Baupläne

Gladbeck: Islamisches Wohnheim im ehemaligen Pfarrgarten

Die Pauluskirche wurde 2007 geschlossen und 2014 abgerissen. Im Garten des ehemaligen Pfarrhauses an der Roßheidestraße soll jetzt ein Schülerwohnheim für Jungen islamischen Glaubens entstehen.

Die Pauluskirche wurde 2007 geschlossen und 2014 abgerissen. Im Garten des ehemaligen Pfarrhauses an der Roßheidestraße soll jetzt ein Schülerwohnheim für Jungen islamischen Glaubens entstehen.

Foto: Miriam Fischer / funkegrafik nrw

Gladbeck.  Ein sunnitischer Moscheeverein möchte Jugendliche bei ihrer Schulausbildung unterstützen. Bis zu 30 Jungen sollen in dem Wohnheim leben.

Im Garten des ehemaligen Pfarrhauses der evangelischen Paulusgemeinde soll jetzt ein besonderes Projekt realisiert werden: Der sunnitische Interkulturelle Bildungszentrum Gladbeck e.V. (IBZ) möchte auf der Grünfläche an der Roßheidestraße in Brauck ein Wohnheim für Schüler islamischen Glaubens betreiben. Die Stadt begrüßt diese Pläne und will das im Grundstückstausch von der Ev. Kirche übernommene Areal via Erbpachtvertrag zur Verfügung stellen.

„Der IBZ ist der erste Moscheeverein, der 1976 in Gladbeck gegründet worden ist. Auf dem etwa 1100 Quadratmeter großen Grundstück soll ein Gebäude mit zweieinhalb Geschossen entstehen, um dort bis zu 30 Schülern eine Unterkunft zu bieten“, so Sozialdezernent Rainer Weichelt bei der Projektvorstellung im Neuen Rathaus. Der Verein habe freilich seine religiösen Überzeugungen, wolle hier aber das maßgebliche Ziel verfolgen, „Jugendliche bei ihrer schulischen Ausbildung zu unterstützen, damit sie ihren Weg in die Gesellschaft und in den Beruf gut hinbekommen“.

Seit 2006 selbstständige islamische Gemeinde in Gladbeck

Der IBZ sei seit 2006 selbstständige islamische Gemeinde in Gladbeck und gehöre dem Dachverband VIKZ (Verband der Islamischen Kulturzentren e.V.) an, erläuterte Vorstandsmitglied Sinan Acar. „Wir haben uns einst gegründet, um Gastarbeiterfamilien aus der Türkei in Gladbeck bei ihren religiösen, sozialen und kulturellen Bedürfnissen zu unterstützen. Wir werden aber nicht etwa aus der Türkei finanziell unterstützt, sondern wir sind ein eigenständiger deutscher Verein.“ Man finanziere sich durch Mitgliedsbeiträge, Geld- und Sachspenden, Elternbeiträge und Erlöse aus Wohltätigkeitsbasaren. Acar: „Wir verstehen uns als parteipolitisch neutral, unsere Arbeit und Ziele stehen im Einklang mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, und unsere Einrichtungen stehen allen offen.“ Der Verein pflege den interkulturellen Dialog in der Stadtgesellschaft und setze sich für ein friedliches Miteinander ein.

Der Verein leiste bereits seit Jahren gute Arbeit im Interkulturellen Bildungszentrum an der Breukerstraße 79, „als anerkannter Träger der freien Jugendhilfe insbesondere in den Bereichen Jugendbildung und Jugendförderung“, so Acar weiter. Der IGB betreibe ein Wochenend- und Ferienangebot, das vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe genehmigt sei. Diese sozialen Dienste wolle man jetzt im geplanten Bildungszentrum an der Roßheidestraße erweitern, „um Kindern und Jugendlichen eine religiöse Orientierung zu geben und durch Hausaufgabenhilfe, Nachhilfe und individuelle Förderung schulische Defizite auszugleichen und so Bildungsentwicklung zu unterstützen“.

Zielgruppe sind muslimische Jungen im Alter von 12 bis 18 Jahren

Der Dachverband werde das Gebäude errichten, das dann vom Gladbecker Verein angemietet werde, so Erol Pürlü vom VIKZ. Zielgruppe seien in erster Linie muslimische Jungen im Alter von 12 bis 18 Jahren aus Gladbeck, „die freiwillig von Montag bis Freitag in einer Wohngemeinschaft leben und gefördert werden möchten“. Damit wolle man auch die Eltern unterstützen, „die Interesse daran haben, dass die schulischen Defizite ihrer Kinder ausgeglichen werden“. Vergleichbare Heime existierten in der Region bereits in Bergkamen und Duisburg.

Der Alltag der Einrichtung sehe so aus, erläutert Ahmed Cetin vom IBZ-Vorstand, dass die Schüler am Vormittag eine der Gladbecker weiterführenden Regelschulen besuchen, „um danach ins Wohnheim zu kommen“. Hier würden sie dann verpflegt und von Fachpersonal betreut. Den Großteil der Kosten trage der Verein, „die Elternbeiträge liegen monatlich bei 100 bis 150 Euro, da wir auch sozialschwache Familien unterstützen wollen“. Die geplante Einrichtung sei betriebserlaubnispflichtig, „daher werden wir uns zur konkreten Planung mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe an den Tisch setzen, mit dem wir bereits im Kontext unserer Wochenendbetreuung in gutem Kontakt stehen“.

Das Wohnheim soll nach den Sommerferien 2022 öffnen

Die Bauvoranfrage sei bei der Stadt gestellt, informiert Martin Plischek, Leiter des Amtes für Immobilienwirtschaft. Mit dem Baubeginn sei frühestens Ende 2020 zu rechnen. Ahmed Cetin: „Unser Ziel ist es, das Schülerwohnheim nach den Sommerferien 2022 eröffnen zu können.“

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