Mehrgenerationenwoche

Gaby Schnell spricht über den „Krieg der Generationen“

Bei der Dialogveranstaltung der Gladbecker Mehrgenerationenwoche im Alten Rathaus trafen gestern junge Leute auf Senioren.

Foto: Michael Korte

Bei der Dialogveranstaltung der Gladbecker Mehrgenerationenwoche im Alten Rathaus trafen gestern junge Leute auf Senioren. Foto: Michael Korte

Die Vorsitzende der Landesseniorenvertretung referierte im Alten Rathaus in Gladbeck. Kritisiert wurde sie für den Titel ihrer Veranstaltung.

Verliert die Jugend den Krieg der Generationen? Unter dieser provokanten Leitfrage stand der Vortrag der Vorsitzenden der Landesseniorenvertretung, Gaby Schnell, am 12. September im Alten Rathaus. Der Vortrag fand allerdings nicht einfach so statt – Anlass war die siebte interkulturelle Mehrgenerationswoche vom Verein Sport für bewegte Bürger (SfbB).

Diese mehreren Generationen fielen auch beim Blick in den Sitzungssaal auf. Nicht nur viele Senioren und der Seniorenbeirat waren anwesend, auch Schüler des Riesener Gymnasiums lauschten der Rednerin. Außerdem sorgten Kinder des Bewegungskindergartens Frochtwinkel für eine Pauseneinlage.

Gladbecker Seniorenrat ist besonders aktiv

Schnell betonte direkt zu Beginn ihres Vortrags, wie sehr sie sich Gladbeck verbunden fühlt. Sie sprach von „heimatlichem Terrain“, schließlich sei sie schon so oft in Gladbeck gewesen. Auch für den Seniorenbeirat hatte sie Komplimente: Dieser gehöre zu den aktivsten Seniorenbeiräten in ganz Nordrhein-Westfalen.

Eine verlässliche Beziehung zwischen den Jungen und den Alten zu schaffen, sei schon immer eine Aufgabe gewesen, der sich die Menschen gegenüber sahen, betonte Schnell. Sie erinnerte an die Vergangenheit, in der diese Aufgabe eher schlecht bewältigt wurde. So hatten Alte in Großfamilien beispielsweise keinen guten Stand. Lediglich in der Antike sei es den Alten gut gegangen: „Sparta war eine Gerontokratie, bei dieser Regierungsform haben die Ältesten die Macht“, so Gaby Schnell. Das werde es aber bei uns nicht geben, wusste die Rednerin. „Nur weil die Gesellschaft älter wird, erhalten die Senioren nicht die Macht.“ Schließlich sei auch die Hälfte der Bevölkerung weiblich, „aber das Wahlrecht für Frauen hat lange auf sich warten lassen“.

Generationen brauchen sich

Als Aufgabe formulierte Schnell, miteinander zu arbeiten. Schließlich bräuchten die Generationen sich gegenseitig. So könnten sie einander viel mitgeben. „Es geht um das kulturelle Erbe einer Gesellschaft“, betonte Schnell. Die Entwicklung zu mehr Individualisierung und Egoismus, sieht sie als Gefahr. Damit verschwänden zwar Zwänge, wie das Besuchen von Verwandten oder der sonntägliche Kirchgang, es gäbe allerdings auch keine Straßenfeger mehr im Fernsehen, über die am nächsten Tag alle miteinander sprechen könnten. Das könne nur noch der Fußball, so Gaby Schnell.

Auf den Sport und den SfbB nahm sie in ihren Schlussworten Bezug. Sport halte nicht nur körperlich, sondern auch geistig fit „und er kann Generationen und Kulturen miteinander verbinden“.

Kritik für den Veranstaltungstitel

Obgleich Gaby Schnell den Titel ihres Vortrags „Verliert die Jugend den Krieg der Generationen?“ selbst als überspitzt bezeichnete, erntete sie bei der anschließenden Diskussion dazu viel Kritik. Ein Anwesender appellierte, den Begriff des Krieges nicht mehr zu verwenden, schließlich sei er besonders für die Alten mit den Assoziationen an Kampf verbunden.

Aber auch die Schüler kritisierten allesamt den Titel. Als Reaktion versuchte Schnell die Wogen zu glätten, indem sie darauf verwies, dass durch diese provokante Formulierung erkannt werde, „dass es zwischen den Generationen keinen Krieg gibt“.

In der Diskussion tauschten sich die Anwesenden auch untereinander aus. So erntete die 15-jährige Jasmin Baumann viel Applaus dafür, dass sie im Altenheim Zeit mit Senioren verbringt. „Ich lerne von ihnen etwas vom Leben“, erläuterte die Schülerin. Auch Senioren, die an der Universität Duisburg-Essen studieren, berichteten begeistert von ihrem Uni-Alltag mit den vielen jungen Studenten. Von Krieg also keine Spur.

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