Krankenhauslandschaft

Fusionsplan der Katholischen Kliniken wirft viele Fragen auf

Pläne vorläufig auf Eis gelegt? Im Innenhof des St. Barbara Hospitals sollte kurzfristig ein dreigeschossiger Neubau entstehen.

Foto: Lutz von Staegmann

Pläne vorläufig auf Eis gelegt? Im Innenhof des St. Barbara Hospitals sollte kurzfristig ein dreigeschossiger Neubau entstehen. Foto: Lutz von Staegmann

Gladbeck.  Liegen mit der geplanten Hochzeit die Ausbaupläne für das Gladbecker St. Barbara-Hospital vorläufig auf Eis?

Quo vadis - wohin geht, beziehungsweise entwickelt sich die katholische Krankenhauslandschaft im Emscher-Lippe Raum? Diese Frage stellt sich, nachdem sich durch offizielle Mitteilung bestätigte, was zuvor schon kolportiert wurde: Die Katholischen Kliniken Emscher-Lippe lösen die Verlobung mit der Marienhospital Bottrop gGmbh, um jetzt die Hochzeit mit dem offenbar interessanteren Bewerber St. Augustinus Gelsenkirchen GmbH zu vollziehen.

In den kommenden Monaten sollen „die wesentlichen medizinischen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Verbünde in den Blick genommen werden“. Mit dem Ziel, ein zukunftsfähiges Unternehmenskonzept aufzustellen, „mit den dazugehörenden Investitions-, Wirtschafts- und Stellenplänen und eine gesellschaftsrechtliche Verflechtung der Unternehmen“, so der offizielle Wortlaut. Mit der Ankündigung der Zusammenarbeit unter Hoheit von St. Augustinus (Mehrheitsbeteiligung) keimen natürlich wieder Hoffnungen beziehungsweise Sorgen, ob sich an den bisherigen Plänen der vorigen Paarung KKEL-Marienhospital Bottrop etwas ändert.

Hat die St. Barbara-Geburtshilfe eine Chance auf Wiederbelebung?

Hat die einstige Geburtshilfe am Barbara-Hospital in Gladbeck eine Chance auf Wiederbelebung? Wird die beabsichtige Schließung des Standortes St. Josef Horst noch einmal überdacht? Sind jetzt gar die angelaufenen Ausbaupläne in Gladbeck gefährdet?

Die bisherigen Absprachen zwischen der Bottroper Marienhospital Geschäftsführerin Dr. med. Ulrike Ellebrecht und KKEL-Interims-Saniererin Ines Manegold sahen den Umzug der Horster Geriatrie (60 Betten) und Internistischen (30 Betten) ins Gladbecker Barbara-Hospital vor. Das

Krankenhaus sollte zukunftsfähig aufgestellt werden und zunächst für 6,6 Millionen Euro einen dreigeschossigen modularen Anbau im Innenhof erhalten. Die vorbereitenden Arbeiten sind bereits angelaufen – mit bislang beabsichtigtem Bezug im März 2018.

„Im Auftrag von St Augustinus-Geschäftsführerin Susanne Minten und nach Rücksprache mit KKEL-Aufsichtsratschef Werner Philipps“ teilt Augustinus-Pressesprecher Wolfgang Heinberg zu den vielen offenen Fragen am Freitag nichts erhellendes mit: „Ergänzend zu unserer gemeinsamen Presseinformation vom gestrigen Tag, erfolgt derzeit keine weitere Mitteilung. Sobald es relevante Entwicklungen und Entscheidungen im laufenden Prozess gibt, folgen zeitnah öffentliche Informationen.“

Abwerbung des Onkologie-Chefs Dr. Meckenstock schwächte die KKEL

Die erfolgreiche Abwerbung des renommierten Onkologie-Chefs Dr. Gerald Meckenstock im Sommer dieses Jahres, der von St. Josef Horst (KKEL) mitsamt Gefolge zum Ückendorfer Marienhospital umzog, bescherte St. Augustinus ohne Frage einen Trumpf. Und schwächte die KKEL, da die Onkologie in Horst rund zehn Millionen Euro Jahresumsatz erzielte.

Inwieweit der Bruch der Verlobung durch die KKEL auch die bisherigen Planungen des Bottroper Marienhospitals betreffen, das beispielsweise zwischenzeitlich die eigene Geburtshilfe stärkte, wollte Geschäftsführerin Dr. Ulrike Ellebrecht der WAZ noch nicht mitteilen: Sie werde sich erst nach dem Wochenende am Montag äußern, so die schriftliche Antwort.

„Kein Zickzackkurs des Aufsichtsrates“

In der Gladbecker Öffentlichkeit führt die beabsichtigte Fusion der Katholischen Kliniken Emscher-Lippe mit der St. Augustinus Gelsenkirchen zu Irritationen: „Wissen die Verantwortlichen bei der KKEL nicht was sie wollen?“ „Was soll dieser Zickzackkurs des Aufsichtsrates – haben die keine Ahnung vom Geschäft?“, ist bei der Diskussion unter Bürgern zu hören.

Zur Erinnerung: Anfang Juli 2016 war der langjährige KKEL-Geschäftsführer Berthold Grunenberg überraschend abberufen worden. Begründet wurde dies vom Aufsichtsrat mit der beabsichtigten Kooperation der KKEL mit der Marienhospital Bottrop gGmbH. Ab 1. August übernahm Marienhospital-Geschäftsführerin Dr. Ulrike Ellebrecht zunächst per Managementvertrag so auch die Geschäfte der KKEL. Die Schließung der Geburtshilfe am St. Barbara-Hospital zum Jahresende und das angekündigte Aus von St. Josef folgten. Dann die nächste Überraschung: Krankenhaus-Saniererin Ines Manegold wurde mit Zweijahresvertrag als neue Interims-Geschäftsführerin der KKEL zum Jahresstart 2017 berufen, um den Klinikverbund zukunftsfähig aufzustellen. Ihre jetzt erfolgte Abberufung sieht sie „tiefenentspannt“ und sagt professionell: „Ich wünsche der Fusion mit St. Augustinus allen wünschenswerten Erfolg und will diesem nicht im Wege stehen.“

Blick auf die künftige Struktur der katholischen Krankenhauslandschaft

KKEL-Aufsichtsrat Werner Philipps weist den Vorwurf eines Zickzackkurses zurück: „Wir überlegen sehr genau, was wir tun“, und treffe die Entscheidungen auch im Hinblick auf die künftige Struktur der katholischen Krankenhauslandschaft in der Region.

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