Demenz

Hausbesuche ersetzen nun den Caritas-Gesprächskreis

Statt kleiner Gesprächstreffen für Angehörige von Demenz-Erkrankten bieten Marie Schulte im Walde (l.) und Gabriele Buchholz von der Caritas nun wegen der sich wieder verschärfenden Corona-Lage Hausbesuche an.

Statt kleiner Gesprächstreffen für Angehörige von Demenz-Erkrankten bieten Marie Schulte im Walde (l.) und Gabriele Buchholz von der Caritas nun wegen der sich wieder verschärfenden Corona-Lage Hausbesuche an.

Foto: Heinrich Jung / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Gesprächskreis Demenz bei der Caritas: Angehörigen starteten nach dem Lockdown Kleingruppen-Treffen. Aber jetzt droht ihnen die nächste Pause.

Angehörige von Menschen, die an Demenz erkrankt sind, geraten häufig an ihre körperlichen, vor allem aber an ihre psychischen Grenzen. Für sie ist es besonders wichtig, sich Unterstützung zu suchen, um sich zumindest temporär Freiräume zu schaffen. Tagespflegeeinrichtungen, ambulante Pflege- und Betreuungsdienste und stationäre Einrichtungen sind praktische Entlastungen. Beim Caritasverband Gladbeck gibt es seit zehn Jahren ein Angebot, das auf anderer Ebene hilft: Im Gesprächskreis Demenz kommen pflegende Angehörige zusammen – der Geselligkeit und sozialen Kontakte wegen, aber auch, um sich mit Menschen in ähnlichen Lebenslagen auszutauschen und um über konkrete Fragen mit Diplom-Sozialpädagogin Marie Schulte im Walde zu reden.

Wie wichtig diese Begegnungen ihnen sind, haben die Gruppenleiterin und Gabriele Buchholz, beim Caritasverband zuständig für die Netzwerkarbeit im Bereich Senioren- und Pflegedienste, sehr deutlich gespürt, als der Lockdown die Gesprächskreise über Wochen lahmlegte. „Unsere Telefone standen kaum still. Manche Anrufe waren echte Hilferufe.“

Nach dem Corona-Lockdown gab es kleine Gesprächstreffen

Deshalb waren sie sehr froh, dass Caritasvorstand Rainer Knubben ihrem Vorschlag spontan zustimmte: Seit Anfang Juli treffen sich Angehörige in vier deutlich kleineren Gruppen. Nicht, wie sonst, im Johannes-van-Acken-Haus, sondern in der Caritas-Geschäftsstelle an der Kirchstraße. In der Senioreneinrichtung konnten die demenziell Erkrankten während der Treffen separat betreut werden. Diese Möglichkeit gibt es an der Kirchstraße nicht. Auf Wunsch sorgt Svenja Patz, Leiterin der ambulanten Dienste, für eine häusliche Betreuung.

Bei den ersten Treffen wurde noch einmal klar, dass diese Begegnungen für viele nahezu unverzichtbar sind. Marie Schulte im Walde: „Die Erleichterung war bei allen riesig. Die monatelange Isolation hat ihnen zu schaffen gemacht, denn nicht nur unsere Gesprächskreise fehlten, es gab während des Lockdowns ja auch kaum andere Begegnungs- und Entlastungsmöglichkeiten.“ Gabriele Buchholz ergänzt: „Und diese besondere Situation einem Demenzkranken zu erklären, ist sehr schwer.“ Der Zustand manches Betroffenen, auch in den stationären Einrichtungen, habe sich in dieser Zeit spürbar verschlechtert. Und auch Angehörige seien an ihre Grenzen gekommen: „Eine Frau musste sich sogar in neurologische Behandlung begeben.“

Caritas-Frauen fanden wieder eine echte Alternative

Alles, was sich in den vielen Wochen angestaut hatte, konnten die Angehörigen endlich in der Gruppe loswerden. Und jetzt droht wegen der steigenden Infektionszahlen und der damit verbundenen schärferen Vorschriften schon weder eine Pause. Zwei in der vergangenen Woche geplante Treffen mussten schon kurzfristig abgesagt werden, auch weil niemand so recht weiß, was als „öffentlicher Raum“ definiert wird, in dem sich nicht mehr als fünf Personen treffen dürfen. Ob die nächsten Gruppentreffs stattfinden können, wissen die beiden Frauen deshalb noch nicht. „Das müssen wir immer kurzfristig situativ entscheiden.“

Gabriele Buchholz und Marie Schulte im Walde haben wieder eine Alternative gefunden: Sie bieten, wenn sie Termine absagen, Hausbesuche an. Acht pflegende Angehörige haben dieses Angebot schon angenommen. Den Austausch mit Menschen, die in ähnlichen Situationen leben, kann das zwar nicht ersetzen, wissen die Fachfrauen, aber: „Das ist eine andere Art, den Angehörigen zu signalisieren, dass sie nicht allein sind und dass wir an sie denken.“ Und sie sehen noch einen positiven Aspekt: „Wir haben seit Monaten keinen Kontakt zu den Menschen mit Demenz. Ihre Veränderungen, auch ihr Verhalten im häuslichen Umfeld, sind bei der Unterstützung der Angehörigen wichtige Informationen für uns.“

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