Interview der Woche

Gladbecker Jusos fordern eine Verjüngung für ihre Partei

Die Jusos Benedikt Kapteina (rechts) und Dustin Tix wünschen sich eine Generationenwende für die alte Tante SPD.

Foto: Oliver Mengedoht

Die Jusos Benedikt Kapteina (rechts) und Dustin Tix wünschen sich eine Generationenwende für die alte Tante SPD. Foto: Oliver Mengedoht

Gladbeck.   Die Jusos wollen nach Verlusten bei Landtags- und Bundestagswahl einiges anstoßen. Dazu gehört für die Jungpolitiker auch eine Generationenwende.

Nach den Wahlniederlagen in diesem Jahr muss sich in der SPD einiges tun, sagen die Gladbecker Jusos. Über ihre Ideen sprach die WAZ mit Juso-Vorsitzendem Benedikt Kapteina (25) und Sprecher Dustin Tix (21).

In Gladbeck hat die SPD bei der Bundestagswahl um die zehn Prozent verloren. Ist die alte Tante SPD tot?

Tix: Nein, die Tante lebt. Wir sind schließlich im Bundes- und Landtag vertreten. Wir wollen nicht in Schwarzmalerei verfallen. Allerdings muss die alte Tante verstehen, dass sich der Politikstil verändert hat. Wir müssen gucken, dass wir wieder unsere eigenen Inhalte rüberbekommen. Ich glaube nicht, dass wir die alte Tante wiederbeleben müssen. Ich glaube aber, dass wir die alte Tante kräftig reformieren müssen.

Wie stellt ihr euch das vor?

Kapteina : Wir müssen uns sowohl verjüngen als auch verweiblichen. Das öffnet unsere Partei auch für eine ganz andere Wählerschaft. Wir beschäftigen uns als Gladbecker Jusos mit frauenpolitischen Themen, haben eine Reihe gestartet, in der wir etwa über Karrierechancen für Frauen reden. Auch die Bundes- und die Landespartei muss sich mit solchen Themen beschäftigen. Das würde der Partei und der Diskussionskultur innerhalb der alten Tante sehr gut tun.

Tix: Die Verweiblichung und Verjüngung fängt aber bei uns vor Ort an. Wir müssen hier in Gladbeck mit Blick auf die Kommunalwahl im Jahr 2020 zusehen, dass wir es schaffen, mehr Frauen und mehr junge Menschen in die Ratsfraktion zu bringen.

Wie gestaltet ihr als Jusos diesen Wandel – und wie wollt ihr junge Menschen ansprechen?

Tix: Wir haben vor einem Jahr einen Neustart hingelegt. Wir haben einen Twitter-Account gestartet, unseren Facebook-Account belebt und unsere Homepage ganz neu gestaltet. Wir haben richtig aufgeholt.

Kapteina: Diesen Wandel wollen wir auch in die Partei reinbringen. Wenn man sich die Internetseiten etwa der SPD Gladbeck anschaut: Da ist vor noch etwas Luft nach oben. Dabei wollen wir die Ortsvereine und die Partei unterstützen, denn wir haben dieses Wissen als Digital Natives.

Tix: Wahlkampf müssen wir nicht nur auf der Straße mit Luftballons führen, sondern auch vielmehr im Internet.

Wie kommen eure Forderungen an?

Kapteina: Es ist schon schwer, diese Neuerungen durchzusetzen. Man darf nicht vergessen, welchen Altersschnitt wir in unserer Partei haben. Da stößt man einigen Leuten auch schon mal vor den Kopf.

Tix: Wir wollen den Finger aber in die Wunde legen und erreichen, dass uns mehr Verantwortung übertragen wird.

Ist eure Mutterpartei dafür offen, den Jusos diese Verantwortung zu geben?

Tix: Grundsätzlich ja. Man braucht nur jemanden, der das antreibt. Daher wollen wir auch mehr junge Leute in die Ratsfraktion bringen.

Wie ist die Stimmung bei euch Jusos nach der SPD-Wahlniederlage im September?

Kapteina: Die Stimmung ist schon gedrückt. Wir haben schließlich zwei wichtige Wahlen verloren. Erst die Niederlage in NRW gegen Armin Laschet und dann die Bundestagswahl, bei der wir auch Federn lassen mussten. Natürlich ist die Stimmung da am Boden. Wir haben uns aber nach und nach aus der Schockstarre herausgearbeitet. Wir haben sehr viel diskutiert, analysiert und aufgearbeitet.




Tix: Wir hatten viele junge Neumitglieder im Wahlkampf dabei. Für sie waren es die ersten Wahlkämpfe und sie hatten alles gegeben. Da war es besonders schwer, so abgestraft zu werden.



Kapteina: Als nächstes steht die Europawahl an, und 2020 eben die wichtige Kommunalwahl. Da geht es bei uns darum, aus dem Tief herauszukommen und zu motivieren. Unsere Message ist jetzt: Lasst uns nach vorne gucken.

Wie haben die Juso-Mitglieder reagiert?

Kapteina: Die Leute sind diskussionsfreudiger geworden. Es kamen einige, die gesagt haben, die SPD darf nicht in der Versenkung versinken und die uns aktiv unterstützen wollen.

Tix: Wir brauchen Mitglieder, die noch nicht frustriert sind von den Strukturen dieser Partei. Die wirklich Bock haben, etwas zu verändern und Ideen haben. Die müssen wir integrieren und abholen.

Kapteina: Das funktioniert dann, wenn man ihnen Verantwortung gibt. So wollen wir die jungen Menschen mobilisieren.

Fehlen den Jusos die jungen Leute?

Tix: Wir sind gut aufgestellt. Aber damit das so bleibt, wollen wir auch mehr junge Leute gewinnen. Jedes neues Mitglied tut uns gut.

Kapteina: Der Partei fehlt momentan einfach der Mittelbau. Die Menschen, die sich gerade gesetzt haben. Das waren ja auch diejenigen, die uns am wenigsten gewählt haben.

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