100(0) Jahre Gladbeck (2)

Gladbeck: Die Siedlung am glänzenden, glatten Bach

So oder ähnlich sahen die Bauernschaften im Kirchspiel Gladbeck im Hochmittelalter aus.

So oder ähnlich sahen die Bauernschaften im Kirchspiel Gladbeck im Hochmittelalter aus.

Foto: AWA

Gladbeck.  Das Dorf Gladbeck entstand an der Becke, die an der ersten Kirche vorbei floss. 1180 begann im Vest die Herrschaft des Kurfürstentum Köln.

Gladbeck war zu frühchristlicher Zeit ein unbedeutender Flecken in einer unwirtlichen Gegend. Schon früh lebten die Menschen in dieser Gegend im Einflussbereich der Abtei Werden – kirchlich wie wirtschaftlich. Schon früh tauchte in den Heberegistern der Abtei (Güterverzeichnis) der Name Gladbeck auf – in der latinisierten Form „gladbeki“.

Die Kirche war natürlich der Mittel- und Beziehungspunkt der kleinen Siedlung, die sich nah an dem kleinen Bach um die Kirche herum entwickelte. Der kleine Bach, oder die kleine Becke, die an der Kirche vorbei floss, diente auch zur Namensgebung für den Ort. Gladbeck ist demnach zu deuten als Ort an der „glänzenden, glatten Becke“, an der Gladebecke eben.

St. Lamberti war der Mittelpunkt des Kirchspiels Gladbeck

Die Kirche St. Lamberti war auch der Bezugspunkt für die umliegenden Höfe und kleinen, ärmlichen Bauernschaften: Die Glocken der Kirche riefen sie zusammen, zum gemeinsamen Gottesdienst. So entstand das „Kirchspiel“ Gladbeck. Im Mittelalter zählten fünf Bauernschaften zum Kirchspiel: Butendorf südlich des Dorfes (die „Siedlung außerhalb des Dorfes“), noch weiter südlich Brauck im moorigen, aber fruchtbaren „Bruch“-Gebiet. Ellinghorst, westlich des Dorfes, leitet laut Rainer Weichelt, ehemals Stadthistoriker, seinen Namen von „Erlengehölz“ ab, Rentfort bezeichne wahrscheinlich eine „Rinderfurt“. Der Name der im Norden liegenden Bauernschaft Zweckel leite sich, so Weichelt, aus einer altsächsischen Bezeichnung ab, die übersetzt so viel wie „Schweine-Eichenwald“ heißt.

Aber nicht nur die Abtei Werden hatte im Mittelalter Besitz im Kirchspiel Gladbeck, auch das Damenstift in Essen, das Stift Xanten (vorher Reichshof Dorsten) und das Kloster Deutz. 1161 bestätigt Papst Viktor IV. der Abtei Deutz Besitztümer in Gladbeck – laut Historiker Weichelt die erste gesicherte Nennung Gladbecks. Die Urkunden von 1147 und 1019, die Gladbeck ebenfalls und früher erwähnen, sind nicht mehr im Original erhalten, ihre Abschriften gelten unter Forschern aber auch als zutreffend, da die Urkunde von 1161 die gleichen Besitztümer bestätigt wie die beiden älteren Urkunden.

In Gladbeck gab es im Mittelalter nur einen Rittersitz

Während sich im Umkreis von Gladbeck im Hochmittelalter ein reges Ritterleben mit Höfen, Burgen und Schlössern etablierte, gab es in Gladbeck nur einen Rittersitz – das Haus Wittringen. Urkunden von 1263, 1277 und 1287 sind älteste Zeugnisse eines Rittersitzes in Gladbeck, ein gewisser „Ludolfus de Witteringe“ wird als Ritter in Wittringen genannt. Allerdings legen archäologische Untersuchungen nahe, dass es gut möglich gewesen sein kann, dass es in Wittringen am Mühlenbach schon länger ein „wehrhaftes Haus“ gab. Die Geschichte der Wittringer dauerte allerdings nicht lange, schnell wurden die Herren von Capellen Aufsitzer des Gutes.

Haus Wittringen gehörte zu den adligen Rittersitzen des Vestes Recklinghausen, zu dem Gladbeck seit jeher zählte. Das Vest Recklinghausen lässt sich erstmals 1338 urkundlich nachweisen und geht auf den Gerichtsbezirk des mittelalterlichen Gogerichts in Recklinghausen (seit 1228) zurück. Politisch gehörte das Vest bis 1180 zum Herzogtum Sachsen, kam dann in den Machtbereich des Erzbischof von Köln – die lange kurkölnische Herrschaft begann.

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