Frauengesundheitstag

Frauengesundheitstag erlebt gelungene Premiere in Gladbeck

Im Schlosshof in Wittringen hatten Vereine, Verbände und Einrichtungen Stände mit Informationen zu Themen aufgebaut, die Frauen unter den Nägeln brennen.

Im Schlosshof in Wittringen hatten Vereine, Verbände und Einrichtungen Stände mit Informationen zu Themen aufgebaut, die Frauen unter den Nägeln brennen.

Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Besucherinnen informierten sich am und im Wasserschloss Wittringen sowie Museum. In entspannter Atmosphäre kamen viele Themen zur Sprache.

Sie schlendern solo oder mit einer Freundin zum Museum. Sie stehen in Grüppchen im Innenhof des Wasserschlosses oder auf der Brücke und diskutieren. Einige haben sich in schnittige Trainingshosen geworfen, andere bummeln von Info-Stand zu Info-Stand. So unterschiedlich die Besucherinnen in Wittringen und ihre persönlichen Interessen auch sein mögen, sie steuern an diesem Mittwoch ein gemeinsames Ziel an: den ersten Frauengesundheitstag auf Gladbecker Boden.

Wohl jede findet bei dem Riesenangebot Themen, die sie bewegen. Vereine, Verbände, Einrichtungen und Fachleute aus vielerlei Bereichen haben ein Riesenprogramm organisiert. Im Fokus – na klar! – Fragen, die speziell Frauen auf den Nägeln brennen. „Da läuft so vieles parallel, dass ich mich gar nicht entscheiden kann, wohin ich jetzt gehen soll“, stellt eine Besucherin in flottem Sportdress fest. Eine VHS-Schnupperstunde „Starker Rücken“ hat sie mitgemacht. Aber nun die Qual der Wahl: Soll sie mit der Frauenberatung Wege zu mehr Selbstfürsorge und Achtsamkeit beschreiten? Oder sich lieber Antworten auf die Frage geben lassen: Schlagen Frauenherzen anders?

Und da gibt es ja auch noch so viele andere interessante Themen. Ursula Zahn von der Volkshochschule versammelt im holzgetäfelten Gildensaal Gäste um sich, die mehr über die „Kraftquelle Beckenboden“ erfahren wollen. Unter den Augen von Putten und Berühmtheiten – freilich als Gemälde – stellt die Expertin ein Skelett auf, um ihre Ausführungen anschaulich zu machen. Zeitgleich informieren sich Frauen in der historischen Küche des benachbarten Museums über Möglichkeiten der Unterstützung bei Pflegebedürftigkeit. Hausherr Alexander Borchard findet die „Atmosphäre entspannt und intim“.

Besucherinnen sprechen ohne Scheu über sehr persönliche Belange

In solch einer fast familiären Umgebung haben die Besucherinnen keine Hemmungen, sehr persönliche Belange anzusprechen. Beispielsweise in der Diskussion mit Lisa Remmers von der Frauenselbsthilfegruppe nach Krebs. Die 65-Jährige thematisiert mit Expertinnen – darunter eine Psychoonkologin – das schmerzvolle Thema „Annehmen von schwierigen Situationen“. Remmers betont: „Wir halten uns hier an die Schweigepflicht. Die Frauen haben keine Angst, in dieser Runde zu sprechen.“ Und sie wagt das Resümee: „Hier ist niemand mit einem Fragezeichen rausgegangen.“

Das sagt Nadja Frauenhofer auch über die anderen Angebote dieses Frauengesundheitstags, den die Contilia-Gruppe durchführt. Die Projektleiterin stellt fest: „Nicht nur die Besucherinnen knüpfen Kontakte, auch die beteiligten Frauen vernetzen sich untereinander.“

Edesa Paheshti vom städtischen Büro für Freiwilliges Engagement und ihre Kollegin Heidi Peigottu aus dem Amt für Soziales und Wohnen beobachten ebenfalls, dass sich die Gäste mit Informationen zu Ansprechpartnern eindecken.

Manch eine Besucherin nutzt die Chance, außerhalb einer üblichen Beratungssituation – beispielsweise in einer Sprechstunde – ohne Scheu über Probleme zu sprechen, die in der Öffentlichkeit vielleicht eher als Tabu behandelt werden. So freuen sich die Medizinerinnen des Marienhospitals Altenessen über großes Publikumsinteresse. Oberärztin Anne-Kristin Stolla führt an einem Modell vor, wie Frauen ihre Brust abtasten sollten.

Inkontinenz ist keine Frage des Alters

Nebenan prangt ein Plakat, das auf den ersten Blick schmunzeln lässt. Motiv: Feinripp-Schlüpfer baumeln auf einer Wäscheleine. Das Thema dahinter, über das Betroffene nicht lachen können: Inkontinenz. Eine Problem, das keineswegs nur Seniorinnen angeht. Dr. Justine Speth, Leitende Oberärztin am Marienhospital Altenessen, räumt mit dem verbreiteten Vorurteil auf: „In meine Urogynäkologische Sprechstunde kommen Frauen ab 25 Jahre.“ Eine der vielen Informationen, die manch eine Besucherin des Frauengesundheitstags dankbar mit nach Hause genommen haben dürfte . . .

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