Integrationsarbeit

Gladbecker Grundgesetz für ein besseres Zusammenleben

An der Auftaktveranstaltung zum Wertekonsens im Gladbecker Ratssaal hatten sich im September rund 120 Menschen beteiligt.

An der Auftaktveranstaltung zum Wertekonsens im Gladbecker Ratssaal hatten sich im September rund 120 Menschen beteiligt.

Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Für ein besseres Zusammenleben der Gladbecker aus gut 100 Nationen wird ein Wertekonsens erstellt. In Workshops soll daran weiter gefeilt werden.

Das gute Miteinander der Menschen, die in Gladbeck leben und aus mehr als 100 Nationen abstammen, soll bekanntlich mit einem gemeinsamen Wertekonsens weiter gestärkt werden. Einer Erklärung, die allgemeingültig formuliert, auf Grundlage welcher Werte und Normen die Menschen in der Stadt zusammenleben wollen. „Einem kleinem Grundgesetz für Gladbeck“, wie es Bürgermeister Roland formuliert hat. Um bei der Arbeit daran noch möglichst viele interessierte Bürger mitzunehmen, werden jetzt offene wie auch zielgruppenspezifische Workshops angeboten. Die Termine stellte Koordinatorin Anja Venhoff vom Büro für interkulturelle Arbeit dem Integrationsrat vor.

„Wir haben vieles, was nicht gut läuft, aber eine Menge, was gut läuft“, stellte die Fachfrau vor dem leider nicht vollzählig angetretenen Gremium fest. So fehlten auch alle Mitglieder der Liste ABI, die den eher konservativen „Flügel“ der türkeistämmigen Gladbecker vertritt. Ratsmitglied György Angel (SPD) bedauerte dies, denn es sei wichtig, dass alle Integrationsratsmitglieder das Projekt und die Möglichkeiten zur Beteiligung kennen, um dies hinauszutragen, „damit möglichst viele Menschen mitgenommen werden und dabei mitmachen“.

Hoffnung hat schon die Auftaktkonferenz mit guter Beteiligung gemacht

Hoffnung hatte dazu schon die Auftaktkonferenz Ende September gemacht, zu der mehr Bürger kamen als erwartet wurden. „Wir hatten mit 80 Teilnehmern gerechnet und 120 waren da“, so Anja Venhoff. Die dort vereinbarte Dialogkultur mit gegenseitiger Wertschätzung und Respekt soll sich bei den sechs im November terminierten Workshops fortsetzen (siehe Infobox). Zudem bestehe eine quasi barrierearme Möglichkeit zur Beteiligung über das Smartphone oder den Computer daheim: „Ab dem 15. Oktober bis Ende November besteht die Möglichkeit, sich an der Erstellung des Wertekonsenses über eine Online-Umfrage zu beteiligen, die dann auf der Homepage der Stadt freigeschaltet ist“.

Ratsherr Olaf Jung (Die Linke) verwies auf die Problematik rechtskonservativer „Männer im mittleren Alter“, die als spezielle Zielgruppe in den Workshops nicht auftauchten und fragte, „wie wollen wird diese Bevölkerungsgruppe erreichen?“ Sozialdezernent Rainer Weichelt stellte dazu fest, dass der Fokus nicht allzu defizitorientiert auf einige wenige Zielgruppen gerichtet werden sollte, „die aus dem Ruder laufen“. Denn es gehe bei dem Wertekonsens nicht primär darum, bestimmte Problemgruppen in den Griff zu kriegen, „sondern, dass die Mehrheit der Menschen in Gladbeck sagt, was sie sich wünschen“. Und er sei sich sicher, zu einem guten Ergebnis zu kommen, „wenn dabei im Anderen der Mensch und nicht der Fremde erkannt und akzeptiert wird“.

Gladbecker Erklärung wird an öffentlichen Orten aufgehängt

Weichelt unterstrich abschließend auch, dass der Wertekonsens nicht in der Schublade verschwinden, sondern „in Gladbeck lebendig werden soll“, indem diese Erklärung öffentlich auf Tafeln an Schulen, Parks, Gebäuden oder Sportstätten – kurzum an Orten des Zusammenlebens sichtbar angebracht wird.

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