Neujahrsempfang

Gladbeck und Bottrop plädieren für eine gute Nachbarschaft

Der Ruhrkohle-Chor sang beim Neujahrsempfang der Stadt und erinnerte an der Bergbautradition. Fotos:Olaf Ziegler

Der Ruhrkohle-Chor sang beim Neujahrsempfang der Stadt und erinnerte an der Bergbautradition. Fotos:Olaf Ziegler

Gladbeck.  Bottrop OB Bernd Tischler und Gladbecks Bürgermeister Ulrich Roland setzen auf Partnerschaft zwischen den Städten. 300 Gäste beim Neujahrsempfang

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Glückauf! Die Kohle geht – der bedeutungsvolle Gruß der Bergleute aber wird umso öfter zu hören sein und die Zukunft einläuten. Das wurde am Freitagabend auf dem Neujahrsempfang der Stadt Gladbeck in der Stadhalle deutlich, bei dem der Ruhrkohle-Chor stimmgewaltig den Auftakt gab.

Der Hauptredner des Abends, Bernd Tischler (SPD), Oberbürgermeister der Noch-Kohlestadt Bottrop, widersprach mit Vehemenz allen, die mit dem Ende des Steinkohlebergbaus ein Untergangsszenario für das Revier entwerfen. Im Gegenteil: Bange machen gelte nicht. „Wer das tut, hat seine Hausaufgaben nicht gemacht. Das Revier ist vielmehr in Aufbruchstimmung“, warf er vor rund 300 Gästen aus Politik, Wirtschaft, Vereinen und Verbänden einen positiven Blick in die Zukunft.

Lob von OB Tischler für „Innovation City“ in Rentfort-Nord

Als Stadtoberhaupt von „Innovation City“ hat er gute Argumente, die Klimabilanz der Nachbarstadt kann sich jetzt schon sehen lassen. Davon profitieren auch lokale Unternehmen, die zu 90 Prozent bei Aufträgen im Rahmen von Innovation City bedacht werden.

Dass die Stadt Gladbeck, der Tischler eine „gute Nachbarschaft“ zu Bottrop attestierte, sich ebenfalls in Rentfort-Nord (und Gladbeck-Mitte) auf den Weg in die klimagerechte Zukunft gemacht hat, weiß der Bottroper OB natürlich. Und er beließ es nicht beim Blick über den Gartenzaun, er öffnete das Törchen weit. „Die Städte der Zukunft sind ein Gemeinschaftsprojekt, das alle angeht“, sagte er und forderte zu gemeinsamem Handeln auf: „Warum sollten wir nicht als Nachbarn im Revier unsere Kräfte bündeln und Projekte gemeinsam angehen?“

Zweimal schon arbeiteten die Städte gut zusammen

Zweimal habe das schon funktioniert: Bei den Ausbauplänen der B 224 zur A 52 und bei der IKEA-Ansiedlung an der Stadtgrenze. Von den künftigen 150 Arbeitsplätzen würden die Menschen in beiden Städten profitieren. „Lassen Sie uns mit Zuversicht in die Zukunft blicken, die Dörfer Bottrop und Gladbeck haben vor langer Zeit gezeigt, dass sie bereit sind, Herausforderungen anzunehmen und neue Schritte zu wagen.“ Gladbeck habe bereits in den letzten Jahren eine tolle Entwicklung hingelegt. „Da zieh’ ich den Hut.“

Auch Gastgeber Bürgermeister Ulrich Roland hatte zuvor dem alten Kirchturmdenken eine Absage erteilt und das „gutnachbarschaftliche Verhältnis und das vertrauensvolle, freundschaftliche Miteinander“ gelobt zwischen Gladbeck und Bottrop, die – beide auf Kohle erbaut — 2019 als Städte 100 Jahre alt werden. Nach dem Ende der Kohle bleibe die Solidarität und soziale Gerechtigkeit, „die die Bergleute uns gelehrt haben“. Angesichts eines Auseinanderdriften der Gesellschaft seien diese Werte wichtiger denn je. Roland verwies auf die Erfolge der Stadtpolitik im vergangenen Jahr wie etwa den weiteren Innenstadtumbau, die Planung eines neuen Heisenberg-Gymnasiums oder der Stärkung von Sicherheit und Ordnung.

VGW-Chef Marl ermuntert, Ideen zu entwickeln

Er verwies darauf, dass nicht nur in Steine investiert werde, sondern man sich auch in den Bereichen Migration, Bildung und Betreuung engagiere. „Im Grunde bauen wir eine neue Stadt“, so Roland und lud alle Gäste des Empfangs ein, mitzubauen. „2018, das Jahr, in dem wir uns von der Kohle verabschieden, ist ein Neuanfang.“

Ulrich Marl, Vorsitzender des Vereins der Gladbecker Wirtschaft VGW, begrüßte in seiner Ansprache ebenso die Abkehr vom Kirchturmdenken. Als Unternehmer seien ihm die Firmen außerhalb der Stadtgrenzen genauso wichtig wie die innerhalb der Gemeinde. Mit der Schließung von Prosper Haniel gehe nicht nur ein großer Arbeitgeber und starker Ausbildungsbetrieb verloren, sondern auch ein wichtiger Auftraggeber für Firmen und Handwerker. Marl ermutigte Firmen ebenso wie junge Menschen, in neue Geschäftsfelder zu investieren und sich den Herausforderungen des Marktes zu stellen und sich selbstständig zu machen. „Kreativität ist das wichtigste Kapital für Unternehmen“, so der VGW-Chef. Die Politik müsse die richtigen Rahmenbedingungen setzen.

Die Zeche Prosper Haniel hat noch 2160 Kumpel

Die Zeche Prosper Haniel verfährt am 18. Dezember 2018 die letzte Schicht. Zur Zeit arbeiten noch 2160 Kumpel auf dem Bergwerk in der Nachbarstadt.

82 Gladbecker gehören zur Belegschaft. Insgesamt arbeiten laut RAG noch 117 Gladbecker im bergmännischen Bereich. Aus Bottrop sind es 252 Kumpel und insgesamt bei der RAG 380. Angelegt sind auf Prosper Kumpel aus mehr als 30 Städten.

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