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Gladbeck: Die Feuerwehr muss immer mehr Einsätze fahren

Thorsten Koryttko, Leiter der Gladbecker Feuerwehr, und Brandoberinspektor Simon Blankenhagen blicken auf die Einsätze im vergangenen Jahr zurück.

Thorsten Koryttko, Leiter der Gladbecker Feuerwehr, und Brandoberinspektor Simon Blankenhagen blicken auf die Einsätze im vergangenen Jahr zurück.

Foto: Lutz von Staegmann / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Die Feuerwehr ist in Gladbeck 2019 auch zu zwei Großbränden ausgerückt. Der Ton auf der Straße werde immer rauer, so Chef Thorsten Koryttko.

Die Feuerwehr muss in Gladbeck immer öfter zu Bränden und Rettungsfahrten ausrücken. Die Zahl der Einsätze ist im vergangenen Jahr leicht gestiegen – von 1177 in 2018 auf 1233. Dabei stellen die Einsatzkräfte fest: „Der Ton auf der Straße wird rauer“, so Feuerwehr-Leiter Thorsten Koryttko.

Von tätlichen Übergriffen seien die Kräfte zwar bislang verschont geblieben. „Mit Steinen beworfen, wie etwa die Kollegen in Bottrop, wurden wir zum Glück noch nicht“, so Koryttko. Das hieße aber nicht, dass es nicht noch zu Übergriffen kommen könne. „Sie wären kein Kavaliersdelikt und würden auch gleich zur Anzeige gebracht.“

Einige Menschen stehen den Einsatzkräften immer wieder im Weg

Die Feuerwehr beobachtet, dass im Alltag das Handy allgegenwärtig ist. „Es gibt immer mindestens einen, der Einsätze filmt“, so der Leiter. Dabei stünden die Menschen den Einsatzkräften oft auch im Weg und pöbelten auch schon mal herum, wenn sie von der Feuerwehr darauf angesprochen werden. „Hauptsache, sie bekommen ein gutes Foto“, kritisiert Koryttko.

Unter den 111 Brandeinsätzen gab es 2019 auch zwei Großbrände, den an der Moltkehalde in Brauck und den am Erlenkrug. „Das sind auch die Einsätze, die uns besonders in Erinnerung geblieben sind“, so Brandoberinspektor Simon Blankenhagen. Besonders viel habe den Einsatzkräften der Brand auf der Moltkehalde im Juli abverlangt. „Es war der heißeste Tag des Jahres, erschwerend war auch, dass es auf der Halde hoch ging. Wir mussten uns von unten hocharbeiten“, so Blankenhagen. Mit 15 Meter langen Schläuchen, in die 40 Liter Wasser hineinpassen, mussten die Feuerwehrleute ordentlich Gewicht hinter sich herschleppen. Aus den Erfahrungen dieses Einsatzes habe die Wehr einiges abgeleitet. So soll das Schlauchmaterial verdünnt werden, um die Schläuche flexibler zu halten. Zudem sei ein Führungskräfte-Workshop zur Taktik bei Vegetationsbränden geplant.

Flächenbrände haben trotz des heißen Sommers nicht zugenommen

Auch kleinere Flächenbrände habe es im vergangenen Jahr immer wieder gegeben. Trotz des heißen Sommers hätten diese jedoch nicht verstärkt zugenommen. „Es kommt immer wieder mal vor, dass jemand seine Zigarette wegwirft.“ Oft hätten Bürger zudem die kleinen Brände selbst gelöscht. Dass Einsätze aufgrund von Stürmen in den kommenden Jahren zunehmen werden, davon geht die Feuerwehr aus. „Vorbereiten können wir uns darauf nicht, wir können nur auf das reagieren, was in den Momenten von uns gefordert ist.“

In diesem Jahr will die Wehr auf jeden Fall den Einsatz eines großen Lüfters auf einem Anhänger erproben, um Gebäude etwa von Rauch zu befreien. „Der kam schon zwei Mal zum Einsatz“, berichtet Koryttko. Mit herkömmlichen Lüftern könne die Wehr nicht so schnell sein.

Mit einzelnen Schicksalen versuchen die Kräfte professionell umzugehen

Im Bereich des Rettungsdienstes lag die Zahl der Einsätze im vergangenen Jahr bei 13.133 und damit leicht unter denen in 2018, damals waren es 13.148. Eine steigende Zahl und damit eine zunehmende Verunsicherung in der Gesellschaft kann die Feuerwehr nicht feststellen. „Wir fahren für die gleichen Einsätze raus, wie noch vor zehn Jahren“, so Thorsten Koryttko.

„Es gibt viele Einsätze, die für jeden einzelnen Bürger äußerst schlimm und eine Tragödie sind, für uns aber alltägliches Geschäft sind“, sagt Koryttko. Die Einsatzkräfte versuchen, professionell damit umzugehen, und nicht jeden Trauerfall mit nach Hause zu nehmen.

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