Geburten in Gladbeck

Hebammen für Geburtshaus gesucht

MdL Michael Hübner, Ute Pawlicki (AfA), Melanie Hagen (Mother Hood) und Sozialdezernent Rainer Weichelt (v.l.) sprachen zum Thema.

MdL Michael Hübner, Ute Pawlicki (AfA), Melanie Hagen (Mother Hood) und Sozialdezernent Rainer Weichelt (v.l.) sprachen zum Thema.

Foto: Oliver Mengedoht

Gladbeck.  Info-Abend im SPD-Bürgertreff: Alternative für die geschlossene Geburtshilfe in St. Barbara gesucht. Hebammen könnten Unternehmen gründen

„Ein Geburtshaus für Gladbeck – Ist das machbar?“ Unter dieser Überschrift hatte die Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen der SPD, kurz AfA, in den Bürgertreff Butendorf geladen. 25 Besucher waren gekommen, um zu hören, was SPD-Landtagsabgeordneter Michael Hübner, Sozialdezernent Rainer Weichelt und Melanie Hagen von Mother-Hood zum Thema zu sagen haben.

Keine der nach der Schließung der St. Barbara-Geburtshilfe gekündigten elf Hebammen war anwesend. Verständlich, da in Kürze arbeitsrechtliche Prozesse zur Weiterbeschäftigung mit den Katholischen Kliniken anstehen.

Kann ein Geburtshaus in Gladbeck funktionieren?

Gastgeberin Ute Pawlicki (AfA) stellte die Frage, die sicher viele Gladbecker interessiert: „Was macht ein Geburtshaus überhaupt und kann das auch in Gladbeck funktionieren?“ In einem Geburtshaus erfolge eine ganz andere Form der Geburtshilfe im Vergleich zu einer Klinik, erklärte Melanie Hagen von Mother-Hood, der bundesweiten Elterninitiative, die zunehmende Kreißsaalschließungen, Personalmangel in den Kliniken und große Lücken in der Hebammenversorgung kritisiert und auch Geburtshäuser unterstützt.

Die persönliche Hebamme sei 24 Stunden für die Frau da, beziehungsweise via Handy erreichbar. „Eine Eins-zu-eins-Begleitung der Schwangeren bei Vorsorge, Nachsorge und natürlich der Geburt selbst.“ Gebe es im Vorfeld keine Komplikationen, begleite die Hebamme die Geburt im Geburtshaus – ohne das aus Krankenhäusern bekannte Ärzte oder Schwesternteam. An Infrastruktur gelte es geeignete Räume für ein Geburtshaus zu finden, „etwa 100 Quadratmeter für Büro, Kursraum und zwei Geburtsräume.

Versicherungskosten überschaubar

Die betreibenden Hebammen könnten sich in einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts oder GmbH zusammenfinden und ihre Leistungen über die Kassen abrechnen. Auch die Belastung durch Versicherungskosten von etwa 6400 Euro im Jahr lasse sich auf 1200 Euro senken, „da die Kosten jetzt auch anteilig mit den Krankenkassen abgerechnet werden können“.

Durch die enge wie umfangreiche Begleitung der Schwangeren sei ein Geburtshaus freilich bei den Entbindungszahlen mit einer klinischen Geburtshilfe vergleichbar. Hagen: „Ein Geburtshaus kann bei 50 bis 60 Geburten so auch nicht die geschlossene Abteilung von St. Barbara, mit mehr als 500 Geburten im Jahr, ersetzen.“

Ein Schlag ins Kontor der Präventionsarbeit

Deren rasche Schließung zum Jahresende „ist ein Schlag ins Kontor für unsere Präventivarbeit“ im Bemühen als familienfreundliche Stadt, kein Kind zurücklassen zu wollen, so Michael Hübner. Junge Eltern seien im Krankenhaus aufgesucht worden, um sie über die Hilfsangebote der Stadt zu informieren. „Jetzt müssen wir mit umliegenden Kliniken Gespräche aufnehmen, um das Netzwerk wieder zu knüpfen.“ Sozialdezernent Weichelt bemängelte das rigide Vorgehen der KKEL-Geschäftsführung. Die Gladbecker Geburtshilfe sei für die beabsichtigte Fusion mit dem Bottroper Marienhospital und zugunsten der dortigen Geburtshilfe „geopfert worden“.

Weichelt wie Hübner bekräftigten die Unterstützung aus Politik und Rathaus für die Realisierung eines Geburtshauses und erinnerten, dass der Rat dafür ja auch 10 000 Euro zur Verfügung gestellt habe. Melanie Hagen bekräftigte, dass sich „ein Geburtshaus für eine Stadt wie Gladbeck rechnen kann“. Rainer Weichelt versprach, dass die Stadt an dem Thema weiter arbeite, „wir brauchen aber Menschen, die bereit sind das mitzutragen“. Michael Hübner brachte es auf den Punkt: „Ohne Hebammen kein Geburtshaus.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben