Gladbecker feierten Pfingsten unter freiem Himmel

Am Kotten Nie in Gladbeck feierten Christen einen ökumenischen Pfingst-Gottesdienst. Foto Services GmbH

Am Kotten Nie in Gladbeck feierten Christen einen ökumenischen Pfingst-Gottesdienst. Foto Services GmbH

Foto: Joachim Kleine-Büning / Funke Foto Services GmbH

Gladbeck.  Der Kotten Nie in Gladbeck-Ost war an Pfingstmontag Platz eines ökumenischen Gottesdienstes. Fast 300 Gläubige versammelten sich dort.

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Sie schlendern per pedes grüppchenweise an; sie stützen sich auf Rollatoren, schieben ihre Liebsten im Rollstuhl. Glücklich sind diejenigen, die vom Auto auf den Drahtesel umgestiegen sind. Denn rund um den Kotten Nie sind Parkplätze an diesem Pfingstmontag rar. Und genau dorthin, zu dem Treff an der Bülser Straße, zieht es am Vormittag fast 300 Menschen. Sie wollen gemeinsam an diesem Feiertag einen ökumenischen Gottesdienst feiern.

Gläubige jeglichen Alters versammelten sich unter dem Ahorn am Kotten

Zwischen Tenne und Backhaus, rund um den alten Ahorn, versammeln sich die Besucher. Mitglieder des Fördervereins Kotten Nie stellen immer mehr Bänke auf. Wer sagt denn, dass es eine Kirche braucht, um eine würdige Stimmung zu schaffen und zu spüren? Unter dem Blätterdach der Bäume im Hof des Kottens genießen die Gläubigen – vom ganz jungen Dreikäsehoch bis zu Herrschaften älteren Semesters – eine Atmosphäre der Nähe und des fast schon familiären Miteinanders. „Viele Gesichter kennen wir aus den Vorjahren“, stellt Bodo Dehmel, Vorsitzender des Fördervereins Kotten Nie, fest. Und auch der evangelische Pfarrer Frank Großer spricht „von einer guten Tradition“, dass dieses geschichtsträchtige Gelände Platz eines Gottesdienstes ist: „Früher war es an Himmelfahrt, seit einigen Jahren ist es zu Pfingsten.“ Das Gründungsfest der Kirche.

Ein Blick empor: Der Himmel ist (noch) blau, nur wenige Wolken ziehen vorüber. „Wir können ganz entspannt sein: Das Gewitter ist erst für den Nachmittag angekündigt“, sagt Großer. Also bleibt noch genug Zeit, um die Botschaft von Pfingsten zu hören – in lockerer Form. Der evangelische Geistliche scherzt: „Wir haben uns abgesprochen, wie lange der Gottesdienst dauert, damit die Würstchen rechtzeitig fertig sind.“ So steigt denn der verlockende Duft von Gegrilltem und Holzkohle den Gästen in die Nase statt des Weihrauchs, der sonst die Luft vieler Gotteshäuser prägt.

Die Gemeinde sang voller Inbrunst die Kirchenlieder

Die Jünger umwehte der Heilige Geist, heißt es in der Bibel. Jesus Christus trat in ihre Mitte, zeigte seine Wunden. Er sprach: „Empfanget den Heiligen Geist!“ Die katholische Gemeindereferentin Maria Seppelfricke zitiert das „Brausen des Windes“, das aufzog. Die Jünger redeten nach dem Johannes-Evangelium in fremden Sprachen, die ihnen der Heilige Geist eingab.

Ein Windspiel gab es für alle als Geschenk

Aber was soll das den Menschen – und jedem einzelnen – anno 2019 sagen? Großer nimmt sich selbst als Beispiel: Ihm fehle momentan etwas die Energie. Seppelfricke zieht die Parallele: „Mit Deiner Antriebslosigkeit befindet Du Dich in guter Gesellschaft. Nach dem Tod Jesu waren sie schlapp, da war nicht viel los mit ihnen.“ Traurig seien sie gewesen, obwohl Christus den Tod bezwungen habe. „Er hat ihnen seine Kraft geschenkt!“ Und das gelte heute immer noch. „Der Antrieb in meinem Leben kommt von Gott“, so Großer. Daher könnten er und alle anderen Gläubigen aus dieser Quelle Kraft schöpfen. Und als Erinnerung bekommt jeder eine kleine Windmühle geschenkt.

An Antrieb fehlt es der hier versammelten Gemeinde an diesem Morgen deutlich sichtbar nicht. Sie singen aus voller Kehle und mit Inbrunst: „Morgenlicht leuchtet“, „Gott gab uns Atem“ . . . Ob’s schief ist? Wen schert das? Der Augenblick, das Berührtsein zählen. Der Klang von Posaune und Trompete, Horn und Euphonium schallt weithin. Die Mitglieder des Posaunenchores Rentfort, verstärkt durch vier Bläser der Christuskirche, spielen mitreißend unter Leitung von Tilman Stoye.

Kritik: „Kein Geistlicher der katholischen Kirche ist hier“

Einziger Kritikpunkt an diesem Vormittag: „Es ist kein Geistlicher der katholischen Kirche hier“, bedauert ein Mitglied des Fördervereins. „Schade!“ Die evangelische Gemeinde bemühe sich, „aber der Propst macht sich rar“. Und müsse fast zeitgleich eine Pfingstmesse in St. Johannes, nur einen Steinwurf entfernt gefeiert werden? – „Das hätte man doch anders organisieren können . . .“

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