Roman

Gladbecker spricht in Debüt-Roman aktuelle Themen an

Wer die spannende Geschichte der alleinerziehenden Clara in Berlin liest, erfährt zwischen den Zeilen viel über den Autor, den Gladbecker Kolja Menning.

Wer die spannende Geschichte der alleinerziehenden Clara in Berlin liest, erfährt zwischen den Zeilen viel über den Autor, den Gladbecker Kolja Menning.

Foto: Menning

Gladbeck.  Kolja Menning bringt „Eine Partie Monopolygamie“ heraus. Gladbecker lebt mit seiner Familie in Berlin und thematisiert Umwelt- und Klimafragen.

Lange Jahre war das Schreiben für Kolja Menning ein ambitioniertes Hobby. Nach seinem Abitur am Heisenberg-Gymnasium ging der heute 40-jährige Wahlberliner mit Gladbecker Wurzeln zunächst an eine Wirtschaftshochschule nach Rheinland-Pfalz. Mit dem Abschluss folgte der Einstieg in die schnelllebige, globalisierte Welt von heute. USA, Frankreich, Indien, Unternehmensberatung und E-Commerce, es liest sich wie ein Parade-Beispiel einer erfolgsorientierten Generation.

Aber Kolja Menning ist facettenreicher, tiefgründiger. „Ich hatte immer schon eine Affinität zu Sprachen, Geschichte und Musik“. Die Prägung kommt aus dem Elternhaus. Mutter und Vater sind Französischlehrer, Heinrich Menning hat in Gladbeck vor drei Jahren die künstlerische Leitung der klassischen Konzertreihe „Forum Deutscher Musikhochschulen“ übernommen. Internationale Kontakte waren der Familie immer wichtig. Keine Überraschung also, dass Kolja sein Herz an eine Französin verliert, ganz gegen den Trend schon mit Mitte zwanzig. Mit Emmanuelle hat er drei Kinder, zwölf, zehn und sieben Jahre alt. Lange lebte das Paar in Paris, zog vor acht Jahren nach Berlin.

Trotz Corona konnte der Zeitplan der Veröffentlichung Ende Mai eingehalten werden

Das Jahr 2020 sollte ein Jahr der Wende im Berufsleben sein, das Ehepaar beschloss, dass Kolja sich ganz auf das Schreiben konzentriert, Emmanuelle geht weiter ihrer Arbeit nach. „Dann kam Corona und ich musste erst einmal Vollzeit Home-Schooling-Lehrer für Alexander, Paula und Raphael sein“, berichtet Menning. Sein Debüt-Roman „Eine Partie Monopolygamie“ war allerdings nahezu fertig, so dass der Zeitplan der Veröffentlichung Ende Mai eingehalten werden konnte. Etwas verzögern werden sich vielleicht die Nachfolgepublikationen.

Wer die spannende Geschichte der alleinerziehenden Clara in Berlin liest, erfährt zwischen den Zeilen viel über den Autor. Ein Mann, der so gut aus der Perspektive einer Frau erzählt, muss eine gleichberechtigte Partnerschaft führen. Die lebendige, neugierige Art Alltagssorgen von Kindern darzustellen, (auch Protagonistin Clara hat drei Kinder) muss seine Familie bewusst erleben und lieben. Das Aufzeichnen von Spannungen in der Gesellschaft zwischen dem hippen Berlin und der ländlichen, teils depressiven Umgebung von Brandenburg zeugt von Interesse und kritischer Beobachtung. Das Bild, dass gezeichnet wird, ist vom Leser plastisch zu verfolgen, gleich einem Film, es hat etwas Amerikanisches. Menning lebte mehr als ein Jahr in Tennessee.

Der Roman erscheint im Eigenverlag

Auch das Ende, soviel sei verraten, ist effektvoll, man sollte das Buch nicht zu früh bei Seite legen. Kolja Menning hat „Eine Partie Monopolygamie“ im Eigenverlag herausgebracht. Scheute er Ablehnung durch Lektoren? „Ich kenne aus meinem Berufsleben als Unternehmensberater die Verlagswelt, es kann bis zu zwei Jahren dauern, bis ein Werk publiziert wird“.

Die Themen, die angesprochen werden, von Umwelt- und Klimafragen zu gesellschaftspolitischen Entwicklungen, sind aber brandaktuell, die Geschichte spielt im Jahr 2019. Außerdem ist ihm Nachhaltigkeit wichtig. „Print on demand“ (gedruckt auf Nachfrage) vermeidet tausende von ungelesenen Buchexemplaren, die in Kellern lagern und irgendwann vernichtet werden müssen. Nachhaltigkeit, Wirtschaft, Gewinn und Verlust, Menning gibt viele Insider-Einblicke in einem erfrischenden, verständlichen Stil.

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