Weltkindertag

Gladbeck: Der Weltkindertag rückt Kinderrechte in den Fokus

Fest in Kinderhand war der Willy-Brandt-Platz in Gladbeck zum Weltkindertag 2019. Wegen der Coronavirus-Pandemie mussten öffentliche Festivitäten und Aktionen gestrichen werden.

Fest in Kinderhand war der Willy-Brandt-Platz in Gladbeck zum Weltkindertag 2019. Wegen der Coronavirus-Pandemie mussten öffentliche Festivitäten und Aktionen gestrichen werden.

Foto: Lutz von Staegmann / Funke Foto Services

Gladbeck.  Wie erfolgreich sind in Gladbeck die Bemühungen um mehr Kinderrechte? Zwei Experten beurteilen die Lage und erkennen weiteres Potenzial.

Der Weltkindertag ruft seit Jahren die Rechte von Kindern und Jugendlichen ins öffentliche Bewusstsein. Mit Erfolg? Die WAZ fragte bei Fachleuten in Gladbeck nach, die tagtäglich mit der Thematik umgehen. „Kinderrechte schaffen Zukunft“ – so lautet das diesjährige Motto des Weltkindertages am 20. September.

Zwei Experten von Kinderschutzbund und Caritasverband sehen die Lage von Mädchen und Jungen vor Ort „verhalten optimistisch“. In Sachen Kinderschutz in Gladbeck stellen Peter Fischer und Bernd Nelskamp insgesamt ein gutes Zeugnis aus, sehen aber auch noch Luft nach oben.

Gladbeck: Experten erkenn Fortschritte, aber auch noch Verbesserungsbedarf im Sinne von Kindern

Prominent auf Kinderrechte aufmerksam machen, das ist für Fischer, den Vorsitzenden des lokalen Kinderschutzbundes, das Mindeste was man öffentlichkeitswirksam tun kann. „Es ist sehr wichtig, immer wieder auf die Rechte der Kinder und ihre aktuelle Situation hinzuweisen“, meint er. Statistisch erfahren in jeder Schulklasse ein bis zwei Schüler oder Schülerinnen sexualisierte Gewalt, rechnet der Fachmann vor, davon sei auch Gladbeck nicht ausgenommen. „Dass diese Themen öffentlich gemacht und Hilfsangebote bekannt werden, funktionierte in den vergangenen Jahren in Gladbeck schon ganz gut, noch mehr Aufmerksamkeit für diese Themen ist aber sicherlich nicht verkehrt“, findet Fischer.

„Es tut sich an einigen Stellen etwas in Sachen Kinder- und Jugendschutz. Zum Beispiel gibt es viel Partizipationsmöglichkeiten in Schulen oder Beratungsstellen. Es ist aber immer wieder sinnvoll, sich als Gesellschaft mit Kinderrechten auseinanderzusetzen“, sagt Bernd Nelskamp. Weiter unterstreicht der Leiter der Caritas-Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche: „Wir dürfen nicht müde werden, auf Kinderrechte hinzuweisen.“

Das große Familienfest, das in den vergangenen Jahren zum Weltkindertag auf dem Willy-Brandt-Platz viele Kinder und ihre Eltern anzog, musste in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie ausfallen. Spiel und Spaß seien für einen Kindertag auch angebracht, dennoch müsse man auch auf die ernsten Themen des Weltkindertages hinweisen, betont Nelskamp.

„Natürlich legen wir den Finger in die Wunde, wo es nicht gut läuft, und reden da nichts schön. Es gibt aber auch einige positive Aspekte, die man nicht vergessen darf“, mahnt Nelskamp.

So gebe es in der Stadt verschiedene Angebote der Jugendhilfe, öffentliche Treffs und die Schulen, die einen Blick auf die Kinder und Jugendlichen haben. „Insgesamt bin ich verhalten optimistisch, dass viele Dinge in der Stadt gut laufen, aber es gibt immer noch Luft nach oben“, resümiert Nelskamp.

Auch Peter Fischer sieht trotz positiver Entwicklungen noch Verbesserungsbedarf bei der Stärkung der Kinderrechte. „Etwa das Notinselprojekt sollte noch bekannter werden. Kinder können am Notinsel-Symbol zum Beispiel Geschäfte in der Innenstadt erkennen, in denen sie in einer Notsituation schnelle Hilfe bekommen. Ein wichtiges Thema ist auch die Prävention sexualisierter Gewalt“, berichtet Fischer.

Der Kinderschutzbund sensibilisiert Kita- und Schulkinder für das Thema und gibt ihnen Tipps für Verhaltensweisen und ein selbstbewusstes Handeln an die Hand. Insgesamt könne man noch nicht sagen, welche Auswirkungen die Pandemie für die junge Generation hat. Bei einigen Kindern machen Fischer und sein Team sich Sorgen, dass sie nicht aus dem häuslichen Umfeld herauskommen, da Präsenzunterricht und Freizeitangebote lange ausgefallen sind.

Auf der anderen Seite könnten sich stressige Familiensituationen auch entspannt haben, meint Nelskamp. Bisher stützen sich beide Seiten nur auf Spekulationen, gibt er zu. Ein wachsames Auge auf das Wohlergehen der Kinder haben die beiden Kinderschützer aber mit Sicherheit.

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