Kultur

Gladbeckerin setzt Bergleuten ein Denkmal mit „Bergfrei!“

Die letzte Anthrazitkohle aus Bottrop und Ibbenbüren leuchtet auf kleinen Sockeln an einer Wand des „Magazins“, Atelier der Gladbecker Künstlerin Susanne A. Schalz. Erinnerungsstücke, die verkäuflich sind: „Das ist ein bisschen so wie damals, als sich die Leute ein Stück von der Berliner Mauer mitnahmen.“

Die letzte Anthrazitkohle aus Bottrop und Ibbenbüren leuchtet auf kleinen Sockeln an einer Wand des „Magazins“, Atelier der Gladbecker Künstlerin Susanne A. Schalz. Erinnerungsstücke, die verkäuflich sind: „Das ist ein bisschen so wie damals, als sich die Leute ein Stück von der Berliner Mauer mitnahmen.“

Foto: Oliver Mengedoht

Gladbeck.   Künstlerin Susanne A. Schalz setzt den Bergleuten ein Denkmal mit der Installation „Bergfrei!“ in ihrem Atelier. Ein Erlebnis für Augen und Ohren.

So einen Arbeitsplatz hätten sich Kumpel sicher gefallen lassen: sauber, Musik auf den Ohren, und vor allem mit bunten Lichtern, die im Zappendustern glühen. Das wäre es doch gewesen im Stockfinstern unter Tage! Die Chancen, dass es noch soweit kommt, sind gleich Null, Ende des Jahres ist Schicht im Schacht auf Prosper Haniel in Bottrop, der letzten aktiven Zechenanlage im Revier.

Susanne A. Schalz setzt den Bergleuten ein Denkmal mit ihrer Installation „Bergfrei!“ in ihrem Atelier. Ein Erlebnis für Augen und Ohren. Das Konzept dieser Schau, die bis zum 23. Dezember läuft, stammt von der Künstlerin, doch sie hatte tatkräftige Unterstützung.

Der wohl größte Kauen-Korb der Welt

Der wohl größte Kauen-Korb der Welt zieht Blicke auf sich. Schalz erzählt: „Ich habe ihn anfertigen lassen.“ Tom Heidepeter hat die Stahlarbeit übernommen. Ziemlich mittig hängt ein Schild: „reparaturbedürftige und schmutzige Wäsche“. Schalz erzählt: „Ehemalige Bergleute haben mir die Sachen geschenkt. Das ist für mich eine enorme Anerkennung.“ Hemd und Hose, Handtuch und Helm, Stiefel, Arschleder und eine Grubenlampe hat die Künstlerin in Szene – oder besser gesagt: in Farbe – gesetzt.

Die letzte Anthrazitkohle aus Bottrop

Quadrate mit Stücken der letzten Anthrazitkohle aus Bottrop und Ibbenbüren gleißen an einer Wand. 30 Euro kostet ein Exemplar. Matten, auf denen Kohle unter Tage transportiert wurde, hat Schalz geschenkt bekommen. „Ich habe im Jahre 2011 an Prosper geschrieben, dass ich gerne welche hätte und dann erst mal nichts gehört“, erzählt sie. Nach zwei Jahren kam die Antwort: „Sie können die zugeschnittenen Matten abholen.“ So sei er eben, der Ruhrpott-Mensch: „kumpelig und hilfsbereit“. Darauf hat sie mit Acrylfarbe und Neonlack in Schwarzlicht-Qualität wichtige Daten – wie den Tag, als der Kaufvertrag für das Magazin unterschrieben wurde – und die Namen aller Zechen geschrieben, die sie gemalt hat: Leopold Dorsten, Nachtigall in Witten, Holland Bochum, und wie sie alle heißen.

Das Beste aus dem Kohleausstieg machen

Im Hintergrund rattern Züge vorüber, wo sonst das Tor des Magazins geöffnet ist – scheint’s wenigstens. Denn es handelt sich um einen Film. „Die Gelsenkirchener Bahlinski und Dirk Gerigk haben ihn für mich produziert“, berichtet die Künstlerin. Im Hintergrund der Bahnlinie steht ein gelber Bagger, ein Radler fährt vorüber, da ertönt ein „Pling, pling, pling“: Die Schranke senkt sich. Musik erschallt. Danny-Tristan Bombosch hat sich diese Geräuschkulisse einfallen lassen, die ein bisschen an den Sound des Films „Das Boot“ erinnert. Schalz meint: „Wir machen das Beste aus dem Kohleausstieg: Wo sich eine Tür schließt, geht eine neue auf.“ Glückauf!

Tombola: „Kohle“ für die Grubenhelden

Wer Großes vorhat, braucht für die Umsetzung bisweilen „Kohle“. Das dachte sich die Künstlerin Susanne A. Schalz, als sie vom Auftritt der „Grubenhelden“ im Februar 2019 auf der Fashion Week in New York erfuhr. Das Gladbecker Modelabel auf der Show in „Big Appel“? Wo alle, die in der Branche Rang und Namen haben, ihre Kollektionen auf den Catwalk schicken? Das möchte Schalz unterstützen – und zwar mit einer Tombola.

Die Künstlerin spendiert für die Verlosung Kalender, die sie gestaltet hat, Tassen, Postkartensätze. Susanne A. Schalz lässt sich wahrlich nicht lumpen und spendiert das Prunkstück in der Tombola: ein 80 mal 100 Zentimeter großes Bild aus der Kollektion Pott in Farbe. Die Künstlerin hat die Zeche „Schlägel und Eisen“ in Herten thematisiert: „Das Bild kostet im Atelier 1000 Euro. Durch die Tombola haben Menschen die Chance, es zu bekommen, die nicht so viel Geld haben, um es zu kaufen.“

Jedes siebte Los gewinnt

„Grubenhelden-Geschäftsführer“ Matthias Bohmist „mega dankbar“ für Schalz’ Initiative, geht doch der gesamte Erlös an das Modelabel. Er legt unter anderem noch Socken und Schlüsselbänder drauf. 700 Lose werden ab 1. Dezember zum Stückpreis von zwei Euro verkauft. Schalz: „Jedes siebte gewinnt!“ Die Lose gibt’s bei ihr im Atelier an der Talstraße sowie bei den Grubenhelden an der Maria-Theresien-Straße in Gladbeck und im Essener Store auf Zollverein. Die Gewinner werden am 21. Dezember im Atelier von Schalz an der Talstraße gezogen.

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