiel für Improvisation, obwohl laut Hettmer manchmal der Eindruck entstehen könnte. Die Handlung des Films wurde dabei in einer Weise seziert, die Erwartungshaltungen aushebelte. Das Publikum wurde mit einem Werk konfrontiert, das völlig neue Bedeutungen und Deutungen zuließ.

Sven Hermann und Matthias Hettmer sind beide diplomierte an der Folkwang Hochschule Essen ausgebildete Musiker. Sie betraten mit Interzone perceptible musikalisches Neuland im Spannungsfeld von Neuer Musik, Industrial, Noise und Electronica. Mittlerweile gibt es Auftritte in Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz und Frankreich, aber auch in Korea und den USA. Hinzu kommen regelmäßige Fernseh- und Rundfunkauftritte.

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