Ahnenforschung

Gladbeck: Das Stadtarchiv kann manches Rätsel lösen

Stadtarchiv-Leiterin Katrin Bürgel (l.) führt Besucher durch die Archivräume des Stadtarchivs. die Historikerin hilft vielen bei der Recherche in Sachen Ahnenforschung.

Stadtarchiv-Leiterin Katrin Bürgel (l.) führt Besucher durch die Archivräume des Stadtarchivs. die Historikerin hilft vielen bei der Recherche in Sachen Ahnenforschung.

Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Archivleiterin Katrin Bürgel spürt ein stärkeres Interesse an Historie. Insbesondere wenn es um die jeweils eigene Familiengeschichte von geht.

„Das wollte ich doch längst schon mal machen“, haben sich offenbar manche Menschen während der Corona-Ausgangsbeschränkungen gedacht und sich dann endlich auf die Spuren ihrer Vorfahren begeben. Die WAZ in Gladbeck hat in den vergangenen Wochen einige Beispiele zum Thema vorgestellt – Menschen, die ihren Wurzeln nachspüren wollten und manches Mal zu überraschenden Ergebnissen gekommen sind. Das war nur möglich mithilfe von historischen Dokumenten, Kirchenbüchern oder Einwohnerregistern. Hier sind die Archive gefragt, die mit ihrem historischen Wissen und dem richtigen „Handwerkszeug“ weiterhelfen können, wie eben auch das Gladbecker Stadtarchiv.

Katrin Bürgel ist seit 2010 Leiterin des Gladbecker Stadtarchivs und hat eine deutliche Zunahme im Interesse an historischen Forschungen festgestellt: „Dies kann man ganz klar an den Zahlen festmachen. In meinem Anfangsjahr hier in Gladbeck hatte ich 321 Anfragen, im vergangenen Jahr waren es dann 566.“ Das Stadtjubiläum im letzten Jahr habe das Interesse noch verstärkt. Auch in diesem Jahr beobachte sie eine steigende Tendenz.

Ein Todesfall ist oft der Auslöser für umfangreiche Ahnenforschungen

Über die Motivation der Menschen, sich mit der Geschichte der eigenen Familie zu beschäftigen, weiß Archivmitarbeiter Niklas Häusler genaueres: „In den meisten Fällen ist es ein Todesfall in der Familie, der dazu führt, dass die Hinterbliebenen plötzlich feststellen, dass sie zu Lebzeiten häufiger hätten fragen sollen. Meistens fangen sie mit dem Stammbaum an und damit kommt der Ehrgeiz, mehr zu erfahren.“ Manche der Familienforscher machten ganze Bücher daraus, berichtet Katrin Bürgel: „Diese Bücher werden oft bei uns abgegeben und wir nehmen sie dann in unseren Bestand auf.“

Es sei jedes Mal eine „Rechercheaufgabe“ für die Archivmitarbeiter, „um den Menschen möglichst viele Informationen zukommen zu lassen.“ Dies hatten auch die porträtierten Gladbecker Familienforscher durchweg als sehr positiv bewertet. Immer wieder melden sich Menschen beim Archiv, weil sie etwas über ihre Vorfahren jüdischen Glaubens, die in Gladbeck gelebt haben, erfahren möchten. „Was ist überhaupt mit meinem Großvater, meiner Großmutter im Nationalsozialismus hier passiert? – das wollen die Menschen wissen und das ist dann für mich als Historikerin sehr interessant.“

Stadtarchivarin hat Einzelschicksale zu ihrem Schwerpunktthema gemacht

Katrin Bürgel hat dies zu einem Schwerpunktthema ihrer Arbeit gemacht und zahlreiche Veranstaltungen dazu angeboten. So werden Einzelschicksale, wie in einem Puzzle zusammengefügt, oftmals relevant für die Geschichte einer Stadt: „Wenn jemand beispielsweise durch seine Recherchen herausfindet, dass er Teil einer Familie ist, die mal eine bestimmte Rolle in der Stadt gespielt hat, weshalb zum Beispiel eine Straße nach ihr benannt wurde, dann ist das für die Nachgeborenen schon etwas Besonderes“, erklärt Katrin Bürgel.

Ein wichtiges Thema sind auch die durch den Bergbau initiierten Zuwanderungsgeschichten. Auch in der Reihe der WAZ zum Thema Ahnenforschung spielte die Bergbauzuwanderung eine wesentliche Rolle. Allerdings haben die Recherchen auch deutliche Grenzen: „Zum Beispiel bei noch lebenden Personen“, sagt Niklas Häusler, „müssen wir ganz klar auf den Datenschutz achten.“ Historische Bildungsarbeit mit Schulen insgesamt ist Katrin Bürgel besonders wichtig, „damit Wesentliches nicht in Vergessenheit gerät.“ So freue sie sich sehr darüber, dass das Vestische Gymnasium in Kirchhellen jetzt einen Kurs in Familienforschung anbietet.

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