Jubiläums-Tour

Gladbecker Stadtspaziergang zeigt verborgene Bereiche

Interessante Einblicke in luftiger Höhe: Im Rathausturm konnten sich die Teilnehmer der Jubiläums-Tour auch die Technik-Kamme (links) des Glockenturms anschauen.

Interessante Einblicke in luftiger Höhe: Im Rathausturm konnten sich die Teilnehmer der Jubiläums-Tour auch die Technik-Kamme (links) des Glockenturms anschauen.

Foto: Lutz von Staegmann / Funke Foto Services

Gladbeck.  Zum 100. Geburtstag der Stadt starteten Exkursionen unter Promi-Begleitung. Für die Jubiläums-Touren öffneten sich auch verborgene Bereiche.

Unter besonders prominenter wie profunder Leitung sollten drei geführte Spaziergänge zum Stadtjubiläum mit unterschiedlichen Schwerpunkten am Freitagabend starten. Aufgrund der angekündigten Gewittergefahr wurde kurzfristig aber die Tour mit Historiker und Erstem Beigeordneten Rainer Weichelt abgesagt. Die wettergeschützteren Exkursionen mit Bürgermeister Ulrich Roland („Geschichten, Anekdoten und Kuriositäten unserer Stadt-(gesellschaft)“) sowie die kulinarische Tour mit Peter Breßer-Barnebeck, Leiter des Referates Wirtschaftsförderung und Kommunikation („Gladbeck mit allen Sinnen erleben“) gingen aber fröhlich auf Entdeckungsreise.

Rund 40 Interessierte hatten sich Punkt 18 Uhr, bewaffnet mit Regenjacken und Schirmen, im Foyer des Alten Rathauses eingefunden. Nach Begrüßung und Gruppenfoto vor dem ehrwürdigen Bau, trennten sich die Wege der beiden Gruppen. Die „Sinnesfreunde“ steuerte direkt das Rathaus-Café Schwarte an, zudem standen das Restaurant Poseidon, der Szene-Treff Vanilla Lounge, die Traditionsgaststätte Haus Surmann, das älteste Eiscafé der Stadt - Cortina und zum Schluss ein Absacker in der Zentral-Gastronomie Alte Post auf dem Plan.

Mit dem Bürgermeister in Rathausturm und -bunker

Die „Anekdoten-Fans“ folgten gespannt dem Bürgermeister ins Rathaus. Zunächst ging es bei ihrem Stadtspaziergang in den „Raum der Demokratie“, wie Roland den Ratssaal gern nennt, wo er Sitzordnungen, Daten und Fakten zur Stadt erläuterte, an die fünf Zechen erinnerte , die es mal in Gladbeck gab, zum Staunen vieler Teilnehmer darauf verwies, dass in der Stadtgesellschaft 113 Nationen vertreten seien und seine Ausführungen mit der Feststellung abschloss: „Es gab mal Zeiten, da war Stadtpolitik leichter zu gestalten“, womit in erster Linie die finanzielle Situation der Stadt als Kommune unter Haushaltssicherung gemeint war, die viele Projekte erschwere.

In seinem Dienstzimmer präsentierte Roland zahlreiche Erinnerungen, wie einen kupfernen gallischen Hahn von der Partnerstadt Marc-en-Baroeul, einen Buddy-Bär im Schalke Dress, gestaltet von der heimischen Künstlerin Susanne Schalz, oder das Modell eines Lufthansa-Fliegers, der den Namen Gladbeck trägt. Rathausbesichtigungen gibt es immer mal wieder zu unterschiedlichen Anlässen. Aber dieser Rundgang war insofern etwas Besonderes, als er die Teilnehmer sowohl in luftige Höhe als auch in unterirdische Katakomben führte.

Denn stolze 45 Meter hoch ist der Rathausturm und eine ziemlich steile Treppe führt hinauf zur Glocke, die schon für allerhand Aufregung gesorgt hat, wie Ulrich Roland launig erzählte. Schlug sie auch während der Nachtstunden zunächst jede Viertelstunde, stand dies sehr schnell im Gegensatz zum Schlafbedürfnis der Anwohner. Also wurde die Glocke abgestellt. Daraufhin beklagte sich eine Nachtschwester, die im Barbarahospital Dienst tat und nun den regelmäßigen Glockenschlag, an den sie sich gewöhnt hatte, vermisste. „Man kann es nicht jedem recht machen“, so der Bürgermeister und bei manchen Beschwerden helfe dann nur der „Beamtendreikampf: Knicken, lochen, abheften.“

Ein Labyrinth aus zahlreichen Räumen

Sieglinde Nendza war sichtlich beeindruckt vom Turm-Blick hinunter auf ihre Stadt: „Ich bin noch nie hier gewesen und heute konnte ich ganz weit gucken“, sagte die Gladbeckerin begeistert nach dem Abstieg. Anschließend

ging es in den „Kriegsbunker“ den bisher niemand der Teilnehmer kannte. In der Unterwelt des Rathauses offenbarte sich ein Labyrinth aus zahlreichen größeren und kleineren Räumen. Über manchen Eingängen ist noch zu lesen „Raum für 30 Personen“, „Raum für 20 Personen“. Am 29. März 1945 hätten hier ungefähr 1000 Menschen vor den Bombenangriffen Schutz gefunden, berichtete Roland: „Sie haben dann die ganze Nacht bei Kerzenlicht unter dem bereits zerbombten Rathaus ausgeharrt.“ Ein Ehepaar aus Münster, das seine Verwandten in Gladbeck besucht, freute sich über diese Möglichkeit, die Stadt besser kennenzulernen: „Man glaubt gar nicht, was man alles über ein Gebäude erfahren kann.“

Im Anschluss kamen die Regenschirme zum Einsatz, denn es ging hinüber zum Haus der Volkshochschule, dem ehemaligen Wohnhaus des ersten Oberbürgermeisters Dr. Michael Jovy (1883-1931), der über lange Zeit die Geschicke von Amt und Stadt Gladbeck lenkte. In der Gaststätte Jammerkrug mit Blick auf den begrünten Jovy-Platz wurde der ereignisreiche Abend dann beschlossen, wobei mit dem Bürgermeister noch angeregt über dieses oder jenes interessante Detail der Tour geplaudert werden konnte.

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