Lokale Geschichte

Gladbeck: Rundgang auf den Spuren des Bergbaus

Der Schauspieler Marco Spohr und die Leiterin des Gladbecker Stadtarchivs, Katrin Bürgel, informierten über Hintergründe bei der Führung „Auf den Spuren des Bergbaus“ durch die Moltkesiedlung.

Der Schauspieler Marco Spohr und die Leiterin des Gladbecker Stadtarchivs, Katrin Bürgel, informierten über Hintergründe bei der Führung „Auf den Spuren des Bergbaus“ durch die Moltkesiedlung.

Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Auf den Spuren des Bergbaus. Eindrucksvoller Rundgang von Stadtarchiv, Geschichtsverein und VHS bietet Einblick in Bergbaugeschichte.

„Wir dürfen nicht aufmachen, unsere Mama ist am malochen dran.“ Karla Kukuk, Begründerin der Werksfürsorge auf der Zeche Graf Moltke in Gladbeck, war von 1934 bis 1968 dort tätig und schildert diese Situation, die sie mit dazu bewegte, sich für die Bergarbeiterfamilien einzusetzen. So begann denn auch am Donnerstag die Führung „Auf den Spuren des Bergbaus“ an historischer Stelle, nämlich dort, wo „Fräulein Kukuk“, wie sie genannt wurde, den ersten Zechenkindergarten eingerichtet hatte: auf dem Gelände des heutigen Kinder- und Jugendtreffs KARO.

Das mittlerweile bewährte Duo Katrin Bürgel, Leiterin des Gladbecker Stadtarchivs, und der Hagener Schauspieler, Marco Spohr, haben das Konzept für die Veranstaltung erarbeitet, tatkräftig unterstützt von Walter Hüßhoff, dem ehemaligen Bergmann und Vorsitzenden des Geschichtsvereins Moltke 3/4. Rund 20 Interessierte hatten sich zu diesem Rundgang mit szenischer Lesung angemeldet, unter ihnen auch die Großnichte von Karla Kukuk, Gisela Kubina, die aus Münster angereist war. Sie habe ihre Tante, die das stolze Alter von 102 Jahren erreichte, sehr verehrt, erzählt sie.

Die wechselvolle Geschichte des Steinkohlebergbaus in Gladbeck wurde greifbar

Die beiden Initiatoren dieser Spurensuche hatten zahlreiche Quellen zusammengetragen, so dass anhand von Einzelschicksalen die wechselvolle Geschichte des Steinkohlebergbaus in Gladbeck greifbar wurde. Auf dem Weg durch die Moltkesiedlungen kamen unterschiedliche Themen zur Sprache. Der Bau der Siedlungen war eine herausragende Gemeinschaftsleistung der Bergleute, unter denen die Häuser anschließend verlost wurden, so dass niemand vorab wusste, welches Domizil er mit seiner Familie beziehen konnte.

„Die Bergleute kamen von überall her“, berichtet Walter Hüßhoff, „sie wurden mit Versprechungen angelockt, doch die Realität sah dann ganz anders aus“, wie Marco Spohr aus einer Beschwerde zweier schlesischer Bergleute vortrug: „Freie Reise, pro Schicht zwei Mark fünfzig und ein Quartier wurden uns versprochen. Wir haben jetzt nach vier Schichten zwei Mark zwanzig verdient und liegen mit 40 Mann auf einer Stube, die nicht mal trocken ist. Auch für die Reise sollen wir 26 Mark pro Mann bezahlen.“ Diese symptomatische Situation führte schließlich 1889 im gesamten Ruhrgebiet zum Generalstreik der Bergleute.

Zechen erst Ende der 1970er Jahre für die Reinigung der Bergmannskluft zuständig

Auch die Umweltverschmutzung durch das Grubenwasser machten entsprechende Zeugnisse eindrucksvoll deutlich. Weiter ging es auf die Halde, wo der Bergarbeiterdichter Kurt Küther zu Wort kam. Dass erst ab Ende der 1970er Jahre die Zeche für Reinigung und Erneuerung der Bergmannskluft zuständig wurde, löste allgemeines Erstaunen aus. Mit dem Thema „Zechenschließungen“ und dem von allen Teilnehmern – natürlich in gebührendem Abstand – gesungenen Steigerlied endete die informative Spurensuche.

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