Evangelische Kirche

Gladbeck: Evangelische Kirche erlebt Generationswechsel

Der Gladbecker Dietmar Chudaska (links) und Steffen Riesenberg, sein Nachfolger als Superintendent. Der zugezogene Bottroper wurde in dem Zweckeler Gotteshaus an der Söllerstraße, das seinem Namenspatron  gewidmet ist, ins Amt eingeführt.

Der Gladbecker Dietmar Chudaska (links) und Steffen Riesenberg, sein Nachfolger als Superintendent. Der zugezogene Bottroper wurde in dem Zweckeler Gotteshaus an der Söllerstraße, das seinem Namenspatron gewidmet ist, ins Amt eingeführt.

Foto: Lutz von Staegmann / FUNKE Foto Services

Der Gladbecker Dietmar Chudaska wurde von Steffen Riesenberg im Amt als Superintendent abgelöst. Die evangelischen Pfarrer im Gespräch...

Eigentlich wollte Steffen Riesenberg ja Journalist werden. Eigentlich. Doch wie heißt ein Sprichwort, das aus dem Alten Testament abgeleitet ist? Der Mensch denkt, Gott lenkt. Und der Allmächtige hatte offenbar andere Pläne mit dem Ostwestfalen. Mittlerweile ist der 37-Jährige Superintendent des Kirchenkreises Gladbeck-Bottrop-Dorsten. Zur hellen Freude seines Vorgängers Dietmar Chudaska.

Dessen Lieblingsvers aus der Bibel lautet: „Weise mir, Herr, deinen Weg, daß ich wandle in deiner Wahrheit ...“ Die Worte des Psalms 86, Vers 11 seien für ihn Wegweiser – und die Richtung für seine berufliche Zukunft eindeutig, so Chudaska: nach acht Jahren seinen Platz als Superintendent räumen für einen Jüngeren. Der 59-Jährige betont: „Ich will da sein, wo der Chef mich haben will.“ Und das sei seine Pfarrstelle.

Gladbeck: Dietmar Chudaska will sich in seiner Rolle als Pfarrer neu erfinden

Diese ist übrigens nicht neu für ihn, denn auch als nebenamtlicher Superintendent behielt er seinen Posten in Zweckel/Rentfort: „Ich war immer hier in der Gemeinde. Jetzt schließt sich der Kreis.“ Der Pfarrer mit Leib und Seele sagt: „Im Augenblick sehe ich meine Aufgabe darin, mich in meiner Rolle als Pfarrer neu zu erfinden, ich habe acht Jahre anders gearbeitet.“

Aber auch Riesenberg wird nicht wie sein Vorgänger im Amt agieren, wirkt er doch als hauptamtlicher Superintendent. Und offensichtlich wurden Chudaskas Gebete um einen Generationswechsel an der Spitze des Kirchenkreises erhört, denn der 37-Jährige ist – mit Abstand – der Jüngste auf diesem Posten weit und breit.

„Die Nächstjüngste ist die Kollegin aus Recklinghausen mit 46 Jahren“, sagt der 37-Jährige. Chudaska freut die Besetzung, lautet sein Credo doch: „Wir brauchen nicht nur Menschen ab Mitte 50, sondern auch junge Leute.“ Die altersmäßige Mischung bringe Bewegung in die Kirche.

Über mangelnde Bewegung in seinem Leben kann Riesenberg wahrlich nicht klagen. Das Licht der Welt erblickte der heutige Theologe in Steinheim im Kreis Höxter. In einer „volkskirchlichen“ Familie, so nennt der 37-Jährige es rückblickend, seien er und seine Schwester aufgewachsen. Das Gotteshaus sei nach seiner Konfirmation sein zweites Zuhause gewesen. Die Beziehung zur Kirche habe existiert, so dass es in seinem Umfeld keinerlei Irritationen auslöste, als er vom Journalismus zur Theologie umschwenkte.

Nicht die einzige Kursänderung in seinem Lebenslauf. Riesenberg, der nach eigenem Bekunden nie an Gott zweifelte, studierte in Bonn und Göttingen sowie im schwedischen Lund. Seine Beziehung zu seiner heutigen Frau, einer Lehrerin, führte er über Jahre auf Distanz. Ordiniert wurde Riesenberg in der Evangelisch-Lutherischen Kirche des skandinavischen Landes, kam in einem Vorort Stockholms als Kinder- und Jugendpfarrer zum Einsatz. Im Jahre 2014 wechselte er nach Bottrop: „Ich hatte eine Pfarrstelle in der Martinskirche.“

Der Vater eines Sohnes findet es „beachtlich, dass jemand wie Dietmar Chudaska sagt: „Ich mache Platz für einen Jüngeren. Das Amt lebt vom Wandel.“ Umgekehrt lobt der ehemalige Superintendent den „Neuzugang“: „Wenn jemand nach Schweden geht und innerlich so beweglich ist und seine Beziehung trotz der Entfernung hält, zeigt das für mich Flexibilität und Verbindlichkeit.“

Das seien in seinen Augen wichtige Eigenschaften für eine Führungspersönlichkeit, so Chudaska. Er teilt mit Riesenberg die Erfahrung, die evangelische Kirche hierzulande auch von außen betrachtet zu haben, war er doch eine Zeit lang in Tansania tätig.

Und beiden Theologen liegt der persönliche Kontakt zu den Menschen am Herzen – und nicht nur zu den Kirchgängern, wie Riesenberg mit Nachdruck sagt. Für einen Superintendenten komme hinzu, dass er Strukturen im Auge behalten müsse. Als ordnende Hand fördere er und helfe den Gemeinden, ihre Aufgaben wahrzunehmen. Riesenberg: „Die Gläubigen dürfen von mir erwarten, dass sie einen Superintendenten bekommen, den sie erreichen können und der sie auch besucht.“

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