Kommentar

Gladbeck: Ein demütigendes Wahlergebnis für die SPD

WAZ-Redakteur Georg Meinert kommentiert den Ausgang der Kommunalwahl in Gladbeck.

WAZ-Redakteur Georg Meinert kommentiert den Ausgang der Kommunalwahl in Gladbeck.

Gladbeck.  Die Sozialdemokraten fuhren in Gladbeck fast elf Prozentpunkte Verlust ein, fühlen sich aber dennoch als eindeutiger Sieger. Ein Kommentar.

Ja, die SPD ist weiter die stärkste Partei im Rat, sie dominiert auch deutlich bei den Direktmandaten. Gewinner der Wahl in Gladbeck ist sie aber nicht, auch wenn sie sich so gibt. In Wahrheit ist die Gladbecker SPD von 2020 nur noch ein Schatten ihrer selbst, wenn man auf die großen Erfolge vergangener Zeiten blickt mit Wählerzusprüchen von teils weit über 50 Prozent. Historisch niedrige 36,5 Prozent, fast elf Prozentpunkte weniger als 2014, sind eine Demütigung für eine Partei, die sich nach wie vor fest verwurzelt glaubt in dieser Stadt - zu wenig, viel zu wenig.

Natürlich schwappt der Negativtrend aus Bund und Land in die Stadt, muss die örtliche SPD gerade stehen für vieles, was andernorts entschieden wird. Aber offenbar ist auch der Kontakt zu den Menschen in der Stadt an vielen Stellen nicht mehr der, der er einmal war. Nicht nur in der Herzkammer der Gladbecker Sozialdemokratie, in Brauck, aber vor allem dort, haben auffallend viele Leute der SPD die kalte Schulter gezeigt: Sind den Wahlurnen fern geblieben oder haben an anderer Stelle ihr Kreuzchen gemacht. Nur 9783 Gladbecker gaben der SPD ihre Stimme!

Roland war der Garant für die letzten Wahlerfolge

Mit dem Ausscheiden von Ulrich Roland aus dem Amt des Bürgermeisters, der als Volkstribun der eigentliche Garant der letzten Wahlerfolge war, trauen viele der Traditionspartei anscheinend nicht mehr zu, ihre Probleme zu erkennen und überzeugend den Weg in die Zukunft zu finden. Dass sie ihr Heil zu einem wesentlichen Teil ausgerechnet bei der rechtspopulistischen AfD suchen, müsste den Genossen besonders zu denken geben.

Überraschend schnell einigten sich die Sozialdemokraten aber nur wenige Tage nach dem Wahldesaster bereits auf ein Weiterregieren (auch ein „Weiter so“?) mit den Grünen, den eigentlichen Gewinnern der Wahl. Eine Zusammenarbeit, die vor allem Machterhalt ist – und auf sehr dünnem Eis basiert. Eine Stimme Mehrheit kann schnell dahinschmelzen.

Die CDU profitierte nicht vom Aderlass der SPD

Die Grünen, die deutlich selbstbewusster mit ihrem Wahlergebnis auftreten können, haben die Chance, pointierter die Marschroute dieser Koalition zu bestimmen und nicht mehr so farblos und widersprüchlich wie in der letzten Wahlperiode zu agieren.

Für die CDU, die gern das Ruder übernommen hätte, muss das Wahlergebnis ernüchternd sein. Sie profitierte nicht vom erheblichen Aderlass der SPD. Eins ist klar: Die Christdemokraten müssen noch eine ordentliche Schüppe drauflegen, um enttäuschten Wählern aus Gladbeck eine neue politische Heimat zu bieten.

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