Kulturelle Klangbrücken

Gladbeck: Friedenskonzert mit „Avram“ in St. Lamberti

Klangbrücken der Kulturen: Die Gruppe Avram mit Sängerin Schirin Partowi begeisterte Samstagabend das Publikum in St. Lamberti in Gladbeck.

Klangbrücken der Kulturen: Die Gruppe Avram mit Sängerin Schirin Partowi begeisterte Samstagabend das Publikum in St. Lamberti in Gladbeck.

Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Ein Friedenskonzert der besonderen Art in Gladbeck: Die Gruppe Avram mit Sängerin Schirin Partowi trat in der Propsteikirche St. Lamberti auf.

Deutsche und türkische Musiker der Gruppe „Avram“ boten Samstagabend in St. Lamberti ein reizvolles Programm aus jüdischer, christlicher und islamischer Musik. „Sie setzen jetzt, im christlichen Advent, das Zeichen, das uns als Träger aller monotheistischen Religionen wichtig ist: In unserer zunehmend zerreißenden Welt ist Frieden nur möglich, wenn alle Religionen zusammenhalten“, würdigte Propst André Müller die Leistungen Musiker, als er die über 200 Konzertbesucher begrüßte.

Zuhörer fühlten sich gedanklich in die Welt des Orients versetzt

Das Konzert begann mit einem langen, tiefen Halteton von Kontrabass und Bassklarinette. Schirin Partowis fremdartiger Gesang entfaltete sich darüber und versetzte die Zuhörer gedanklich in die Welten des Orients.

Bei dem Text handelte es sich um das Vaterunser, allerdings auf Altaramäisch, in der Sprache, in der Jesus ihn selbst formuliert hatte. Beim folgenden Sabbat-Lied boten Gitarre, gezupfter Kontrabass, Becken und Cajon eine enorme rhythmische Kraft. In einem christlichen Pilgerlied aus Spanien trafen Anklänge an die katholische Kirchenmusik auf arabische Rhythmen und erinnerten so daran, dass die Iberische Halbinsel im Mittelalter jahrhundertelang in den christlichen Norden und den islamischen Süden geteilt war.

Genauso gehörten Instrumentalstücke aus der Türkei, dem typisch jüdischen Klezmer, der Musik der osteuropäischen Roma und anderen Stilen zum Programm. „Vor ungefähr 3000 Jahren fand in Jerusalem eine interreligiöse Begegnung auf höchster Ebene statt: Die Königin von Saba in Arabien besuchte König Salomon“, erklärte Partowi. „Über diese Begegnung gibt es in mehreren Religionen viele Legenden. Auch in Salomons ‚Hohelied‘ kommt die Königin vor. Die beiden Liebenden singen jetzt auf Hebräisch und Arabisch miteinander – als Symbole für Israel und Palästina.“ Vertont hatte sie auch diesen Text selbst. Schirin Partowi bewies sich in ihrem meisterlichen Gesang als echte Weltbürgerin, die in der europäischen, jüdischen, arabischen und persischen Musik gleichermaßen zuhause ist.

Vertont wurden jüdische und christliche Gebets- und Lehrtexte

Vertont hatte sie jüdische und christliche Gebets- und Lehrtexte und Weisheiten orientalischer Gelehrter – zum Beispiel von dem bedeutenden mittelalterlichen persischen Dichter Rumi, der davon überzeugt war, dass das Universum eine Gemeinschaft aller Elemente ist, die in Liebesbeziehungen zueinander stehen.

Die Instrumentalisten versetzten das Publikum dabei gedanklich nach Spanien, in die Türkei, in die arabische Welt, nach Israel, in die Wüste Persiens und in den Balkan – schließlich lebten auch dort Christen und Muslime jahrhundertelang friedlich miteinander.

Am Ende drückte die Band auch einem berühmten irischen Segensspruch den Stempel ihrer Musik auf – sehr zur Begeisterung des Publikums. Dem Wunsch nach einer Zugabe kamen die Musiker mit ihrem einzigen deutschen Lied nach, nämlich mit Martin Luthers Choral „Vater unser im Himmelreich, der du uns alle heißest gleich Brüder sein und dich rufen an …“ Dies war auch ein Dank an die Martin Luther Stiftung Ruhr, die zusammen mit der evangelischen und katholischen Kirche, der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, der interkulturellen Frauengruppe und dem internationalen Mädchenzentrum dieses Konzert ermöglichte.

Angst vor Repressionen ist oft groß

„Wir wollen Friedensfähigkeit und Herzensbildung vermitteln“, erklärte Schirin Partowi.

„Das spirituelle Anliegen und das Friedensbedürfnis sind da, aber die Angst vor Repressionen ist oft größer. Als Musiker haben wir die Chance, das zu überwinden.“ Partowi, selbst Sauerländerin mit persischen Wurzeln, wuchs in einer teils evangelischen, teils zoroastrischen Familie auf und eignete sich in zahlreichen Begegnungen mit Muttersprachlern das Wissen über die Musik an, die heute zu ihrem Repertoire gehört.

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