Grippeimpfung

Gladbecker Ärzte sehen starke Nachfrage nach Grippeimpfungen

Ärzte in Gladbeck stellen eine erhöhte Nachfrage nach Grippeimpfungen fest.

Ärzte in Gladbeck stellen eine erhöhte Nachfrage nach Grippeimpfungen fest.

Foto: Christoph Soeder / dpa

Gladbeck.  In einigen Arztpraxen Gladbecks ist der erste Grippeimpfstoff-Vorrat aufgebraucht. Mediziner stehen hinter Minister-Appell zur Grippe-Impfung.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat die Bevölkerung eindringlich dazu aufgerufen: Lassen Sie sich gegen Grippe impfen. Und offensichtlich haben sich viele Menschen in Gladbeck diesen Appell zu Herzen genommen, denn Ärzte stellen eine gestiegene Nachfrage fest.

So berichtet Dr. Gregor Nagel, Sprecher des Gladbecker Ärztenetzes: „Im Moment ist die erste Lieferung an Dosen für die Grippeimpfung komplett aufgebraucht.“ Sie sei bereits verimpft. Seines Wissens ergehe es Kollegen in anderen Praxen ebenso, doch diese Situation scheine regional begrenzt zu sein: „Es gab wohl Probleme mit der Charge.“ Nagel rechnet fast täglich mit einer neuen Lieferung. Deswegen sage er seinen Patienten, die einer Grippeerkrankung vorbeugen möchten: „Melden Sie sich bitte in ein, zwei Wochen wieder.“

Gladbeck: Mediziner unterstützen Minister Spahns Appell

Ob sich aus dem schnellen Verbrauch des Impfstoffvorrats eine gestiegene Aufmerksamkeit wegen des Minister-Aufrufs ableiten lässt? Nagel meint: „Die Nachfrage hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Sie hat zum Beispiel auch etwas mit Ferienzeiten zu tun.“

Dr. Gregor Heil vom Ärzteverein Gladbeck spricht von einem „gefühlt deutlich größerem Interesse“ an Grippeimpfungen. Er könne diese Aussage zwar nicht auf Zahlen stützen, „da wir erst ab dieser Woche im großen Stil impfen“. Aber ihm ist aufgefallen: „Es fragen mehr jüngere Menschen nach.“ Ein wenig verwundert sei er ob Spahns Aussage, „dass angeblich genug Impfdosen vorhanden sind“.

Eine erste Bestellung habe er Anfang des Jahres aufgegeben: „Und wir konnten noch einmal nachordern.“ Er habe Pi mal Daumen 150 Extra-Dosen bestellt. Es werde sich zeigen, ob diese Menge den Bedarf decken kann. Jetzt schon habe sich herausgestellt: „Privatversicherte erhalten ihren Impfstoff per Rezept in der Apotheke, doch dort gehen bereits Vorräte zu Neige.“

Sowohl Nagel wie auch Heil unterschreiben Spahns Aufforderung, sich gegen Grippe impfen zu lassen. In Zeiten steigender Corona-Infektionszahlen, so der Minister, brächte eine Grippewelle obendrein die Krankenhäuser an ihre Grenzen. Im Umkehrschluss heißt das: Je weniger Menschen an Grippe erkranken, desto mehr Kapazitäten stünden auch Covid-19-Patienten zur Verfügung. Heil sagt mit Nachdruck: „Der Schutz ist wirklich gut.“

Gregor Nagel erläutert: „Die echte Grippe wird häufig unterschätzt. Es handelt sich um eine schwere Erkrankung.“ Nicht zu verwechseln mit einem grippalen Infekt. „Es ist auch für uns Ärzte schwer zu unterscheiden, ob wir es mit einer Grippe oder einer Corona-Infektion zu tun haben“, räumt der Fachmann ein. Die Symptome seien ähnlich: Schnupfen, trockener Husten und hohes Fieber, das sich schnell entwickelt habe.

Eine Grippeimpfung sei bei Patienten ab 60 Jahren, Schwangeren und jeder Form einer chronischen Erkrankung angezeigt. Heil zählt als Zielgruppen zuvorderst auf: Kreislauferkrankte, Leber-, Nieren-, Lungen- und Krebspatienten sowie Diabetiker. „Generell sollten sich Menschen mit Abwehrschwäche, wie auch HIV-Patienten, schützen“, so der Arzt. Nicht zu vergessen Beschäftigte in der Pflege und medizinisches Personal. Nagel fügt hinzu, dass eine Grippeimpfung auch für diejenigen ratsam sei, die wegen vieler Kontakte ein erhöhtes Infektionsrisiko eingehen (müssten), man denke zum Beispiel an Nutzer von Bus und Bahnen.

Allerdings, so die Experten, solle die Grippeimpfung nicht zu früh erfolgen. Im November und Dezember können sich Patienten den „Pieks“ immer noch geben lassen. Denn, so stellt Kinderarzt Carsten Rothert klar: „Grippewellen kommen gerne auch mal im Frühjahr.“ Er registriert in der Praxis einen großen Impfstoff-Umsatz: „Die Nachfrage der Eltern ist hoch.“ Rothert diagnostiziert: „Im Augenblick haben wir noch genug Impfstoff, ungefähr die Hälfte der Bestellungen ist aufgebraucht.“ Und Nachschub sei in Sicht.

„Kinder stecken die Grippe wie das Coronavirus ganz gut weg“, weiß der Mediziner. Dennoch gibt es auch unter jungen Patienten besonders gefährdete Mädchen und Jungen, die der Arzt und seine Kollegen im Blick haben: Kinder mit Herz- und Nierenfehlern, schwerem Asthma und Behinderungen jeglicher Art, Krebskranke – um nur einige Risikofaktoren zu nennen. Außerdem hält er eine Grippeimpfung für vernünftig, wenn der junge Patient in seinem Umfeld mit Schwerkranken in Kontakt kommt.

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