AfD-Stadtverband

Gräber: „Ohne Provokationen würde die AfD totgeschwiegen“

Proteste gegen seine Partei nimmt Marco Gräber, Sprecher AfD Gladbeck, gelassen hin.

Proteste gegen seine Partei nimmt Marco Gräber, Sprecher AfD Gladbeck, gelassen hin.

Foto: Lutz von Staegmann

Gladbeck.   Sprecher des Stadtverbands bekennt sich im WAZ-Gespräch „100 Prozent“ zu seiner Partei. Proteste nimmt er gelassen hin.

Seit September 2018 gibt es in Gladbeck den AfD-Stadtverband. 22 Mitglieder zählt die Ortsgruppe bislang, 160 sind es im Kreis Recklinghausen. Der Gladbecker AfD-Sprecher Marco Gräber (30) geht davon aus, dass die Partei weiter wachsen wird.

Bisher ist der Rettungsassistent, der 2017 als Direktkandidat für den Landtag antrat, nach der Bundestagswahl dann hauptberuflich die Leitung des Wahlkreisbüros des Gelsenkirchener AfD-Bundestagsabgeordneten Jörg Schneider übernahm, das wohl einzige bekannte Gesicht der AfD in der Stadt.

Gesichter von Mitgliedern auf der Facebook-Seite geschwärzt

Andere Mitglieder wollten eher ungern in der Öffentlichkeit bekannt sein, aus Angst vor Anfeindungen der Stadtgesellschaft oder vor Nachteilen, wenn die politische Orientierung am Arbeitsplatz bekannt wird, sagt Gräber. „Gerade in den SPD-dominierten Stadtverwaltungen könnte das Probleme geben“, glaubt er. Deshalb wurden auf seiner Facebook-Seite auf dem Foto von der Weihnachtsfeier die Gesichter der Teilnehmer geschwärzt.

Marco Gräber hingegen hat kein Problem damit, sich zur AfD zu bekennen. Sympathisiert habe er mit der Alternative für Deutschland bereits 2013 wegen der damals vorrangig eurokritischen Haltung, eingetreten in die Partei sei er dann 2015 wegen der „verschärften Asylproblematik“. Gemeint ist die damals zahlenmäßig große Zuwanderung von Flüchtlingen, die die AfD bundesweit zu ihrem Hauptthema machte. „Die Politik setzt falsche Anreize für Zuwanderung, es wird nicht berücksichtigt, dass Flüchtlinge Arbeit und Wohnungen brauchen“, begründet Gräber die Kritik, gibt aber zu: In Gladbeck sei die Asylproblematik kein Thema. Dennoch: „Wir brauchen ein Einwanderungsgesetz wie Australien oder Kanada es haben“, fordert er.

Es soll wieder „ein bisschen mehr wie früher sein“

„Ich bin 100 Prozent AfD“ sagt der Gladbecker AfD-Sprecher im WAZ-Gespräch, verortet sich selbst in der Mitte der Partei. „Ich gehöre keinem Lager an, bin weder liberal noch national-konservativ“. Maßstab sei für ihn, Politik aus gesundem Menschenverstand heraus zu machen. Für ihn steht die AfD auch dafür, dass es wieder „ein bisschen mehr wie früher“ sein soll. „Ich will abends unbesorgt rausgehen können, ohne Angst haben zu müssen, zusammengeschlagen zu werden“. Dass die Fakten etwas anderes sagen, weniger Überfälle passieren, weiß er zwar, sagt aber: „Es gibt ein Gefühl von Unsicherheit“. Die zurückgehenden Einbruchszahlen erklärt er damit, dass „die Leute sich ja verbarrikadieren“.

„Ohne die Provokationen würde die AfD tot geschwiegen“

Dass Mitglieder des AfD-Bundesvorstands mit rechtsextremen und rassistischen Äußerungen ein Klima von Hass und Hetze schaffen, toleriert Gräber als politisches Kalkül und notwendige Provokation. Zum Beispiel Gauland: „NS-Zeit ein Vogelschiss der Geschichte“, Weidel: „Kopftuchmädchen“, der Thüringer Landesvorsitzende Höcke: „Denkmal der Schande“. Einige der Äußerungen „hätte man sich zwar klemmen können, aber wenn es die Provokationen nicht gäbe, würde die AfD doch totgeschwiegen“, ist Gräber überzeugt.

Die Proteste, die es regelmäßig gegen AfD-Versammlungen in Gladbeck gibt, nimmt er gelassen hin. „Es sind ja immer dieselben 50 Leute“, glaubt er. Die links-radikale Szene sei sehr aktiv, sehe die AfD als Bedrohung für die Demokratie.

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