Stolpersteine

Gladbeck bekommt 21 neue Stolpersteine zur Erinnerung

Peter Jarosch vom Gladbecker Bündnis für Courage säubert und poliert ehrenamtlich die Stolpersteine, zum Beispiel auf der Horster Straße.

Peter Jarosch vom Gladbecker Bündnis für Courage säubert und poliert ehrenamtlich die Stolpersteine, zum Beispiel auf der Horster Straße.

Foto: Lutz von Staegmann / Funke Foto Services

Gladbeck.  Den bislang 89 Erinnerungsplaketten werden am 27. September weitere hinzugefügt. Das Bündnis für Courage Gladbeck lädt zur Stein-Verlegung ein.

Bereits 89 Stolpersteine erinnern stadtweit an Opfer des Nationalsozialismus. 21 weitere sollen am Freitag, 27. September, an sieben Verlegungsorten ins Pflaster eingelassen werden. Für jede Station ist ein kleiner Festakt vorgesehen.

Das Gladbecker Bündnis für Courage hatte sich für das „Stolperstein-Projekt“ des Kölners Gunter Demnig stark gemacht: „Wir sind sehr glücklich, dass nach den Verlegungen in den Jahren 2009, 2010, 2012 und 2015 nun weitere Steine verlegt werden.“ Der Künstler setzt seit dem Jahr 1992 – europaweit sind es inzwischen fast 70.000 Exemplare – eigenhändig Zeichen des Erinnerns an jene, die aus vielerlei Gründen ins Visier von Nationalsozialisten gerieten: Juden, Zigeuner, Homosexuelle; Menschen, die wegen ihrer politischen und religiösen Einstellung nicht ins Weltbild ihrer Peiniger passten. So wurde in Zweckel, vor der Herz-Jesu-Kirche, ein Stolperstein für Kaplan Bernhard Poether verlegt. Der katholische Geistliche setzte sich für die polnische Minderheit im Ruhrgebiet ein. Er starb anno 1942 an den Folgen von Unterernährung und Folter im Konzentrationslager Dachau.

Der Gladbecker Kaplan Bernhard Poether wurde von Nationalsozialisten ermordet

Bernhard Poether stand mitten in der Gladbecker Gesellschaft – wie so viele andere, die ebenfalls von den Nationalsozialisten verfolgt, drangsaliert, ermordet wurden. Es waren Nachbarn, Bekannte, Geschäftsleute, Mediziner, ja sogar Freunde. Hinter jeder Zahl, die in Geschichtsbüchern genannt ist, steckt ein Schicksal. Und das aufzuspüren, versuchen Jugendliche der weiterführenden Schulen in Gladbeck. Sie haben zu den Biografien der Opfer recherchiert. Peter Jarosch, der ehrenamtlich regelmäßig die Gladbecker Stolpersteine reinigt und poliert, ist es wichtig, dass die Jugend in die Aktion eingebunden ist. Denn: Die Erkenntnis, dass „so etwas wie unter Hitler nie wieder passieren darf“ und das Wissen um die Geschehnisse unter Hitler soll jungen Leuten vermittelt werden.

Die beteiligten Schüler gehören zu den Paten für die Stolpersteine. So für die Plaketten mit den biografischen Eckdaten, die am 27. September gegen 9 Uhr vor der Friedenstraße 34 verlegt werden. Dort wohnten Ella Estera, Isaak, Gustel und Lotte Margulies. Die Patenschaft haben Schüler des Ratsgymnasiums übernommen.

An der Humboldtstraße 8 lebte die Kinderärztin Dr. Gertrud Hessberg. Pate für diesen Stolperstein, der gegen 9.20 Uhr in den Bürgersteig eingelassen werden soll, ist Manfred Samen, ein engagiertes Mitglied des Bündnisses für Courage. An Isidor Kahn erinnert ein Exemplar, das gegen 9.40 Uhr an der Kolpingstraße 2 (Ausgang City Center) verlegt wird. Auch hier hat Manfred Samen die Patenschaft übernommen.

Schüler haben die Patenschaft übernommen

Drei Steine werden zukünftig Paula, Simon und Lutz Schlachter in der Öffentlichkeit unvergessen machen. Verlegung: gegen 10 Uhr, Hochstraße 17. Die Paten kommen von der Erich-Fried-Schule.

Jugendliche vom Riesener-Gymnasium haben zum Leben und Schicksal von Luise Cohn recherchiert. Für sie ist ein Stolperstein an der Horster Straße 2 bestimmt, der gegen 10.20 Uhr gesetzt werden soll. Von dort geht es etwa 20 Minuten weiter zur Horster Straße 54.

Schüler des Heisenberg-Gymnasiums haben die Patenschaft für die Plaketten übernommen, die die Erinnerung an Ester Erna Blutstein sowie Salomon, Ester, Morris Moritz, Jsidor Hermann, Jakob und Solly Ottmann wach halten sollen. Für Frieda, Moritz, Wolf und Leo Wainstock werden gegen 11.10 Uhr Stolpersteine an der Roßheidestraße 213 verlegt. Patenschaft: die Waldorfschule, die sich erstmals an der Aktion beteiligt. Reile Hildebrandt-Junge-Wentrup, ebenfalls im Bündnis für Courage aktiv, erzählt: „Ester Erna Blutstein war eine geborene Kaufmann.“ Für Mitglieder dieser jüdischen Familie wurden bereits Stolpersteine verlegt. Nachkommen waren mehrfach zu Besuch in Gladbeck.

Die Verlegung des Metall gewordenen Mahnens ist an mehrere Bedingungen geknüpft. Genannt werden müssen der volle Name der Opfer, die letzte Meldeadresse in Gladbeck und das Geburtsjahr. Nicht zu vergessen das Datum von Ausweisung, Deportation oder Ermordung. Eine Gruppe der Anne-Frank-Realschule hatte Spuren des Lebens von Herta Marx-Isaak untersucht, für die ebenfalls ein Stolperstein verlegt werden sollte. Dazu wird es nun nicht kommen. Grund: Sie hatte zwar in Gladbeck an der Mittelstraße 32 gewohnt, zuletzt aber in Essen und Holland gelebt.

Das Bündnis für Courage: „Wir sind sehr glücklich, dass nach den Verlegungen in den Jahren 2009, 2010, 2012 und 2015 nun weitere Steine folgen werden.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben